Werden wir es schaffen?
Die Eröffnung der Bregenzer Festspiele hat es wieder einmal gezeigt: Was haben wir für ein Glück mit unserem Bundespräsidenten. Alexander Van der Bellen hielt vernünftigerweise keine Rede zur Kunst – dafür sei ja der Minister für Kultur zuständig –, sondern zur Politik. Und natürlich ging es um die Ereignisse der jüngeren Ibiza-Zeit, in der sich Van der Bellen als Hort der Demokratie und des Rechtsstaates in einer Art bewährt hat, vor der man nur den Hut ziehen kann. Das hat natürlich nicht er gesagt, aber das haben sich wohl viele im voll besetzten Festspielhaus gedacht.
Van der Bellen forderte eine Politik, nach der die jüngste Person im Festspielhaus, wenn sie so alt sei wie wir heute, sagen könne: Leicht sei es nicht gewesen, aber: „Ihr habt es geschafft“.
Es war eine der wirklich guten Festspieleröffnungen, die wir am Mittwoch erleben durften. Schon Festspielpräsident Hans-Peter Metzler blieb nicht bei der formalen Begrüßung, sondern forderte für die Festspiele sowie Kunst und Bildung im Allgemeinen einen höheren Stellenwert. „Mit und über Kunst ein volkswirtschaftlicher Faktor sein zu wollen ist nicht nur legitim, sondern zwingend notwendig.“ Natürlich sprach er damit auch die notwendige Renovierung des in die Jahre gekommenen Festspielhauses an. Wohltuend sachlich Kulturminister Alexander Schallenberg, der meinte, Kultur und Kunst fördere nicht zuletzt „den Blick für das Gemeinsame, für die Toleranz und vor allem den Respekt vor unserem Nächsten“.
Dann der Bundespräsident: nachdenklich, launig, ernst, immer wieder mit Pausen, auch selbstreflektierend. Wenn er etwa seinen Satz „So sind wir nicht“, der im Zuge des Ibiza-Videos berühmt wurde, hinterfragte. „Wäre es aber möglich, dass wir im politischen Leben so werden?“, stellte er in Hinblick auf die Macht, die mit einem politischen Amt auch verbunden sei, die Frage. Könnte es sein, meinte Van der Bellen, dass man, wenn man im Zentrum der Macht angekommen sei, glaube, dass „Gesetze für alle gelten, außer für einen selbst“? Die Macht aber sei nur geliehen, deshalb müsse man damit sehr sensibel umgehen, meinte er unter dem Applaus des Publikums. Dann das zentrale Anliegen des Bundespräsidenten, die bevorstehende Klimakatastrophe, die unweigerlich komme, wenn wir nicht umdenken würden. „Wir müssen aus unseren Komfortzonen heraus“, wenn wir nicht wollten, dass unsere Kinder uns fragen werden, warum wir ihnen eine nicht mehr lebenswerte Welt hinterlassen hätten. Van der Bellen forderte eine Politik, nach der die jüngste Person im Festspielhaus, wenn sie so alt sei wie wir heute, sagen könne: Leicht sei es nicht gewesen, aber: „Ihr habt es geschafft“. Sein Wort in Gottes Ohr.
Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.
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