Komponistin und Organistin Gerda Poppa: „Ich sehe bei Noten bestimmte Farben“

Kultur / 25.04.2019 • 11:00 Uhr
Komponistin und Organistin Gerda Poppa: „Ich sehe bei Noten bestimmte Farben“
Gerda Poppa ist als Komponistin und Organistin tätig. VN

Die Musikerin aus Röthis präsentiert am Wochenende ihre neuesten Werke und schreibt bereits an weiteren.

Röthis Eigentlich ist sie Hauptorganistin an der Basilika Rankweil und hat so nebenbei noch eine Familie zu betreuen. Doch als sie nach Abschluss ihres Orgelstudiums bei Bruno Oberhammer über notierte Improvisationen zur Komposition kam, hat sich ihr als „Spätberufener“ ein völlig neues, faszinierendes Betätigungsfeld eröffnet. Herbert Willi vermittelte ihr im Kompositionsstudium, das sie 2015 mit Auszeichnung abschloss, das Know-how, um diese neu entdeckte Leidenschaft auch mit dem notwendigen Können auszuführen. So wurde Gerda Poppa neben der international erfolgreichen Johanna Doderer zur zweiten professionell ausgebildeten Komponistin Vorarlbergs und schickt sich an, mit der Qualität und Originalität ihrer Werke zusehends Terrain und Beachtung in der Region zu erobern. Sie schreibt in genau festgelegten Besetzungen für fixe Auftraggeber, etwa das SOV („Wartezeitenmusik“), und das mit Leidenschaft. Am Wochenende ist in zwei Konzerten Neues von Gerda Poppa zu erleben.

Sie besitzen als Synästhetikerin eine besondere Begabung?

Ich sehe bei Buchstaben, Zahlen und Noten bestimmte Farben, das ist beim Komponieren oft sehr hilfreich, etwa bei meinem Blechbläser-Stück „Colours“ 2016 zu den neuen Glasfenstern in der Basilika Rankweil. Diese Fähigkeit hilft mir auch bei der Suche nach dem Weg zur Musik, die in mir erklingt.

Dieses Prinzip des inneren Hörens haben Sie von Ihrem Lehrer Herbert Willi übernommen, es steht am Beginn jeder Komposition. Lassen Sie sich daneben auch von außermusikalischen Eindrücken leiten?

Ja, das sind etwa literarische Vorlagen wie im Holzbläserquintett „Annabel Lee“, 2016 vom Wiener Concert-Verein uraufgeführt, mit dem sich übrigens eine weitere Zusammenarbeit anbahnt. Es kann aber auch ein Bild sein oder ein philosophischer Gedanke. Ansonsten sind es auch Menschen oder Ereignisse des täglichen Lebens, die mich inspirieren, etwa der schwere Unfall meines Sohnes. Aus diesen Eindrücken ist später ein Klaviertrio entstanden.

Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht das Ensemble Plus als Förderer für das heimische Musikschaffen?

Dieses Ensemble ist für uns Komponisten im Land immens wichtig, denn es bietet uns Kompositionsaufträge und Aufführungsmöglichkeiten mit hervorragenden Musikern, die mit Leidenschaft und großem Können am Werk sind.

Ihr neuestes Werk für das Ensemble Plus, das jetzt uraufgeführt wird, nennt sich „Kaleidoskop“ und ist eine Art Programmmusik mit autobiografischen Zügen, wenn man an den Untertitel denkt: „Kindheit in Rankweil“.

Ja, da findet man wirklich schöne, aber auch angstvolle oder friedvolle Erinnerungen an Orte, Situationen und Erlebnisse in der Gemeinde Rankweil, der ich das Werk auch gewidmet habe. Es sind fünf Situationen, bei denen sich mir ganz stark Musik aufgedrängt hat, z. B. die Villa Häusle. Ich habe mich schon als Kind in dieses heutige „Geisterhaus“ verliebt. Oder das Beinhaus St. Peter: gruselig und faszinierend zugleich. „Kaleidoskop“ ist aber keine Vertonung von Orten oder Situationen, sondern der Empfindungen, die in diesen Erinnerungen stecken.

Bei diesen Porträtkonzerten sollte auch Ihr Streichquartett „Via vitae“ durch das Montfort-Quartett uraufgeführt werden. Da gab es Probleme.

Ja, dieser Programmpunkt muss leider entfallen, da ein Mitglied des Quartetts krankheitshalber absagen musste und in der kurzen Zeit kein Ersatz für den sehr schwierigen Geigenpart gefunden werden konnte. Ich bin sehr dankbar, dass stattdessen der Bassist Martin Summer eingesprungen ist und mit Martin Gallez am Klavier mein Lied „Zum Geleit“ zu einem Text von Hans Eschelbach aufführen wird. Es ist im letzten Herbst für dessen Theaterstück „Worte und Werte“ entstanden. Dabei waren die Umstände der Entstehung und Entdeckung des Textes für mich wichtig, wie ich das Lied empfinde und eine innere Hörvorstellung davon bekomme.

Derzeit arbeiten Sie an einem Kompositionsauftrag des Basilikachors Rankweil für Ihre erste lateinische Messe, die dort im November uraufgeführt wird. Wie groß ist die Herausforderung angesichts der Tradition dieser Gattung?

Meine Herausforderung besteht darin, dass normale Kirchenchöre mit Laiensängern diese Messe bewältigen können. Also keine allzu schrägen Harmonien, keine komplizierten Rhythmen, kein zu großer Tonumfang. Und trotzdem soll die Musik zeitgemäß sein – wahrlich nicht leicht! Ich besetze die Messe mit einer professionellen Sopransolistin, der ich einiges zutrauen kann, einem kleinen Streichensemble, Orgel, Pauken und ein wenig sonstige Perkussion, mit der ich mich neuerdings intensiver befasse. Textbearbeitung und Aufbau einer Messe sind für mich kein Problem, das habe ich in meinen Jahren als Organistin längst verinnerlicht.

Gibt es Pläne, die darüber hinausgehen?

Nach der Messe werde ich einen Auftrag der Sinfonietta Lustenau für ein Jugendorchesterwerk erfüllen, auch das ist eine Herausforderung! Anschließend schreibe ich ein Klavierstück für die Pianistin Hanna Bachmann, darüber bin ich besonders glücklich und freue mich auf die Zusammenarbeit. Fritz Jurmann

Porträtkonzerte Gerda Poppa, 27. April, 19.30 Uhr, Vinomnasaal Rankweil; 28. April, 11 Uhr, Vorarlberg Museum Bregenz (Christine Schneider, Sopran; Martin Summer, Bass; ensemble plus)

Gerda Poppa

Geboren 1963, lebt mit ihrer Familie in Röthis

Ausbildung Klavier, Orgel und Komposition

Tätigkeit Organistin der Basilika Rankweil und der reformierten Kirche Grabs/CH;  Orgelsolistin und Kammermusikerin bei Kirchenkonzerten in der Region 

Werke Als Komponistin für verschiedenste Gattungen gefragt in Österreich, Süddeutschland und der Schweiz; Kompositionsaufträge namhafter Veranstalter; die Werkliste umfasst 23 Kompositionen