Schultheater in Egg: Alle sind gut und eine will immer den Liebhaber spielen

Wenn sich 40 Jugendliche wie am Schultheater Egg etwas trauen, kommt viel dabei heraus.
Egg Bei Dario Fo darf man rotzfrech sein, das kommt den rund 40 Jugendlichen bzw. Schülerinnen und Schülern am Gymnasium Egg und an einigen weiteren Vorarlberger Bildungsstätten durchaus entgegen. Mit fast allen Wassern gewaschen bzw. nach der Ertüchtigung mit großen Klassikern wie “Ein Sommernachtstraum” oder politischen Konfliktstoffen, wie sie in Arthur Millers “Hexenjagd” zum Ausdruck kommen, wählte man mit “Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan” des italienischen Literaturnobelpreisträgers Dario Fo (1926-2016) für die diesjährige Schultheaterproduktion eine Komödie, die es in sich hat. Der Titel verrät es, irgendwo geht es da auch um die Entdeckung Amerikas, irgendwann versucht immer wieder jemand mehr oder weniger erfolgreich, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, und zwischendrin möchte jemand immer wieder den Liebhaber spielen, aber eigentlich sind die Frauen sowieso die Stärkeren.
Kein gefundenes Fressen
Politische Sauereien, Korruption und Rollenklischees zu thematisieren, war Fo, der auch als Satiriker reüssierte, immer ein Anliegen. “Isabella, drei Karavellen und ein Scharlatan”, das in den frühen 1960er-Jahren entstandene Stück, strotzt nur so davon. Ein leicht gefundenes Fressen ist es trotzdem nicht, denn es sind Berge von Dialogen einzustudieren und die Szenen wechseln schnell. Das Regieteam Ariel Lang und Maria Meusburger-Bereuter machte aus der Not eine Tugend, lässt Mädchen gelegentlich auch als Männer agieren, Textpassagen einspielen bzw. einlesen, fügt gute Musik hinzu und darf davon ausgehen, dass die Zuschauer die Rückblicke schon kapieren. Denn das Stück beginnt mit dem Gang eines Mannes, der sich – aus der Perspektive der Handelnden im späten 15. Jahrhundert – der Ketzerei schuldig gemacht hat, auf das Schafott. Begnadigt werden kann er nur, wenn es ihm gelingt, die Geschichte des Entdeckers Christoph Kolumbus vorzuspielen.
Dass dieser alles andere als eine weiße Weste hatte und nur bei entsprechendem Einsatz seines diplomatischen Geschicks, mit den Mitteln der Täuschung und bei perfidem Gebrauch der Ellbogentechnik erfolgreich sein konnte, wissen wir inzwischen. Dario Fo verwendet die Geschichte, die ihm zudem eine wunderbare Gelegenheit gibt, familieninterne Zwistigkeiten aufzuzeigen, bei denen die Männer nicht selten den Kürzeren ziehen, um politische Verhältnisse darin zu spiegeln. Damit eine Aufführung an Fahrt gewinnt, braucht man dabei gar nicht konkret zu werden und im Rahmen einer Schultheaterproduktion wäre das ohnehin nicht angesagt. Ariel Lang, dem die Gesamtleitung obliegt, ist erfahren und klug genug, um etwaige Botschaften subtil zu vermitteln, und er darf sich sicher sein, dass seine Schülerinnen und Schüler diese Gangart unterstützen.
Der Zweck ist mehr als erfüllt
Schließlich werden bei der Stückwahl, wie Lang versichert, auch Wünsche der Jugendlichen selbst berücksichtigt. “Es geht um das Zurechtrücken der heroischen Mythen rund um die Entdeckung Amerikas, um reale Macht- und Geldgier”, sagt Leonie Sohm, die die 8. Klasse besucht und die Rolle der klugen und schlagfertigen Isabella von Kastilien spielt, die sich von ihrem Ferdinand schon einmal gar nichts sagen lässt, es mit der Moral grundsätzlich aber auch nicht so genau nimmt. Julia Jackel, die dieselbe Rolle einstudiert hat, verrät, dass man auch eigene Gefühle transportieren darf, und zwar ohne dass es der Zuschauer gleich merkt.
Schultheater ist mit eigenen Maßstäben zu messen. Der Zweck ist mehr als erfüllt, es gibt hier viel zu lachen und zu lernen und es zeigt sich erneut, dass in Egg ein paar echte Bühnen- und Rhetorikbegabungen alle anderen mitziehen.
Weitere Aufführungen am 6. April, 20.15 Uhr, Wölfle-Saal in Bizau, 13. April, 20.15 Uhr, Wäldersaal in Lingenau, 14. April, 20.15 Uhr, Hermann-Gmeiner-Saal in Alberschwende.