Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Der späte Sprung zur Musikuni

Kultur / 01.04.2019 • 09:59 Uhr

Sofern man sich nicht wieder schon in die Startrampe verhakt, wäre das Gelingen dessen, was nun, wie berichtet, wieder einmal diskutiert wird, ein ohnehin später Sprung zur Musikuniversität. Beobachter der Vorarlberger Bildungspolitik kennen die Misere. Das Behindern von universitären Einrichtungen, die der Bund vor einigen Jahrzehnten befürwortet hätte, wurde im Land so massiv betrieben, dass es lange nachwirkt. Das Argument, dass es jungen Leuten gut tut, wenn sie wegkommen, hört man heute immer noch. Dass die Studentenbude in einem anderen Bundesland oder im Ausland ein zusätzlicher Kostenfaktor für die Bildungshungrigen ist, wird gerne ebenso vergessen wie die Tatsache, dass es eine Region bereichert, wenn etwaige Diskurse vor Ort von Professoren und Studierenden stichhaltig, das heißt, auf entsprechendem Niveau befeuert werden. Ein paar Fachhochschüler, angehende Lehrer und deren Ausbildner machen sich diesbezüglich kaum bemerkbar.

“Für angehende Lehrer geht es sich aus, für Musiker ist ein Konservatorium aus verschiedenen Gründen längst ein Auslaufmodell.”

Doch auch am Vorarlberger Landeskonservatorium werden in erster Linie Pädagogen ausgebildet oder Begabte für die Aufnahmeprüfung an renommierten Musikuniversitäten mit bekannten Koryphäen im Lehrkörper vorbereitet. Nach den Reformen im europäischen Hochschulwesen ist das mittlerweile nur in Kooperation mit dem Mozarteum möglich. Mag man es noch so schönreden, für angehende Lehrer geht es sich aus, für Musiker ist ein Konservatorium aus verschiedenen Gründen längst ein Auslaufmodell.

Verheerender RH-Bericht

Vor knapp zwanzig Jahren und nach einem verheerenden Rechnungshofbericht erkannte man auch in Feldkirch Handlungsbedarf. Die Privatuniversität wurde zum intensiv diskutierten Thema, der Direktorensessel zwei Mal umbesetzt und die Rechenschieber glühten, um zum Ergebnis zu kommen, dass sich das für die etwa 350 Studierenden, von denen sehr viele ohnehin noch das Musikgymnasium besuchen, nicht ausgeht. Sprich: Es war zu teuer.

Zum 40-Jahr-Jubiläum des Landeskonservatoriums, bei dem man vor zwei Jahren auf die recht amüsante Geschichte des Hauses in Feldkirch verwies, das in den Gründerjahren noch in Konkurrenz zur gleichnamigen Einrichtung in Bregenz stand, wurden die laufenden Kosten für das Land mit mehr als fünf Millionen Euro pro Jahr als gut angelegt genannt. Weitere Summen für die Infrastruktur sind mittlerweile hinzuzurechnen.

Tatsache ist, dass die erfreuliche Zahl von rund 15.000 Musikschülern im Land nicht sinken, sondern gesteigert werden sollte. Das rechtfertigt die Investition in bestens ausgebildete Lehrer, die gewährleistet ist, wenn in Feldkirch entsprechende Experten tätig sind. Was es kostet, dass hier auch ohne Hinzuziehung von Mozarteumsprofessoren der Master verliehen werden darf, ist nun bei den erneuten Überlegungen zur Umstrukturierung des Konservatoriums in eine kleine Privatuniversität die Frage.