„Fehler müssen gemacht werden, um etwas zu lernen“

Bei der Tischlerei Rüscher wird eine optimale Fehlerkultur gelebt, sodass den Lehrlingen selbstständiges Arbeiten ermöglicht wird. Ausbilder David Grohe im Interview.
Sie haben letztes Jahr die Meisterschule abgeschlossen und sind seitdem Lehrlingsausbilder. Wie wohl fühlen Sie sich in Ihrer Rolle?
Sehr wohl! Frisch erlernte pädagogische Herangehensweisen versuche ich hier im Betrieb umzusetzen. Mit Begeisterung gebe ich mein Wissen über ein so schönes Handwerk weiter. Ich arbeite gerne im Team und mag den Umgang mit Menschen sehr.
Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen beschreiben?
Ich arbeite gerne mit jungen Menschen und denke, dass ich mich durch mein Alter gut in sie hineinversetzen kann. Ich nehme mir Zeit für Unterweisungen an Maschinen und stehe für Fragen und Unterstützung immer zur Verfügung. Wichtig ist bei uns selbstständiges Arbeiten. Dazu gehört eine richtige Fehlerkultur. Fehler müssen gemacht werden, um etwas zu lernen. Aufgefallen ist mir, dass das Thema „work-life-balance“ bei jungen Menschen sehr präsent ist. Darauf gehen wir so gut wie möglich ein. Schön ist, dass Lehrlinge heutzutage vieles hinterfragen und darüber diskutieren.
Welche Skills sollte ein Ausbilder haben?
Geduld, Einfühlungsvermögen, Flexibilität, Begeisterung für den Beruf, respektvoller Umgang, Wertschätzung und Verständnis für junge Menschen.
Wie wichtig sind die Lehrlinge für den Betrieb?
Unsere Lehrlinge sind vor allem wichtig für das Handwerk. Es gibt nun mal zu wenige Fachkräfte. Und wie sagt man so schön: „Die besten Gesellen bildet man selbst aus.“
Wie kommen Sie an gute Teamverstärker?
Es ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Das eine Jahr müssen wir Bewerbern leider absagen, das andere Jahr sind wir froh jemanden zu bekommen. Wir präsentieren uns auf Lehrlingsmessen und in den sozialen Medien. Im Handwerk geht auch noch viel über Mundpropaganda. Einige Mitarbeiter haben uns über den Werkraum Bregenzerwald kennengelernt. So bin auch ich 2013 in die Firma gekommen.
Was wünschen Sie sich von Ihren Lehrlingen und was wird Ihnen im Gegenzug geboten?
Einen ehrlichen Umgang mit dem Team. Wichtig sind auch Einsatzbereitschaft und Interesse am Beruf. Wir sind froh um jeden Gesellen, der nach der Ausbildung bei uns bleibt. Einige wollen aber (so wie ich damals auch) mal etwas anderes sehen. Dieses Interesse sehen wir positiv und begrüßen es, wenn frühere Lehrlinge mit neuen Erfahrungen zurück zu uns kommen. Die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden zeigt der Betrieb auch durch Angebote wie einem sehr gut ausgestatteten Aufenthaltsraum, einem Ruheraum oder der klimatisierten Werkstatt. Abwechslungsreiche Arbeiten sind an der Tagesordnung. Kein Auftrag ist wie der andere.
Warum sind Sie ein guter Arbeitgeber?
Die Lehrlingsausbildung und somit die Fachkräftesicherung steht bei uns ganz oben. Wir geben unser Bestes, unseren Auszubildenden alle nötigen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu lehren. Attraktiv ist unser Betrieb durch den respektvollen Umgang miteinander und die hochmodern ausgestattete Werkstatt, die traditionelles Handwerk mit aktueller digitaler Technik verbindet. Unsere Lehrlinge nehmen regelmäßig sehr erfolgreich bei den Landesmeisterschaften teil.
Gibt es besondere Laufbahnen?
Ich beispielsweise habe 2013 bei der Tischlerei Rüscher im zweiten Lehrjahr angefangen. Im vierten Lehrjahr habe ich mich bei den Landesmeisterschaften durchgesetzt und belegte im Bundeswettbewerb den ersten Platz. 2016 legte ich die Gesellenprüfung ab, entschloss mich dann zur eineinhalbjährigen Meisterschule. Danach ging ich zu meinem Ausbildungsbetrieb zurück, wo ich jetzt die Verantwortung für die Produktion und die Lehrlingsausbildung trage.
David Grohe
Ausbildung: Schreinermeister
Laufbahn: Realschulabschluss 2012
Berufsgrundschuljahr Schreiner 2012-2013
Ausbildung Tischlereitechnik (Schwerpunkt Produktion) 2013-2016
Gesellenjahre 2016-2020
Meisterschule 2020-2022
Alter: 27
Familie: Freundin mit Sohn (6 Wochen alt)
Hobbys: Skitouren, Fotografieren
www.tischlerei-ruescher.com