Tablets allein reichen nicht

Der IT-Fachkräftemangel in Österreich ist wieder besonders groß.
Schwarzach Der Fachkräftemangel wird derzeit in der IT-Branche besonders deutlich: Allein 2019 fehlten 10.000 Fachkräfte, um die offenen Stellen zu besetzen. Das ist das aktuelle Ergebnis des IKT Statusreport vom Fachverband UBIT. Der Bedarf im IT-Sektor steigt seit Jahren kontinuierlich an und mindert die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Österreich. Für Alfred Harl, Obmann des Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Schaffung von ausreichend Ausbildungsplätzen und in der konsequenten Steigerung der Absolventenzahlen. Doch während im Lehrlingsbereich die Trendwende mit einem Plus von 7,5 Prozent Auszubildenden in der Sparte Information und Consulting gelungen ist, mangelt es im Hochschulbereich weiterhin an Spezialisten. „Laut EU-Kommission wird 2020 europaweit sogar mit einer Lücke von rund einer Million IT-Arbeitskräften gerechnet“, so Harl.
Schon im „Kindi“
„Wir müssen IT-Experten ausbilden“, fordert Harl und stellt sich vor, die Ausbildung zur Informatik bereits im Kindergarten zu beginnen. Außerdem solle es eine fixe Unterrichtsstunde in der Schule geben. Dass Österreich beim EU-Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft Digital Economy and Society Index, DESI) hinter Deutschland nur Rang 13 belegt und im Vergleich zu 2018 um einen Platz zurück gefallen ist, sei ein „Warnsignal“.
„Seit Jahren sucht die IT-Branche nach geeigneten Fachkräften und wir warnen schon lange vor diesen Entwicklungen“, ärgert er sich. „Die Zugangsbeschränkungen bei IT-Studienrichtungen verstärken diesen Mangel, da sich bei den Absolventenzahlen, wie befürchtet, keine positive Tendenz zeigt.“
Dropout-Quoten hoch
Bei den Dropout-Quoten ist zwar ein leichter Rückgang zu vermerken. Doch diese liegt in Informatiktechnologiestudien an Österreichs Universitäten immer noch bei 50,6 Prozent für Bachelor- und 54,0 Prozent für Masterstudien und damit deutlich über dem Schnitt aller belegten Studien. Zwar werden sie bei technischen Studiengänge gerne damit erklärt, dass die Studierenden ohne Universitätsabschluss direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen. Dies gelte aber bestenfalls für Dropouts aus den Masterstudiengängen oder Bachelorstudenten in weit fortgeschrittener Studienphase. Dropouts aus den frühen Bachelorsemestern gehen der Branche zum größten Teil verloren.
Frauenanteil stabil
TU-Rektorin Sabine Seidler zur Situation: „In der TU Wien sehen wir, dass Studierende, die das Aufnahmeverfahren im Studienfeld Informatik bis dato durchlaufen haben, schneller studieren, bessere Noten haben und auch der Frauenanteil stabil bleibt“, wiederspricht sie. „Sicher könne man sich mehr Studienplätze wünschen – dafür braucht es aber mehr Budget, um einerseits die Räumlichkeiten und andererseits das Lehrpersonal zu bezahlen.“ Entsprechende Lehrende nach Wien zu bekommen, sie sehr schwer – schließlich gibt es einen internationalen Wettbewerb rund um die besten Lehrkräfte.
Schaden
Ein weiterer Baustein ist laut UBIT die Verbesserung der Rot-Weiß-Rot-Karte. Diese könnte dafür sorgen, dass Fachkräfte aus dem Ausland in Bereichen geholt werden, in denen dringend gesucht wird. Dass die Sache dringend ist, versucht UBIT auch mit folgender Zahl zu verdeutlichen: 1,6 Milliarden Euro. Die Rechnung geht so: Für jede nicht besetzte IT-Stelle würden dem Land etwa 160.000 Euro an Wertschöpfung entgehen, weil die Arbeit dann im Ausland gemacht wird. Hochgerechnet auf 10.000 unbesetzte IT-Stellen wären das dann die 1,6 Milliarden Euro.
Statement Wie wird ein IT-Beruf attraktiver?
Der heutige Informatik-Unterricht hat nichts mit Informatik zu tun. Kein Wunder, dass das die Schüler nicht interessiert. Auch der Plan, Schulklassen flächendeckend mit Tablets auszustatten, ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Nur weil die Schüler Tablets bekommen, werden wir deswegen nicht mehr Studierende haben. Bildungsminister Heinz Faßmann ist am Zug. Sein Ministerium hat zuletzt 50 Millionen Euro für Digitalisierungprojekte an österreichischen Universitäten vergeben – der erste Schritt auf einem langen Weg. Es bedarf jedoch flächendeckende rund langfristiger Lösungen, sprich einen Gesamtplan. Alfred Harl, Obmann des Fachverbands für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT)