Aufregung im Mellental: Alphaus-Ensemble abgerissen und verbrannt

Polizeieinsatz nach Abbruch zweier historischer Alpgebäude: Architekt Hermann Kaufmann entsetzt über Verlust.
Mellau Eine Wasserleitung und Reste der Bruchsteinmauerwerke sind stille Zeugen der Zerstörung eines außergewöhnlichen Alphaus-Ensembles im Bregenzerwald. Die holzverschindelten Baukörper: an anderer Stelle im Naturschutzgebiet verbrannt. Es seien vollendete Tatsachen geschaffen worden, beklagt der Mellauer Bürgermeister Tobias Bischofberger. Trotz Anzeigepflicht wurden die Alpgebäude an der Gemeinde vorbei abgerissen. Der Ortschef hat Polizei und Behörden alarmiert.

Die Ereignisse auf der Alpe Hauser im Mellental schlagen mittlerweile Wellen. Heute vor einer Woche wurden zwei von gesamt fünf Alpgebäuden “geschliffen”. Der renommierte Architekt Hermann Kaufmann beschreibt die kleine Alpsiedlung mit Kapelle aufgrund ihrer spannenden architektonischen Anordnung als etwas Außergewöhnliches. Vermutlich die letzte, die es so im Bregenzerwald gab. “Wieder ein Ort, der sein Gesicht verloren hat”, sagt Kaufmann im Gespräch mit den VN. Der Bregenzerwald verliere durch das Verschwinden der historischen Bausubstanz seine Identität.

Die Art und Weise, wie dies auf der Alpe Hauser jetzt passiert ist, stimmt Kaufmann nachdenklich. Es gebe keinen funktionierenden Ensemble-Schutz, man habe kein Instrumentarium, um die letzten Bestände dieser Atmosphäre prägenden Bausubstanzen zu schützen. “Etwas Schönes zu erhalten, obwohl es keinen wirtschaftlichen Nutzen hat, dafür gibt es kein Verständnis”, so der Architekt. Mit Kenntnis der Abbruchpläne hätte eine Initiative zum Erhalt gestartet werden können. Einfach abbrechen und anzünden – das sei schon eine Frechheit.

Von fehlendem Verständnis, dass hier Kulturgut erhalten hätte werden können, spricht auch Mellaus Bürgermeister Tobias Bischofberger. Wäre die Gemeinde informiert gewesen, hätte man sich an einen Tisch setzen und nach einer Lösung suchen können.
“War uns nicht bewusst”
Wenig Verständnis für die Kritik zeigt indes der verantwortliche Alpobmann Wilfried Keckeis. Hinterher gebe es so viele Besserwisser. Dabei sei niemand an die Alpe herangetreten und habe auf die Bedeutung des Ensembles hingewiesen. Keckeis will erst am Tag nach dem Abbruch im Gespräch mit dem Bürgermeister von der Besonderheit der Gebäude erfahren haben. Dass es eine Abbruchanzeige gebraucht hätte, habe er nicht gewusst. Deshalb habe die Alpe auch weder Gemeinde noch das Land informiert. “Das war uns nicht bewusst”, so Keckeis.

“Wir haben die Gebäude schon seit zehn Jahren nicht mehr versichert, weil sie für uns von der Nutzung her keinen substanziellen Wert mehr hatten”, beschreibt der Alpobmann die Gebäudesubstanz zudem als “für ihn irreparabel”. Auch ein weiteres, ebenfalls mehrere Hundert Jahre altes Gebäude, das aktuell verschont blieb, soll spätestens in der nächsten Saison abgebrochen werden.

Gegründet wurde die Hauseralpe ursprünglich, wie auch die benachbarte Lindachaple, von Walsern, die im Laternsertal beheimatet waren. Bis heute ist die Genossenschaft mehrheitlich im Besitz von Laternser Familien. Die Eigenheit der kleinen Alpsiedlung, die den Walsern zuzuschreiben ist, hatte für den Bregenzerwald einen besonderen historischen Wert. Dieses Spezielle sei jetzt unwiederbringlich weg, bedauert Architekt Hermann Kaufmann den Verlust eines architektonischen Juwels.