Gortipohl: Der Herzschuss traf nicht nur Bambi

Jahresrückblick 2021 / 14.09.2021 • 16:05 Uhr
Gortipohl: Der Herzschuss traf nicht nur Bambi
Das Hirschkalb “Lisa”, die elf Monate alte Sophie und ihr Vater David Felder waren ein Herz und eine Seele. Felder

Jäger schoss Hirschkalb und Reh im privaten Gehege der Familie Felder in Gortipohl.

Gortipohl Sie tummelten sich in einem idyllischen Waldgarten im Gehege der Landwirtschaft der Familie Felder in Gortipohl und waren Kindern wie Eltern ans Herz gewachsen: Das Reh „Bambi“ und das Hirschkalb „Lisa“.

„Sie gehörten zur Familie“, sagt Ruth Felder (55), die den Hof mit ihrem Mann betreibt.  Jäger brachten die beiden von ihnen verwaist aufgefundenen Wildtiere zu den Felders. „Bambi“ bereits vor dreieinhalb Jahren, „Lisa“ zu Pfingsten im vergangenen Mai. „Wir haben sie mit den Milchfläschchen aufgezogen und aufgepäppelt“, sagt die Familienmutter.

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Schüsse am Morgen

Bis der Donnerstagmorgen vergangener Woche kam. „Um 6.30 Uhr hörte ich den ersten Schuss, wenig später den Zweiten“, erinnert sich Ruth Felder. „Dann sah ich den Jäger, der neben einem Firmenbus auf dem Fahrradweg oberhalb des Hofes stand.“ Der Schütze hatte das Hirschkalb und das Reh aus einer Entfernung von 50 Metern mit Schüssen direkt ins Herz getötet. „Mein Mann, der vorher beim Auto vor dem Haus gestanden hatte, ging sofort zu ihm hinauf und sagte ihm, jetzt er könne er mir erzählen, was er getan hat.“

Was der Jäger darauf erwiderte, halten die Felders für Ausflüchte. „Er sagte, das Gebiet gehöre zu seinem Jagdrevier und meinte, er habe den Zaun des Geheges nicht gesehen und dass es sich bei den von ihm geschossenen Wildtieren um Mutter und Kitz handelte. Aber als Jäger müsste er wissen, dass eine Hirschkuh und ein Reh nie nebeneinander auf freier Wildbahn stehen. Über den Tod der beiden Tierchen sind wir unendlich traurig.“, so die 55-Jährige.

Stark begangener Waldweg

Doch noch erschreckender seien die weiteren Fakten: „Da ballert jemand einfach an unserem privaten Haus vorbei ins Gehege, hinter dem sich zudem noch ein stark von Fußgängern frequentierter Waldweg befindet“, empört sich Felder. Zwar gehöre die Gegend tatsächlich zum Revier des Jägers, doch hält sie das Verhalten des Mannes für äußerst fahrlässig.

„Ich habe Angst. Hier wohnen auch Kinder. Wenn man sich nur vorstellt, was ein Querschläger aus einem solchen Jagdgewehr bewirken könnte. Wir haben das natürlich der Polizei gemeldet, die daraufhin Kontakt mit der Bezirkshauptmannschaft aufnahm“, sagt die Montafonerin, die nun der weiteren Dinge harrt.

Gortipohl: Der Herzschuss traf nicht nur Bambi
Das Hirschkalb “Lisa” und das Reh Bambi wurden von der Familie Felder im privaten Gehege gehalten.