Buch-Causa in Bregenz schlägt Wellen

Jahresrückblick 2021 / 04.09.2021 • 05:00 Uhr
Buch-Causa in Bregenz schlägt Wellen
Kulturamtsleiterin Judith Reichart lässt die Vorwürfe dementieren. Rainer

Staatsanwaltschaft prüft Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Kulturamtsleiterin lässt Vorwürfe dementieren.

Von Jan-Philipp Möller

Bregenz Die Leiterin des Bregenzer Kulturamts Judith Reichart (51) wehrt sich gegen Vorwürfe, hohe Honorarzahlungen des Bregenzer Kunstvereins in den Jahren 2017 bis 2020 ohne Gegenleistung erhalten zu haben. Persönlich wollte sich Reichart zwar nicht dazu äußern, sie befindet sich im Ausland auf einer Urlaubsreise. Sie ließ über einen langjährigen Freund, den Kunstmanager Jürgen Weishäupl, ausrichten, dass sie ab Oktober 2017 per Kollektivvertrag ein rechtmäßiges Honorar von 600 Euro netto monatlich erhalten habe. Damit bestätigt Weisshäupl gleichzeitig einen wesentlichen Aspekt der Recherche der Vorarlberger Nachrichten.

Man wehre sich aber gegen den Eindruck, Vereinsgelder seien missbräuchlich privat überwiesen worden, so der Kunstmanager aus Wien. Die jetzige Kulturamtsleiterin Reichart habe umfangreiches Material geliefert, behauptet er. Einblick in das vermeintliche Ergebnis gewährt Weishäupl auch auf Nachfrage nicht. Mittlerweile lässt er aber wissen, dass „jetzt mal eine vereinsinterne Prüfung angesetzt ist“.

Schriftliche Entgegnung

Weisshäupl formulierte seine Entgegnung schriftlich und erklärt, in seiner Funktion als Präsident des „Bregenzer Kunstvereins“ zu sprechen. Diesen Verein gibt es aber laut aktuellem Vereinsregister der Bezirkshauptmannschaft Bregenz nicht mehr. Er firmiert nun unter anderem Namen als direkter Rechtsnachfolger.
Die VN berichteten am Donnerstag als Erstes über die Vorwürfe, dass die aktuelle Kulturamtsleiterin der Landeshauptstadt Bregenz über zweieinhalb Jahre ein Gehalt sowie zusätzliche Sonderzahlungen vom Verein Magazin4 – Bregenzer Kunstverein erhalten haben soll. Eine Gegenleistung, so heißt es von Mitgliedern und dem ehemaligen Geschäftsführer Wolfgang Fetz, selbst 28 Jahre lang Kulturamtsleiter der Landeshauptstadt, sei nicht erbracht worden.
Immer wieder angemahnte Belege über ihre Arbeitsnachweise soll Reichart ihren Auftraggebern und Vereinsmitgliedern schuldig geblieben sein. Auch diesen Vorwurf bestätigt Reichart indirekt, indem sie über Kulturmanager Weishäupl die Coronapandemie als einen Grund dafür angeben lässt, bisher noch keine Arbeit präsentiert zu haben.

Die Vorgänge um das Jubiläumsbuch schlagen in Bregenz jedenfalls hohe Wellen. Mittlerweile hat auch die Staatsanwaltschaft Feldkirch Kenntnis und prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens. Aus Juristenkreisen ist zu hören, dass es sich um ein Vermögensdelikt handeln könnte. Für Judith Reichart gilt die Unschuldsvermutung.