Sorge um das Bargeld

Volksbegehren pocht auf uneingeschränkte Nutzung. Noch immer große Beliebtheit in Österreich.
Wien Bargeld hat in Österreich einen hohen Stellenwert. Das soll auch so bleiben, meinen die Initiatoren des Volksbegehrens „Für eine uneingeschränkte Bargeldzahlung.“ Sie wollen keine Einschränkung akzeptieren und fordern: „Nur eine Verankerung des Bargelds in der Bundesverfassung gewährt die Freiheit und die Verfügbarkeit privaten Vermögens und ist als Grundrecht abzusichern.“ Derzeit läuft die Einleitungsphase. Den Organisatoren zufolge gibt es einen regen Zulauf. Es seien schon mehr als 92.000 Unterschriften zusammengekommen.

Das geplante Volksbegehren dürfte wohl auch auf einen Vorschlag der Europäischen Kommission abzielen, der in Österreich viel Aufregung ausgelöst hat. Im Kampf gegen Geldwäsche sollen Bargeldzahlungen über 10.000 Euro verboten werden; die Vorschrift ist als Teil eines Pakets von Gesetzesvorschlägen geplant. Die Kommission will es im Juli vorstellen. Kritiker fürchten eine schleichende Abschaffung des Bargelds. Die ÖVP und die FPÖ haben sich bereits gegen die Pläne ausgesprochen.
Schweden zahlen gerne mit Karte
Wie wichtig den Österreichern das Bargeld ist, verdeutlicht auch eine internationale Umfrage des Shopping-Dienstleisters Klarna mit 9000 Personen aus Österreich, Deutschland, den USA, Großbritannien, Australien, Niederlande, Norwegen, Finnland und Schweden, die im vergangenen Monat veröffentlicht worden ist. Demzufolge zahlen in Österreich 47 Prozent der Befragten bevorzugt mit Bargeld. Diesen Wert toppt nur Deutschland mit 49 Prozent, in allen anderen Ländern liegt er hingegen unter 30 Prozent. Umgekehrt ist der bargeldlose Zahlungsverkehr mit Karte in den nordischen Staaten besonders beliebt, allen voran in Schweden (72 Prozent).
Der Trend ist da. Aber wir sind weit davon entfernt, dass Bargeld per Gesetz abgeschafft wird.
Werner Böhler, Vorarlberger Bankensprecher
„Bargeld hat in deutschsprachigen Ländern eine besondere Bedeutung“, erläutert Werner Böhler, Sprecher der Vorarlberger Banken. Das habe mit Tradition und Sicherheitsgefühl zu tun. Langfristig werde der Trend aber weiter in Richtung bargeldloser Zahlungsverkehr gehen, was durch die Coronapandemie beschleunigt worden sei. Dass das Bargeld in naher Zukunft gänzlich verschwinden könnte, glaubt Böhler aber nicht. Vielmehr werde es eine reduziertere Bedeutung haben. „Der Trend ist da, er wird gut angenommen, unabhängig von den Generationen. Aber wir sind weit davon entfernt, dass Bargeld per Gesetz abgeschafft wird“, glaubt der Bankensprecher.
Doch könnte ein Ende des Bargelds kriminellen Machenschaften einen Riegel vorschieben? Es gebe keinen großen Effekt auf organisierte Kriminalität und den sogenannten Pfusch, dafür fehle die wissenschaftliche Evidenz, sagt Friedrich Schneider, Volkswirtschaftsprofessor an der Kepler Universität in Linz, auf VN-Anfrage. Mit Blick auf die EU-Kommissionspläne erläutert der Experte, dass Geldwäsche heutzutage vor allem über Scheinfirmen ablaufe. „Es ist naiv zu denken, dass ein Koffer voller Bargeld in andere Länder geschafft wird.“
Schneider verweist auf einige nützliche Funktionen des Bargelds, zum Beispiel in Krisensituationen. Im Fall eines Stromausfalls könnte der Zahlungsverkehr rudimentär aufrechterhalten werden. Es habe auch eine erzieherische Funktion in Form des Taschengelds. Dem Wissenschaftler zufolge handelt es sich darüber hinaus um einen „Hort individueller Freiheit.“ Er führt aus: „Was eine Person im Geldbörsel hat, ist nicht registriert, auch nicht, wem sie es gibt. Das ist ihre Sache.“ Nicht zuletzt biete es auch Schutz vor der Durchsetzung von Negativzinsen, die Menschen zum Geldausgeben drängen könnten – und zwar, indem es von der Bank abgezogen und sprichwörtlich unter dem Kopfpolster gelagert werde.