„Sonst wird man eine Essiggurke!“

Beim Krankenpflegeverein Lauterach standen Fürsorge, Teamgeist und Elmar Simma im Zentrum.
Lauterach Besondere Aufmerksamkeit zur Jahreshauptversammlung im Hofsteigsaal galt dem 88-jährigen Pfarrer Mag. Elmar Simma, der mit seinem Vortrag „Pflege ja – aber es ist auch mein Leben“ berührte. Mit großer Lebenserfahrung sprach er über Krankheit, Überforderung, Grenzen und darüber, was Menschen in belastenden Zeiten trägt. „Man muss schauen, dass man keine Essiggurke wird“, sagte Simma mit trockenem Humor. Er spannte den Bogen von körperlichen, seelischen, sozialen und spirituellen Schmerzen bis zu den Folgen für das ganze Umfeld. Wenn ein Mensch plötzlich nicht mehr arbeiten, nicht mehr zur Musikprobe oder in den Sportverein gehen könne, sei immer auch die Familie mitbetroffen.

Was Menschen trägt
Mit seinen 15 Gedanken darüber, was Menschen trägt, gab Simma konkrete Impulse: Sein Credo: Wer sich selbst nicht mag, könne auch andere nicht lieben. Sich selbst Gutes zu gönnen, im Heute zu leben, Geduld zu haben, Hilfe anzunehmen, Freundschaften zu pflegen und auf den eigenen Körper zu hören. Er sprach auch darüber, Unerledigtes wie Testament oder Patientenverfügung zu regeln, Grenzen wahrzunehmen und das Herz nicht zu verschließen. Das Klarinettenensemble „Magnificent Four“ umrahmte musikalisch und leitete über zur Bilanz eines intensiven Jahres: Obmann Erwin Rinderer, Pflegedienstleiterin Sonja Kaiser und Schriftführerin Eveline Leu blickten zurück. Besonders erfreulich: Der Krankenpflegeverein Lauterach wurde erstmals als familienfreundlicher Betrieb ausgezeichnet.

Zeit, Zuwendung und Qualität
Sonja Kaiser betonte, dass Sprachlosigkeit oft ein großes Problem sei und Pflege weit mehr als reine Versorgung bedeute. Im vergangenen Jahr wurden 205 Patientinnen und Patienten betreut, 132 Frauen und 73 Männer. Insgesamt verzeichnete der Verein 8529 Patientenkontakte in Lauterach. Die meisten Betreuten waren zwischen 80 und 99 Jahre alt. Der Anteil sehr alter Menschen steigt weiter, damit auch der Bedarf an Zeit und sorgfältiger Begleitung. Zum Alltag gehören Körperpflege, Medikamentengabe, Palliative Care und Wundversorgung. Gerade dort zeige sich, wie wichtig Berührung und genaue Beobachtung sind: Atemnot, Wunden oder Kratzspuren werden sichtbar und behandelt. Auch moderne Wundbehandlung ist ein wichtiger Teil der Arbeit, etwa mit dem Kaltplasmagerät „Plasmo Heal“ in der Ambulanz und bei Hausbesuchen.

Neue Pflegerinnen und Autos
Drei neue diplomierte Pflegekräfte wurden im vergangenen Jahr eingestellt. Das Team absolvierte zudem einen Erste-Hilfe-Kurs, Laura Folladori besucht derzeit eine Weiterbildung im Wundmanagement, Marlies Wolfger-Haag wurde in die Pension verabschiedet. Sonja Kaiser dankte ihrem Team, darunter ihrer Stellvertreterin Brigitte Höfle sowie Elisabeth Biedermann, Thomas Lindner, Susanne Wegscheider, Natalie Pruscha, Johanna Hörburger, Mathilde Reif, Ramona Schilder, Lisa Fetz, Marianne Hildebrand und Laura Folladori. Verbessert wurden auch die Rahmenbedingungen: Drei neue E-Krankenpflegeautos konnten in Betrieb genommen werden, vier der sechs Fahrzeuge sind inzwischen elektrisch. Neu ist die ambulante gerontopsychiatrische Pflege, die Ramona Schilder und Natalie Pruscha auch für umliegende Gemeinden leisten. Der KPV Lauterach umfasst 1550 Mitglieder, weitere Solidarmitglieder sind notwendig, um diese wertvolle Arbeit langfristig abzusichern. Gäste waren u.a. Senecura-Hausleiter Emanuel Jori und Pflegedienstleiterin Helena Kussian, Helmut Lenzi vom KPV Rheindelta, Dr. Siegfried Hartmann (Hauskrankenpflege) Bgm. Elmar Rhomberg und Vzebgm Sabine Kassegger. Der Abend endete mit einem Hinweis auf die Veranstaltung “Mir luagand ufanand” (4. Mai, Vereinshaus).

