„Dann kam die Idee mit den Fischen“ – Wie ein Unfall alles veränderte

Von der Milchviehwirtschaft zur preisgekrönten Fischzucht: Josef Stadler hat sich mit Herzblut und Mut einen neuen Lebensweg geschaffen.
Darum geht’s:
- Josef Stadler wurde zum Fischkaiser ernannt.
- Ursprünglich war sein Hof ein Milchviehbetrieb.
- Er betreibt nun eine eigene Aquakulturanlage für Frischfisch.
MÄDEr Es gibt Momente, die man nie vergisst. Für Josef Stadler war einer davon bei der „Ab Hof“-Messe in Wieselburg: Seine Fischprodukte hatten überzeugt, und er darf sich nun offiziell „Fischkaiser“ nennen. „Das war überwältigend“, sagt er rückblickend. „Natürlich hofft man auf so eine Auszeichnung – aber bei der starken Konkurrenz war es alles andere als selbstverständlich.“

Ein Weg, der nicht geplant war
Dass Stadler heute einen Hof mit eigener Fischzucht betreibt, war so nicht vorgesehen. Ursprünglich war der „Stadlerhof“ ein klassischer Milchviehbetrieb. „Ich hatte 2013 einen Arbeitsunfall, danach war vieles nicht mehr möglich. Und dann kam irgendwann die Idee mit den Fischen.“ Es war mehr als eine Notlösung – es war der Anfang von etwas Neuem.

Stadler, der privat leidenschaftlich gern Fisch isst, war schon länger unzufrieden mit dem Angebot. „Ich wollte wissen, wo mein Fisch herkommt. Und wenn’s geht: aus der Region.“ Weil die Bestände im Bodensee zurückgehen und Vorarlberg in Sachen Fischproduktion hinterherhinkt, fasste er einen mutigen Entschluss: Er baute seine eigene Aquakulturanlage. Im Dezember 2017 verkaufte er erstmals Fisch auf dem Markt.
Der Wels, der alles veränderte
Heute ist der Afrikanische Wels das Herzstück des Stadlerhofs. Ein Fisch, der sich in der Küche genauso gut wie Geflügel verarbeiten lässt – mild, grätenfrei, vielseitig. „Selbst wenn ich ihn fünfmal die Woche esse, schmeckt er jedes Mal anders“, erzählt Stadler. Besonders gern paniert er ihn, serviert mit Spargel, Kartoffeln und Sauce Hollandaise.

Neben dem Frischfisch sind es aber auch die hausgemachten Aufstriche, die bei der Fachjury der Messe Wieselburg punkten konnten. Drei Varianten – Classic, Kräuter und Pikant – wurden eingereicht, alle drei mit Gold ausgezeichnet. „Die Rezepturen hat meine Mitarbeiterin Carol Bell entwickelt. Sie ist von Anfang an dabei – und ein ganz wichtiger Teil unseres Erfolgs.“
Zwischen Hof, Markt und Familie
Was macht seine Produkte so besonders? „Es ist der Kreislaufgedanke“, erklärt Stadler. Strom erzeugt der Hof über eine Photovoltaikanlage, warmes Wasser kommt von der Sonne. Medikamente? Kommen ihm nicht in die Anlage. „Ich möchte Lebensmittel erzeugen, die unbelastet sind – das ist für mich echte Qualität.“ Und natürlich: Regionalität. „Alle reden davon, aber ich wollt’s wirklich leben. Für mich war das der Grund, überhaupt mit der Fischzucht zu beginnen.“

Wer glaubt, Fischproduktion sei ein ruhiger Beruf, täuscht sich. Drei Tage in der Woche steht Stadler auf Märkten – in Bregenz, Wolfurt, Feldkirch. Und am Donnerstagabend ist Markt direkt am Hof. „Das ist mein Lieblingstermin – weil ich da mit den Leuten ins Gespräch komme. Da werden Rezepte getauscht, Erfahrungen geteilt. Das macht Freude.“

Neben der Fischzucht hält er im Sommer 20 Weideschweine. „Ganz ohne Tiere auf der Weide ging’s dann doch nicht“, sagt er schmunzelnd. Seine Tage sind voll – und nicht planbar. „Aber wenn der Feierabend in Sicht ist, dann geht’s auch an schwierigen Tagen.“

Die Auszeichnung als Fischkaiser hat natürlich für große Freude gesorgt – nicht nur bei ihm. Freunde, Kollegen, Kundinnen und Kunden gratulierten. Die Marktfahrer überreichten ihm sogar eine selbstgebackene Torte. „Gefreut haben sich alle mit uns, das war wirklich schön.“ Und gefeiert? „Ja, natürlich. So wie wir’s halt machen: im kleinen Rahmen, mit Familie und Freunden. Gemütlich beisammensitzen – das reicht völlig.“
Noch viele Ideen
Was die Zukunft bringt? Neue Produktideen hat Josef Stadler viele. Und vielleicht ist ja bald wieder ein Preisträger dabei. Doch bei allem Erfolg verliert er nie den Blick für das Wesentliche: „Ich möchte, dass unsere Kundinnen und Kunden Freude mit unseren Produkten haben. Dass sie schmecken, inspirieren und zeigen: Es geht auch anders – regional, nachhaltig, mit Herz.“
