“Jeden Tag ein Honigbrot”

Mit über 106 Jahren ist Kreszentia Margreitter die älteste Vorarlbergerin.
Dalaas Bürgermeister Martin Burtscher und Vizebürgermeisterin Alexandra Kapeller wurden von der rüstigen 106-einhalb-jährigen Waldnerin Kreszentia, vorwiegend Zenzi Margreitter genannt, mit ihrem Rollator freundlich begrüßt. Gerne kostete sie gleich eine Erdbeere aus der mitgebrachten Schale und freute sich über den schönen Blumenstrauß. Die hochbetagte Waldnerin bat dann die Gäste in die Stube zu Kaffee und Kuchen. Mit ihrer Tochter und Schwiegertochter und den Gästen wurde am Tisch über alte Zeiten geplaudert. Kreszentia Margreitter erzählte vom Zweiten Weltkrieg – über die guten und schlechten Zeiten. “Zu essen hatten wir genug und dem französischen Soldaten gab ich nichts”, erzählte sie mit einem Augenzwinkern. “Nur als der Tiefflieger knapp über das Haus flog, da waren wir alle mucksmäuschenstill”, so Kreszentia Margreitter weiter.

Aus dem Nähkästchen geplaudert
Sie ging acht Jahre in die Waldner Volksschule und lernte gerne, als 20-Jährige arbeitete sie als Hausmädchen in der Schweiz. “Ich war für die Betreuung der Kinder und Schweine zuständig”, erklärte sie. “Früher bin ich oft mit dem Moped gefahren. Einmal kaufte ich eine Karniese bei Schmidts Erben und band diese auf mein Moped”, lachte Kreszentia. So fuhr sie von Bludenz bis nach Wald am Arlberg und hoffte dabei, dass sie nie stehen bleiben musste, denn das funktionierte nur mit Hilfe. “Das Moped habe ich immer bei der Polizei abgestellt, dort war es am sichersten”, plauderte sie aus dem Nähkästchen. Über 50 Jahre unterstützte sie den Waldner Kirchenchor mit ihrer Sopranstimme. Sie gebar fünf Kinder, ein Mädchen und vier Buben. Der unerwartete Tod ihres Mannes und ihres Sohnes Peter traf sie schwer. Für die über 100-jährige Waldnerin zählen Elektrizität, die Eisenbahn, allgemein das Verkehrswesen zu den größten Errungenschaften. Früher hat sie gerne gestrickt und gehäkelt, die geringe Sehkraft lässt das leider nicht mehr zu. Gerne blickt sie auch auf die Zeiten im Bahnwärterhäuschen zurück. Schon jung zog sie dann zu ihrer Tante in das jetzige Wohnhaus und griff ihr unter die Arme.

Tägliche Kontrollrunden
Heute sind die Tage ruhiger. Kreszentia Margreitter wird seit drei Jahren von den Pflegerinnen Maria und Gabriela bestens betreut. “Geschirrspüler ausräumen, das ist meine Aufgabe und einmal in der Woche wird mit den Kindern und Schwiegerkindern gejasst”, freut sich die betagte Mitbürgerin über die kleinen Dinge des Alltags. Die rüstige Waldnerin ist mit ihrem Rollator im Haus unterwegs. “Wenn die Pflegerin ihre ‚Zimmerstunde‘ macht, dann macht meine Schwiegermama heimlich Kontrollrunden durchs Haus”, lachte ihre Schwiegertochter. Und was war für Kreszentia Margreitter das Schönste in ihrem langen Leben? “Da gibt es viele Sachen – aber die Landwirtschaft, die Kinder, die große Familie – das sind Besonderheiten in meinem Leben”, so die betagte Waldnerin. Und zum Schluss noch das Rezept der ältesten Vorarlbergerin für über 106-Jährige: “Ich esse jeden Tag ein Honigbrot”, grinst sie. DOB