„Mundart ist für mich ein Statement“ – Diese beliebte Veranstaltungsreihe feiert ihr Comeback

Wenn Worte nach Heimat klingen und Sprache plötzlich persönlich wird. Was sonst im Alltag untergeht, bekommt nun wieder eine eigene Bühne.
Satteins, Hohenems, Dornbirn Die Vorarlberger Mundarten sind lebendig, wandelbar – und sie gehören gehört. Mit der Veranstaltungsreihe „Mundart im Mai“ wird die Vielfalt der heimischen Dialekte in drei besonderen Events gefeiert. Projektleiterin Tina Strohmaier hat das traditionsreiche Format neu aufgestellt – kleiner, fokussierter, aber mit viel Herzblut und einem klaren Ziel: „Ich möchte zeigen, dass Mundart mehr ist als Nostalgie – sie ist ein Stück Identität, ein Spiegel unserer Kultur.“

Neuanfang mit Respekt vor den Wurzeln
Die Wurzeln des Formats reichen zurück bis zum von Ulrich Gabriel („Gaul“) initiierten „Mundart Mai“. 2023 übernahm Strohmaier nach einem Gespräch mit Literatur-Vorarlberg-Präsidentin Erika Kronabitter die Projektleitung – allerdings unter dem leicht geänderten Titel „Mundart im Mai“. „Ich wollte bewusst einen Neuanfang wagen, ohne die Dimension des früheren Formats übernehmen zu müssen. Es sollte machbar bleiben – organisatorisch und finanziell“, beschreibt die 31-jährige ihre Beweggründe, das ursprüngliche Format abzuändern.

Drei Veranstaltungen, drei Zugänge
Die drei kommenden Veranstaltungen decken unterschiedliche Facetten ab: Am 8. Mai bringt ein Mundart-Poetry-Slam frische, wortgewaltige Bühnenliteratur in die „Cooltourszene“ Hohenems. Bekannte Slammer zeigen dort, wie Dialekttexte auf moderne Weise begeistern können. „Das Format ist einzigartig. Es gibt keinen Poetry Slam mit einer so klaren sprachlichen Vorgabe wie ‘Mundart’. Das macht den Abend besonders“, erklärt die Wahl-Feldkircherin.
Am 16. Mai folgt das Literarische Frühlingsfest in Satteins, bei dem etablierte Autorinnen der Oberländer Mundartgruppe ihre eigens für diesen Anlass geschriebenen Texte präsentieren. „Wir hören hier starke Frauenstimmen, die ihre Dialekte auf kreative Weise literarisch ausdrücken. Das ist berührend und kraftvoll zugleich“, freut sich die 31-Jährige auf die bevorstehende Veranstaltung.

Den Abschluss bildet am 25. Mai die Matinee „Die Bewegung(en) der Mundart(en)“ im neuen Sportgymnasium Dornbirn. Mit musikalischer Begleitung von Mathias Meusburger (Handpan) und visuellen Sprachelementen bietet diese Veranstaltung eine experimentelle Annäherung an Dialekt. „Die Besucher erleben, wie sich Wörter bewegen – im Mund, im Klang, in der Bedeutung.“
Mundarten als Spiegel der Gesellschaft
Der Titel spricht bewusst von Mundart(en) im Plural. Denn für Strohmaier ist klar: „Vorarlbergs Dialekte sind so vielfältig wie seine Menschen. Ich möchte diese Vielfalt nicht einengen, sondern sichtbar machen. Es geht um sprachliche Zugehörigkeit, nicht um Abgrenzung.“ Für die Zukunft wünscht sie sich, dass sich auch Literaten nicht-österreichischer Mundarten beteiligen – als Ausdruck gelebter sprachlicher Realität im Land.

Generationen verbinden
Ein besonderes Anliegen der Projektleiterin ist außerdem die Förderung des Mundartbewusstseins bei jungen Menschen und der Austausch zwischen den Generationen. „Ich habe selbst erlebt, wie bereichernd das ist. In der Mundartgruppe wurde ich offen aufgenommen. Alter spielt da keine Rolle. Es geht um das gemeinsame Interesse an Sprache.“
Und persönlich? Da hat sich die 31-Jährige etwas vorgenommen: „Ich versuche im Mai, nur Mundart zu sprechen, nämlich Bregenzerwälderisch. Das wird sicher nicht ganz klappen, aber es wird lustig. Mundart ist für mich eine spielerische Herausforderung, aber auch ein Statement“, erzählt Tina Strohmaier, die selbst gebürtige Bregenzerwälderin ist.
Offen für alle – Eintritt frei
Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. „Wir wollen ein niederschwelliges Angebot schaffen“, betont die Projektleiterin. Spenden sind willkommen. Und die Einladung an das Publikum ist klar: „Komm einfach vorbei. Hör hin. Und nimm dir ein Stück Vorarlberg mit.“