200 Jahre Pfarrkirche: Steinernes Zeugnis lebendigen Glaubens

Mit einem vielfältigen Programm wird gefeiert. Hubert Metzler gibt einen Einblick in die jahrhundertelange Geschichte.
Satteins Zwei Jahrhunderte sind seit der Weihe der Pfarrkirche Satteins vergangen. Zum Jubiläum blickt die Gemeinde nicht nur auf die bewegte Baugeschichte des Gotteshauses zurück, sondern feiert auch die Rolle der Kirche im heutigen Dorfleben. Hubert Metzler, Mitglied des Pfarrgemeinderats, beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte der Pfarre. Ihm liegt das Jubiläum besonders am Herzen: „Der Bau der Pfarrkirche vor 200 Jahren ist ein steinernes Zeugnis unserer Vorfahren. Das Jubiläum ist mir Auftrag, unseren christlichen Glauben heute in Wort und Tat zu leben.“

Die Ursprünge kirchlichen Lebens in Satteins reichen weit zurück. Bereits im Jahr 850 wurde erstmals eine Kirche urkundlich erwähnt, 1426 wurde sie zur Pfarrkirche erhoben. Ein Neubau folgte um 1477, eine Erweiterung im Jahr 1710. Drei Spuren dieser Vorgängerkirchen sind heute noch sichtbar: das gotische Sakramentshaus von 1467 in der heutigen Pfarrkirche, ein Bild aus dem Jahr 1711 in der Sebastianskapelle sowie Grundmauern, die bei Renovierungsarbeiten in den 1980er-Jahren freigelegt wurden.

Der Bau der heutigen Kirche begann im März 1822. „Die ganze Bevölkerung war zu Frondiensten, Hand- und Spanndiensten eingeteilt und die beteiligten Handwerker stammten alle aus dem Dorf“, erzählt Metzler. Bereits im September desselben Jahres konnte die Kirche unter Dach gebracht werden – ohne moderne Hilfsmittel eine beachtliche Leistung. 1823 wurde der Turm fertiggestellt, zwei Jahre später, am 23. August 1825, weihte Weihbischof Bernhard Galura das Gotteshaus. Warum genau dieses Datum gewählt wurde, lässt sich heute nicht mehr klären. Metzler vermutet: „Es handelt sich um einen gewöhnlichen Wochentag. Allerdings ist Bartholomäus ein wichtiger Lostag für die Landwirtschaft.“

Im Inneren der Kirche finden sich zahlreiche kunsthistorische Schätze, darunter ein klassizistischer Hochaltar mit einem Altarbild der Kirchenpatrone Georg und Martin von Josef Arnold (1827) sowie zwei Rokoko-Seitenaltäre aus der einstigen Mehrerau. Werke des Satteinser Künstlers Martin Häusle – unter anderem drei Fresken und ein Ölkreuzweg – prägen das Presbyterium. Auch eine um 1630 entstandene Statue des hl. Sebastian aus der Schule von Erasmus Kern gehört zum Bestand.

Anlässlich des Jubiläums hat ein zwölfköpfiges Team aus Pfarrgemeinderat und Arbeitskreisen ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt. Unterstützt wurde die Planung durch die Diözese. „Die Veranstaltungen rufen die Menschen unserer Gemeinde auf, an den verschiedenen Festveranstaltungen teilzunehmen und ihren christlichen Glauben zu leben“, sagt Metzler. Besonders freut er sich auf die Teilnahme an der Langen Nacht der Kirchen: „Sie spricht nicht nur gläubige Menschen an, sondern auch nur Kulturinteressierte. Sie bietet die Möglichkeit, kulturelle Güter unserer Gemeinde mit fundierter Information kennenzulernen.“


Auch die Satteinser Vereine wurden frühzeitig eingebunden – über das Pfarrblatt und persönliche Einladungen. Viele von ihnen wirken an den Veranstaltungen mit, darunter der Musikverein, die Funkenzunft, der Obst- und Gartenbauverein oder die Ortsbäuerinnen. Der Musik kommt generell große Bedeutung zu – sowohl bei der Feier selbst als auch im Alltag der Pfarrgemeinde.

Die Parallelen zum Kirchenbau von 1825 sieht Metzler mit einem realistischen Blick: „Der Gemeinschaftsgeist vor 200 Jahren sollte nicht verklärt gesehen werden. Auch damals gab es eine Auseinandersetzung über den zu tätigen Arbeits- und Finanzaufwand.“ Heute, so sagt er, sei die Mitwirkung an der Kirche keine gesellschaftliche Pflicht mehr, sondern eine persönliche Entscheidung.

Für die Zukunft der Pfarre Satteins wünscht er sich vor allem lebendige Beteiligung: „Die Satteinserinnen und Satteinser sind die lebendigen Bausteine der Pfarrgemeinde. Persönlich wünsche ich, dass sich viele Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder am vielfältigen Leben der Pfarrgemeinde beteiligen und dass so die Botschaft Jesu in die Zukunft getragen wird.“
Festveranstaltungen zu 200 Jahre Pfarrkirche Satteins
Am Sonntag, 27. April, findet das Patrozinium statt.
10:15 Uhr: Festmesse mit unserem Musikverein
11:30 Uhr: Brunch im Pfarrheim mit einem Ensemble unsres Musikvereins
Am Freitag, 23. Mai, findet die “Lange Nacht der Kirchen” statt.
17 Uhr: Führung durch die Sebastianskapelle
18 Uhr: Führung durch die Pfarrkirche
19 Uhr: Musik erfüllt den Kirchenraum
20 Uhr: Kellerfest im Pfarrhaus mit Livemusik und Verpflegung
Am Samstag, 31. Mai, findet die Jugendmesse statt.
18 Uhr: Messfeier zum Motto „Gemeinsam Kirche sein” mit gemütlichem Ausklang beim Pfarrhaus.
Am Sonntag, 15. Juni, findet die Kinder- und Familienmesse statt.
10:15 Uhr: Messfeier zum Motto „Wir bauen am lebendigen Haus der Kirche” mit anschließender Agape vor dem Pfarrhaus und Rätselralley für die Kinder.
Am Sonntag, 29. Juni, findet die Abschlussfeier und das Pfarrfest statt.
10:15 Uhr: Festmesse mit Abt. Vinzenz vom Kloster Mehrerau, Kirchenchor und Bläsern des Musikvereins Satteins.
11:30 Uhr: Pfarrfest im Schäflegarten mit den „Fidelen Straßenbauern”. Für die Verpflegung sorgt die Funkenzunft Satteins.