Vom Rathaus ins Cockpit: Der Weg von Lucas Allgäuer zum American Dream

Von den Anschlägen auf das World Trade Center bis zur Umrundung des gesamten Globus: Lucas Allgäuer hat während seinem Abenteuer “USA” schon vieles erlebt.
Darum geht’s:
- Allgäuer lebt “American Dream”.
- Anfang als Lehrling in Feldkirch, jetzt erfolgreicher Pilot in den USA.
- Familie und “Vorarlberger Biss” sind Schlüssel zu seinem Erfolg.
Feldkirch Es ist der 10. September 2001, als Lucas Allgäuer in den Vereinigten Staaten ankommt – voller Vorfreude auf sechs Monate Abenteuer in einem unbekannten Land. Doch schon am nächsten Morgen wird diese Reise eine andere Wendung nehmen, als er sie sich je hätte vorstellen können.
„Ich wachte gerade von meiner ersten Nacht in den USA auf, als die Ereignisse über die Bildschirme flimmerten“, erinnert sich der gebürtige Feldkircher an die Terroranschläge auf das World Trade Center. „Die Amerikaner sprachen vom dritten Weltkrieg und ich wollte am liebsten sofort wieder nach Hause.“ Doch das Schicksal hatte andere Pläne, denn nur eine Woche später lernte der 42-Jährige seine zukünftige Frau kennen. „Ein tragisches Ereignis führte zu einem Glücksmoment“, erzählt der Auswanderer nachdenklich.

Heute, fast 25 Jahre später, lebt Lucas Allgäuer das, was viele den „American Dream“ nennen. Er ist erfolgreicher Pilot, Vater einer kleinen Tochter und fliegt rund um den Globus. Die Reise dorthin war jedoch alles andere als ein geradliniger Weg.

Eine solide Basis in Feldkirch
Bevor es Lucas in die große weite Welt zog, legte er den Grundstein seiner Karriere in seiner Heimat. Mit 15 Jahren begann er seine Lehre bei der Stadt Feldkirch, wo er im Rathaus in verschiedenen Abteilungen arbeitete. „Es war eine sehr abwechslungsreiche Zeit“, erzählt der ehemalige Lehrling. Besonders die Jugendabteilung und das Standesamt haben es ihm damals angetan. „Wir hatten ein tolles Team und engagierte Lehrlingsbetreuer. Diese Zeit hat mir eine starke Grundlage für mein späteres Berufsleben gegeben.“ Mit dieser Basis im Gepäck konnte er den Sprung ins Unbekannte wagen.

Zwischen Familie und Flieger
Das Leben als Pilot ist geprägt von Abwechslung, aber auch von Entbehrungen. Lucas Allgäuer fliegt eine der modernsten Maschinen der Welt und umrundet regelmäßig den Globus. „In neun Tagen einmal um die Welt, das ist nicht unüblich“, berichtet er. Doch das bedeutet auch, Feiertage und Wochenenden häufig fern von seiner Familie zu verbringen. „Meine Frau und ich haben 15 Jahre in der Fliegerei zusammengearbeitet, und unsere Tochter ist inzwischen auch ein Teil des Teams“, sagt er mit einem Lächeln. Die beiden besuchen ihn, wann immer es möglich ist, an seinen Stationen.

Die Unterstützung seiner Frau beschreibt er als den Schlüssel zu seinem Erfolg. „Ohne sie, literweise Kaffee, ein bisschen Glück und natürlich ‚a bizzle Vorarlberger Biss‘ hätte ich es nicht geschafft“, gibt der Pilot zu. Trotz der Herausforderungen hat er noch immer große Freude an seinem Beruf. „Ich habe ein Lächeln im Gesicht, auch wenn ich um drei Uhr morgens irgendwo über den Pazifik fliege und eigentlich im Bett sein sollte.“

Heimatverbunden trotz Distanz
Obwohl er nun schon viele Jahre in den USA lebt, hat seine Heimat einen besonderen Platz in seinem Herzen. Langfristig denkt der Auswanderer über eine Rückkehr nach Vorarlberg nach. „Wir würden es bevorzugen, wenn unsere Tochter einen Teil ihrer schulischen Ausbildung in Österreich absolvieren könnte“, erklärt Lucas. Seit 2016 besitzt er zudem ein Haus in Gisingen, das für ihn und seine Familie ein Rückzugsort geworden ist.
Der Traum, der nie endet
Lucas Allgäuer hat vieles erreicht, doch es gibt immer noch Träume, die ihn antreiben. „Der American Dream unterscheidet sich nicht wirklich vom Austrian Dream“, sagt er. „Wir sind glücklich und arbeiten stetig an neuen Zielen.“ Besonders schätzt er die Möglichkeit, auf seinen Flügen neue Kulturen kennenzulernen. „Japan, die Karibik, Argentinien – die Welt hat so viele faszinierende Orte“, schwärmt er. „Manchmal fliegen wir sogenannte ‚Angel Flights‘, bei denen schwer kranke Kinder kostenlos mit ihrer Familie transportiert werden können.“ Diese Flüge bedeuten ihm besonders viel. „Da merkt man, wie privilegiert man ist und wie wichtig es ist, etwas zurückzugeben.“
Zur Person
Name Lucas Allgäuer
Geboren 4. März 1982 in Feldkirch
Wohnort New York
Familie verheiratet, eine Tochter
Beruf Pilot