“Wir alle sind Philosophen”

In der Kellergalerie Kukuphi wurde die Ausstellung “Fragmente des Seins” eröffnet.
BLUDENZ Den Titel “Fragmente des Seins” trägt die neue Ausstellung in der Kellergalerie Kukuphi in Bludenz. Die Vernissage erlebte neulich einen Publikumsansturm. “Das ‘Sein’ ist die grundlegendste Kategorie, die alles Existierende umfasst. Und wir denken darüber nach, wie wir die Welt erfahren und wie wir uns darin bewegen, worauf sich alles aufbaut, je nach den unterschiedlichsten Denkrichtungen. Wir alle sind Philosophen!”, zeigte sich Fritsche in ihrer Rede überzeugt. In der Ausstellung sind Fragmente, einige “Splitter des Seins” zu sehen, welche die Vielfalt der fünf Künstlerinnen Angelika Domenig, Fiona Aurora Frei, Tina Strohmaier, Sonja Burtscher und Karoline Schaffenrath zum Ausdruck bringen.

Tina Strohmaier hatte just am Abend der Ausstellungseröffnung ihre Debütlesung “Ein Goldhügel im Gaumen” in Dornbirn. “Strohmaier ist 31 Jahre jung, Frisörmeisterin, Lehrerin, Performerin, Slamerin und inzwischen freiberufliche Autorin. “Lyrik, eine Sprache die symbolisch und vieldeutig ist”, werde in der Ausstellung laut Fritsche “als künstlerisches Medium mit anderen traditionellen Kunstarten auf die gleiche Ebene gestellt. Wir präsentieren lyrische Texte visuell”. Strohmaier widme sich, wie Fritsche sagte, “kritisch der aktuellen Gesellschaftssituation. Der Text dient als künstlerisches Element”.

Gelernte Textiltechnikerin ist Karoline Schaffenrath. “In ihrem Hinterkopf schlummerte lange ein Vulkan an kreativen Ideen. Sie sammelt Stoffe, Zubehör, Materialien aller Art zusammen, hortet sie in ihrem Arbeitszimmer und nützt jedes noch so kleine Zeitfenster, um etwas zu kreieren. Karoline sieht überall Materialien, die man gestalterisch verarbeiten könnte”, erzählte Fritsche. In der Ausstellung sind drei Beispiele besonderer künstlerischer Gestaltung und Umsetzung aus unserer Wegwerfgesellschaft zu bewundern.

Jüngste Künstlerin ist 20 Jahre
Die jüngste Künstlerin ist die 20-jährige Fiona Aurora Frei. 16-jährig, als die Pandemie ausbrach, fand sie in der Malerei eine Ausdrucksmöglichkeit und sinnvolle Strukturierung. Der metaphysische Symbolismus, wie Fritsche die Werke von Frei beschreibt, wolle das Unsichtbare durch symbolische Bilder greifbar machen. “Eine Brücke zwischen der realen und einer darüberhinausgehenden metaphysischen Realität.”

Gelernte Buchhalterin ist Angelika Domenig. In der Zeit der ersten Karenz begann sie zu malen und wenig später schon mit dem Unterrichten. Sie ist eine Dozentin aus Leidenschaft, wie sie selber sagt. Seit zwölf Jahren ist sie künstlerisch selbständig und schafft Werke mit den unterschiedlichsten Themen. “In der Ausstellung haben wir uns auf Landschaften im weitesten Sinne festgelegt. Man könnte sagen, sie ist mit Haut und Haaren in die Farbe eingetaucht. Abstrahiert expressiv tanzen Linien, Texturen, Farben und Gesten über das Bild”, informierte Fritsche.

Sonja Burtscher ist Schuhverkäuferin aus Innerbraz. Malen, Zeichnen und kreatives Gestalten sind für sie seit der Schulzeit wichtig. 2015 beschloss sie, sich richtig mit der Kunst zu befassen. Sie belegte verschiedene Malkurse. Nach zwei Jahren Suche nahm sie an einem Masterkurs bei Angelika Domenig teil. Burtscher konnte richtig durchstarten. “Charaktergesichter sagen mehr als 1000 Worte, vor allem die Augen sind ihr wichtigstes Ausdrucksmittel”, sagte die Galeristin, die bis 25. Jänner zum Besuch der Schau lädt. SCO


