Geschichten der Zuwanderung und Integration im Wandel der Zeit

Heimat / 30.10.2024 • 08:47 Uhr
Götzner Gespräche
Vizebürgermeisterin Edith Lampert-Deuring, Manuela Pillon und Udo Mäser. Gemeinde Götzis

In Götzis vermittelt ein Interviewfilm die Geschichte von Zuwanderung und Integration.

Götzis Zum zweiten Mal wurde am vergangenen Donnerstag in der Kulturbühne AmBach der Interviewfilm von Felix Kalaivanan mit Frauen und Männern, die in den letzten achtzig Jahren nach Götzis zugewandert und heimisch geworden sind, gezeigt.

Götzner Gespräche
Norbert Loacker, Rosa und Ehrenfried Burtscher.

Und wieder war eine große Zahl an Besucherinnen und Besuchern begeistert von diesem Zeitzeugen-Dokument und vom einführenden 30-minütigen Referat von Wolfgang Berchtold, der einen spannenden Blick in die Migrationsgeschichte Vorarlbergs und speziell jener von Götzis warf.

Götzner Gespräche
Der Vortragender Wolfgang Berchtold.

Mit diesem Film haben sich die Götzner Gespräche bewusst wegbewegt von der abstrakten Zahlendiskussion und man hat diese durch Geschichten ersetzt.  Lebensgeschichten, die berühren, die zum Weinen und zum Lachen anregen, die aber vor allem den Mensch und die Menschlichkeit in den Mittelpunkt rücken.

Götzner Gespräche
Claudie Studer Schoch, Barbara Rief und Ingrid Schoch.

Viel Bemerkenswertes bleibt von diesem Film in Erinnerung, und ganz besonders auch jene Anekdote von Maria Högger, die als 15-Jährige hierher zugezogen ist und mit einem Vorwurf einheimischer Frauen konfrontiert wurde: „Miar töüand do her ko, dia Kärtnerinna und Steirerinna, und neand die beschta Mä aweg. Denn han i gset: Moanscht mir fahran so wit und neand a Glump!

Götzner Gespräche
Karin Klas, Hartmut Hofer und Silvana Marte.

Wolfgang Berchtold erinnerte daran, dass das arme Vorarlberg 500 Jahre lang ein Auswanderungsland war und dass auch Hunderte Götzner und Götznerinnen im Ausland, vor allem auch in Amerika ihr Glück suchten. Dies hat sich um 1880 mit der zweiten Industrialisierungswelle in Vorarlberg geändert. Aus dem Auswanderungsland Vorarlberg wurde ein Einwanderungsland.

Götzner Gespräche
Maria und Günther Jenny, Maria und Gerhard Kresser.

In mehreren Zuwanderungswellen kamen Frauen und Männer nach Vorarlberg, die man dringend als Arbeitskräfte benötigte: aus dem Trentino (Ende 19. Jahrhundert), aus Südtirol (1940/1942), aus der Steiermark, Kärnten und anderen österr. Bundesländern (ab 1950), aus Jugoslawien und der Türkei (ab den 1960er-Jahren). Schließlich kamen auch Schutzsuchende vor allem aus Ungarn, Bosnien, Syrien, Afghanistan und der Ukraine. Und auch in den 2000-Jahren benötigte die Industrie und das Gewerbe Arbeitskräfte, und die kamen aus vielen verschiedenen Ländern innerhalb und außerhalb der EU zu uns. Heute leben 3291 Personen aus 83 verschiedenen Ländern mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft in Götzis, angeführt von Menschen aus der Türkei (734), Deutschland (579), Rumänien (231) und Ungarn (231).

Götzner Gespräche
Die Götzner Gespräche waren abermals gut besucht.