Neues Kapitel für historisches Juwel

Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten eröffnet die denkmalgeschützte Häusle-Villa in Rankweil zusammen mit der angrenzenden Stickerei und dem neu gestalteten Vorplatz.
rankweil Im Jahr 2019 hatte die Marktgemeinde Rankweil die Häusle-Villa erworben, etwa vier Monate später brannte sie teilweise aus. Nur die wesentlichen Bauteile der Villa konnten gerettet werden. Rund zwei Jahre dauerte die Prüfung der baulichen Möglichkeiten. Die Nutzung der Villa wurde von einem Arbeitskreis entwickelt, an dem Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen beteiligt waren. Die Nutzung der Stickerei wurde im Rahmen des Leitbilds “Kulturperspektiven” mit verschiedenen Interessengruppen erarbeitet und der Gestaltung des Vorplatzes ging ein Architekturwettbewerb voraus.

Nach jahrelanger Planungs- und Bauzeit erstrahlt die denkmalgeschützte Häusle-Villa sowie die angrenzende Stickerei und der neu gestaltete Vorplatz nun in neuem Glanz und steht der Öffentlichkeit offen. Heute, Samstag, 15. Juni, findet von 10 bis 19 Uhr ein Tag der offenen Tür statt, bei dem die Bevölkerung die Gelegenheit hat, das historische Gebäude und seine vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall zeigte sich in ihrer Begrüßungsrede beeindruckt vom Ergebnis und betonte die Bedeutung des Projekts für die Marktgemeinde: “Wir haben in unserer Ortsentwicklung an diesem Standort den Fokus auf Bildung und Kultur gelegt. Dieses Ziel wurde mit der Sanierung und Neugestaltung sowie durch das damit verbundene Nutzungskonzept erreicht.”

Die Sanierung der Häusle-Villa war ein anspruchsvolles Projekt. Wolfgang Ritsch, der verantwortliche Architekt, betonte die Bedeutung der historischen Elemente und die Herausforderung, diese mit modernen Anforderungen zu vereinen: “Die größte Herausforderung war, möglichst nah am Original zu bleiben und die Gebäude auf den Stand der Zeit zu bringen.” Dabei mussten bauphysikalische, technische, konstruktive, klimatechnische, energieeffiziente und schallschutztechnische Aspekte berücksichtigt werden. “Die Kunst ist, scheinbar völlig widersprüchliche Dinge unter einen Hut zu bringen”, erklärte Ritsch.

Ein besonderes Augenmerk galt den Details, die nicht sofort ins Auge fallen. Ein alter Gewölbekeller wird weiterhin als Lagerraum genutzt, und die sanierten Eingangstüren mit schmiedeeisernen Gittern sind echte Hingucker. Die hochwertigen Kastenfenster und die Sanierung des Fachwerks stellen weitere architektonische Meisterleistungen dar.

Landesrat Christian Gantner lobte die umfassende Renovierung: “Geschichtslosigkeit ist Gesichtslosigkeit. Die Geschichte ist es, die uns sehr oft den Spiegel vorhält. Die Geschichte ist es letztlich auch, die uns das eine oder andere Mal mahnt. Aber es ist die Geschichte vor allem, die uns letztlich Herkunft, die uns Charakter, die uns aber auch Identität gibt. Ich denke, genau dasselbe macht dieses wunderbare Haus.” Er würdigte die Zusammenarbeit aller Beteiligten und hob hervor, wie gut es gelungen sei, Geschichte in die Gegenwart zu übersetzen.

Gemeinderat Helmut Jenny stellte das neue Nutzungskonzept der Villa und der Stickerei vor. In der Häusle-Villa sind nun die Gemeindeabteilungen für Jugend, Kunst und Kultur, Vereine und Sport untergebracht. Ein Trauraum für standesamtliche Hochzeiten und eine Wohnung für “Artists in Residence” komplettieren das Angebot. Die Stickerei wird hauptsächlich für ausgewählte, kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Gemeindearchivar Norbert Schnetzer faszinierte die Gäste mit Anekdoten aus der Geschichte der Häusle-Villa. Im Anschluss konnten die Besucher bei Führungen die Gebäude besichtigen und den Nachmittag bei musikalischer Umrahmung ausklingen lassen.





