Online-Shopping vs. regionaler Handel: “Wenn jeder nur online einkauft, gibt es bald keine Stadt mehr”

Die Besucher von Feldkirch erzählen, warum sie dem lokalen Handel treu bleiben.
Feldkirch An einem sonnigen Tag durch die Altstadt schlendern, sich bei einem Einkaufsbummel nett unterhalten und anschließend ein Eis oder einen Kaffee genießen. Für viele Besucher der Stadt Feldkirch eine kleine Auszeit aus dem Alltag. Doch der lokale Handel sieht sich immer mehr mit Herausforderungen konfrontiert. Die große Konkurrenz durch den Onlinehandel macht es den lokalen Geschäftsinhabern nicht leicht. Aber warum sollte man denn zum Einkaufen überhaupt noch sein Haus verlassen? Die VN haben sich in der Feldkircher Innenstadt umgehört.
“Ich liebe die Stadt”
Heike Lampert unterstützt den lokalen Handel, wo es nur geht. “Ich liebe die Stadt und möchte hier auch in Zukunft einkaufen. Wenn jeder nur online kauft, dann wird es diese Möglichkeit in ein paar Jahren nicht mehr geben”, begründet die Inhaberin der Metzgerei “Lampert’s Metzg” ihr Einkaufsverhalten.

Dass es im lokalen Handel oft etwas teurer ist, ist ihr bewusst. Für sie bietet das Einkaufen in der Feldkircher Innenstadt dennoch einen Mehrwert. “Ich schätze den persönlichen Bezug. Man unterhält sich nett und wenn es mal ein Problem gibt, hat man einen Ansprechpartner”, erzählt die Gisingerin. Vom Onlinehandel hält die 58-Jährige nicht viel. “Wenn ich online etwas sehe, das mir zusagt, dann gehe ich in ein lokales Geschäft und lasse es mir dort bestellen”, erklärt sie. Im Internet bestellt die Vorarlbergerin nur dann, wenn sie wirklich keine andere Möglichkeit hat.

Jacqueline Stark ist vom Onlinehandel ebenfalls nicht überzeugt. “Ich kaufe seit etwa zwei Jahren fast nur noch im regionalen Handel ein”, erzählt die Sozialpädagogin. Besonders Kleidung, Spielzeug und Drogerieartikel erwirbt sie, wenn möglich, in der Stadt. “In den Geschäften kann ich die Produkte in die Hand nehmen und begutachten”, sagt sie. Außerdem findet die 37-Jährige das ständige Hin und Her mit den Paketen, wenn mal etwas nicht passt, ziemlich mühsam. Einzig Stoffe kauft die Hobby-Näherin noch des Öfteren im Internet. “Ich nähe sehr gerne und in Feldkirch hat man bei den Stoffen leider nicht mehr viel Auswahl”, erklärt sie.

“Ich gehe oft in Feldkirch einkaufen, weil die Stadt einfach sehr schön ist”, erzählt Andreja Sevo aus Hohenems. Die 31-Jährige arbeitet in der Nähe und findet die Einkaufsmöglichkeiten in Feldkirch toll. “Mir geht es dabei auch um die Ladenbesitzer. Ich möchte nicht, dass hier irgendwann nur noch Großkonzerne zu finden sind. Man sollte die kleinen Läden unterstützen”, sagt sie lächelnd.
Weniger Bestellungen im Internet
Dass die Vorarlberger den stationären Handel wieder vermehrt unterstützen, bestätigt eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw). Demnach kauften 2023 71 Prozent der Vorarlberger online ein, gaben dabei aber deutlich weniger Geld aus. Es wurde auch seltener online bestellt. Als “Paradox” bezeichnet das Institut die Ergebnisse der Studie.

Der Anteil der Einzelhandelsausgaben der Vorarlberger in Onlineshops sank von 2022 von 12,2 Prozent (430 Millionen Euro) auf 11 Prozent (400 Millionen Euro) im Jahr 2023. “Diese 1,2 Prozent können sich sehen lassen, denn in Umsatz bedeutet das eine Verschiebung von 30 Millionen Euro vom Internet in den stationären Handel”, rechnet Carina Pollhammer, Obfrau der Sparte Handel vor. “Da sieht man, wie sehr schon kleine Veränderungen im Kaufverhalten Einfluss haben auf unsere lokale Wirtschaft”, erklärt Pollhammer weiter. Punkten könne der regionale Handel sowohl stationär als auch online vor allem mit Service, Beratungskompetenz sowie Inspiration und der Freude am Bummeln.