Vorhang auf!

Markus Bertsch probt mit seiner Theatergruppe an der Mittelschule Oberau ein neues Stück.
FELDKIRCH Am Mittwoch um 13.30 Uhr herrscht vor der Tür zum Proberaum, einem kleineren Turnsaal, in der Mittelschule Oberau gespannte Aufregung. In einem kleinen Lagerraum werden von den Schülerinnen und Schülern Requisiten und Kostüme zusammengesucht. Markus Bertsch unterrichtet an der Schule Englisch und Musik, seit rund zwanzig Jahren leitet er zudem die Theatergruppe an der Schule. Mit viel Ruhe und Besonnenheit bewältigt er an diesem Nachmittag die zahlreichen Fragen wie etwa danach, wo bestimmte Schuhe sein könnten oder welcher Teppich für die Probe verwendet wird. Celine, eine Schülerin, sagt: „Herr Lehrer, ich hatte eine Geschichte- und Matheprüfung und konnte den Text nicht fertig lernen.“ Der engagierte Pädagoge beruhigt sie, es sei immer noch genug Zeit dafür.

Großartiges Gemeinschaftsgefühl
Eine Viertelstunde später beginnt dann die eigentliche Probe. „Bei uns ist es immer laut und chaotisch“, meint Markus Bertsch. Was aber nur im Vorfeld so ist. Sobald es heißt „erster Akt, erste Szene“ und die ersten Akteure auf der Bühne sind, herrscht konzentrierte Stille. Alle, die gerade nicht im Einsatz sind, hören vom Rande aus zu. Der Theaterleiter gibt immer wieder leise, aber prägnante Regieanleitungen. Und er nimmt die Rolle eines Dienstmädchens ein, es entstehen aus dem Stegreif aus kleineren Missverständnissen zahlreiche lustige Dialoge. Alle Teilnehmer sind mit Feuereifer dabei, korrigieren sich zum Teil untereinander, ermuntern sich aber auch gegenseitig. „Das Theaterspielen macht so richtig Spaß, weil man mit jedem reden kann und sich nicht schämen muss, wenn man etwas falsch macht“, ist Celina von der offenen Stimmung in der Gruppe begeistert.

Auch Alina stimmt dem zu: „In unserer Gruppe ist jeder mit jedem befreundet. Wenn jemand neu ist, dann verstehen wir uns von der ersten Sekunde an.“ Es sei überhaupt kein Problem, wenn man den Text vergessen habe. „Hier macht sich niemand darüber lustig“, erklärt Alyssa. Aber auch Liliana schwärmt: „Es ist so richtig toll, dass alle willkommen sind und niemand ausgeschlossen wird.“
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Spielfreude vermitteln
Markus Bertsch schreibt die Theaterstücke für seine Gruppe selbst: „Ich habe nahezu jedes Jahr ein Stück geschrieben. Sobald im Mai oder Juni die Aufführung stattfindet, habe ich immer schon eine Idee für das nächstfolgende Stück.“ Im vergangenen Jahr wurde von ihm sogar „Der Sturm“ von William Shakespeare für die Gruppe umgeschrieben und altersgemäß adaptiert.

Dieses Jahr steht mit „Mord auf Schloss Ludicrous“ ein klassischer Krimi mit einer Überraschung auf dem Programm. Die Herangehensweise beim Schreiben ist sehr originell. So verweisen die Namen der auftretenden Figuren wie Inspektor Trope, Lady Chekhov, Hering, Hommage oder Trope an Klassiker des Theaterspiels oder an Begriffe aus dem Krimi-Genre. Die Requisiten sind noch nicht vollständig. Zentral steht derzeit eine dreibeinige Récamiere, die etwas wackelt. Der Spielfreude tut dies keinen Abbruch.


Ganzheitliche Methode
„Theaterspielen ist eine Form des ganzheitlichen Lernens“, ist Markus Bertsch überzeugt. „Es ist etwas sehr Intensives, sowohl die geistigen als auch die körperlichen Anteile sind gefordert. Man braucht einfach alles. Die Freude am Theaterspiel hat er als Statist bei den Bregenzer Festspielen entdeckt, seither hat er viele Kurse beim Landesverein für Amateurtheater besucht und sich auch viel darüber gelesen. Er weiß, was er von seinen Schülern und Schülerinnen vom Niveau erwarten kann, damit diese weder unter- noch überfordert werden. Und für die elfköpfige Theatergruppe steht als besondere Anerkennung auch noch eine Theaterübernachtung in der Schule und ein Theaterausflug an. BI
„Mord auf Schloss Ludicrous“ ist am 29. Mai um 19 Uhr im Theater am Saumarkt zu sehen
