Brand bekommt neuen Supermarkt

Heimat / 20.12.2023 • 11:45 Uhr
Die ehemalige Raiffeisenbank soll zum SPAR-Markt umfunktioniert werden. <span class="copyright">Gemeinde Brand</span>
Die ehemalige Raiffeisenbank soll zum SPAR-Markt umfunktioniert werden. Gemeinde Brand

Da Herbert Meyer, der den SPAR-Markt in Brand betreibt, in Pension geht, musste die Gemeinde aktiv werden. Die Gemeinde hat zwei Varianten überprüft: einmal, den bestehenden Supermarkt mit Teilsortiment zu übernehmen, oder einen neuen SPAR-Markt mit Vollsortiment zu betreiben. Eines ist jedoch klar: „Brand ohne Nahversorger ist nur schwer vorstellbar“, so Bürgermeister Klaus Bitschi.

Brand „Immobilienmäßig ist in Brand einiges in Bewegung geraten“, heißt es im Sitzungsprotokoll der Gemeinde Brand. Gleich mehrere Kaufangebote wurden der Gemeinde Brand unterbreitet. Nach Überprüfung der Wirtschaftlichkeit konnte der Gemeindevorstand jedoch einstimmig den Kauf des Sporthotels Beck und des SPAR-Marktes Meyer ausschließen. 4,3 Millionen Euro hätte die Gemeinde für das Sporthotel Beck zahlen müssen. Der SPAR-Markt hätte noch einmal zwei Millionen Euro gekostet.

Die zwei Gebäude werden vereint und zum neuen SPAR-Markt.
Die zwei Gebäude werden vereint und zum neuen SPAR-Markt.

Da das Kaufangebot für das Sporthotel Beck erst zwei Tage, bevor Reinhold Jäger unterschrieben hat, bei der Gemeinde eintrudelte, war es unmöglich, in der kurzen Zeit eine Entscheidung zu treffen und ein Beschluss im Gremium herbeizuführen. Außerdem sei das Sporthotel Beck unter der Führung von Reinhold Jäger, der ein etablierter Gastronom und Hotelbetreiber in Brand bereits ist, in guten Händen. Die 120 Gästebetten bleiben „warm“ und die Arbeitsplätze erhalten. Es könne nicht die Aufgabe der Gemeinde sein „so ein Objekt zu kaufen und dann wiederum Luxuswohnungen daraus zu machen, um eine Rentabilität zu ermöglichen“, heißt es weiter. Die Kernaufgabe der Gemeinde lautet eher, leistbare Wohnungen zu bauen. Dennoch wurden Vorwürfe laut, dass die Gemeinde in dieser Angelegenheit „dumm“ gehandelt hätte, das Hotel nicht zu kaufen.

Das zweite Angebot, der SPAR-Markt für zwei Millionen Euro, sprenge jeglichen finanziellen Rahmen. „Das Objekt ist für die Gemeinde nicht finanzierbar“, heißt es im Sitzungsprotokoll – was das Problem eines fehlenden Nahversorgers in der Gemeinde aber nicht löst. Da Herbert Meyer, der den SPAR-Markt betreibt, in Pension geht, stelle sich jetzt die Frage, wie es weitergehen soll. In der Gemeinde wurde vor einiger Zeit eine Umfrage betreffend des Einkaufsverhaltens der Bürger durchgeführt. 160 Personen haben daran teilgenommen. Was herauskam?  Drei Viertel der Befragten finden das bestehende Lebensmittelangebot in Brand nicht ausreichend. Das Warenangebot des SPAR Meyer sei ungenügend. Würde es ein Geschäft mit Vollsortiment in Brand geben, dann würden 89 Prozent dort den Wocheneinkauf erledigen.

Die Absicherung der örtlichen Nahversorgung beschäftigt die Gemeinde Brand bereits seit mehreren Jahren. Durch die absehbare Geschäftsaufgabe von SPAR Meyer und keiner Nachfolgeregelung hat die Gemeinde bereits mehrere Projekte und Standorte geprüft, unter anderem die Lokalität von Herbert Schedler (Mühledörfle 60) und die Übernahme des bestehenden Geschäfts von Herbert Meyer.

Bei Herbert Schedler wäre ein SPAR mit Vollsortiment möglich. Der Pachtvertrag wird auf 20 Jahre ausgelegt, mit Option auf Verlängerung. Die Pacht beträgt 4213 Euro netto im Monat, die Umsatzerwartung liegt bei 1,5 Millionen Euro brutto. Das Wareneinkaufsystem kommt über SPAR, weshalb es dort die gleichen Aktionen und Preise wie im ganzen Land geben wird. „Die Lage ist super“, ist Bitschi überzeugt.

Der neue SPAR-Markt liegt direkt an der Hauptstraße.
Der neue SPAR-Markt liegt direkt an der Hauptstraße.

Durch die Auflassung der Raiffeisenbank-Filiale in Brand ergab sich nun die Chance, die Bankfiliale mit einem bestehenden Geschäftslokal zu verbinden, um eine ausreichend große Verkaufs- und Lagerfläche für die Errichtung eines Dorfladens mit Vollsortiment zu verwirklichen. Dementsprechend gibt es aber auch mehrere Eigentümer. „Es war eine Herausforderung, alle Beteiligten an Bord zu kriegen“, weiß der Bürgermeister. Das Geschäft wird ca. 255 Quadratmeter Verkaufsfläche inklusive Büro- und Mitarbeiterräumlichkeiten und ca. 130 Quadratmeter Lagerfläche umfassen. Als Handelspartner konnte SPAR gewonnen werden. Die geplante Eröffnung des neuen Geschäfts ist im Spätherbst 2024 vorgesehen.

Die zweite Standortvariante – die Übernahme des jetzigen SPAR-Marktes mit Teilsortiment für touristische Bedürfnisse – hätte nur 50 Quadratmeter Verkaufsfläche und würde nicht über das Wareneinkaufsystem von SPAR laufen, weshalb diese Variante von den Gemeindevertretern auch nicht favorisiert wurde.

Letztlich stellten sich dennoch in der Gemeindevertretungssitzung zwei Grundsatzfragen: Zum einen, ob es überhaupt ein Vollsortiment braucht, oder ob ein touristisches Zielgruppenangebot nicht ausreiche, und zum anderen, was der Gemeinde die Absicherung der Lebensmittel-Nahversorgung (geld)wert sei. Eine lebhafte Diskussion entfachte bei den Gemeindevertretern. Manche finden einen kleinen Laden ausreichend, andere befürworten ein Vollsortiment. Außerdem waren einige der Ansicht, dass die Gemeinde einen privaten Betreiber suchen solle. Letzten Endes stimmte die Gemeindevertretung aber für einen SPAR-Markt mit Vollsortiment.

Um die Frequenz des Lebensmittelgeschäftes zu erhöhen, würde Bürgermeister Klaus Bitschi den Bankomaten sowie die Postservicestelle dorthin verlegen. Auch eine Trafik müsse mitberücksichtigt werden.

Klaus Bitschi (l.) und Herbert Schedler.
Klaus Bitschi (l.) und Herbert Schedler.

„Die Nahversorgerabsicherung in den Gemeinden ist eine Herausforderung“, sagt Klaus Bitschi im Gespräch. Das Thema Nahversorger wurde in der Gemeinde lange diskutiert. Vor allem, inwieweit sich die Gemeinde daran beteiligen soll. „Brand ohne Nahversorger ist nur schwer vorstellbar“, so Bitschi, einerseits aufgrund der touristischen Struktur mit vielen Selbstversorger-Appartements, andererseits für die lokale Versorgung der einheimischen Bevölkerung. Einen Betreiber zu finden, der es auf eigenes Risiko macht, sei aber schwierig, weshalb die Gemeinde gefordert ist, die Nahversorgung selbst abzusichern.

Der Plan sei, im April in die Umsetzung zu gehen und bis zur Wintersaison 2024/25 zu eröffnen. Über den Sommer hinweg sei es fraglich, ob Brand noch einen Nahversorger hat, oder nicht. Klaus Bitschi ist der Ansicht, dass sich ein Nahversorger nur dann rentiere, wenn die Brandner dort auch einkaufen gehen. „Wenn die Bürger nur noch auspendeln in große Zentren, um dort einzukaufen, ist ein Nahversorger auf dem Land nicht mehr zu stemmen.“ Doch gerade für Ältere sei es wichtig, einen Nahversorger im Ort zu haben. „Es ist also eine Investition in die Zukunft und wir freuen uns, dass wir mit der bestehenden Lösung mitten im Dorfzentrum eine Lokalität gefunden haben.“