Wohnraumoffensive im Vorkloster

Im Vorkloster bleibt kein Stein auf dem anderen – es entstehen 120 Wohnungen.
Darum geht’s:
- Die Wohnbaugesellschaft Vogewosi plant den Abriss und Neubau von 120 Einheiten im Vorkloster.
- Die bestehenden Wohnungen entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen.
- Das Projekt soll zu einer effizienteren Nutzung und günstigeren Mieten führen.
Bregenz Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hat die Vogewosi im Bregenzer Feldmoos ein Pilotprojekt mit der Schlüsselübergabe an die 35 Mieter erfolgreich abgeschlossen: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte ersetzte die Wohnbaugesellschaft eine Siedlung nicht durch Sanierung, sondern durch Abriss und Neubau. „Der Zustand der Mitte der 1960er-Jahre errichteten Gebäude war so schlecht, dass eine Sanierung keinen Sinn gemacht hätte“, erläutert Vogewosi-Geschäftsführer Hans-Peter Lorenz.

Zum Vorbild genommen
Bis zur Realisierung von „Feldmoos-neu“ war intensive Überzeugungsarbeit nötig, da nicht alle Mieter die radikale Modernisierung unterstützten. Trotzdem beschloss die Stadt, das Projekt als Modell zu nutzen und auch die Südtirolersiedlung an der Rheinstraße ähnlich zu erneuern. Man ist sich bewusst, dass auch diesmal eine Herausforderung auf die Verantwortlichen von Stadt und Vogewosi wartet.
Aber das Projekt ist alternativlos: Die Standards der Wohnungen, die in schwierigen Zeiten errichtet wurden, entsprechen längst nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Nach dem Hitler-Mussolini-Pakt mussten Zehntausende Südtiroler ihre Heimat verlassen und optierten für Österreich. Rund 11.000 fanden in Vorarlberg eine neue Heimat, wo 15 Südtiroler-Siedlungen entstanden. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs siedelte sich etwa ein Viertel davon in „Groß-Bregenz“ an (damals einschließlich Lochau und Kennelbach).

Schwer zu vermieten
„Diese Wohnungen“, so Annette Fritsch, Stadträtin für Soziales und Wohnen, „sind heute kaum mehr vermietbar. Vor allem für ältere Menschen entstehen unlösbare Probleme: Es gibt keinen Balkon, keinen Lift und keine Barrierefreiheit. Zum Heizen muss Brennmaterial aus dem Keller in die Wohnung gebracht werden. Zudem sind die Gebäude schlecht isoliert, es fehlt an Schallschutz und Allgemeinräumen für Fahrräder, Kinderwagen oder Müll sowie an Tiefgaragen.“

Schlecht ausgenützt
Bürgermeister Michael Ritsch führt ein weiteres wichtiges Argument für die Neugestaltung an: „Das rund 37.000 Quadratmeter große Areal ist sehr unzureichend genutzt. Mit einer Baunutzungszahl von etwa 48 beherbergt die Siedlung derzeit 280 Wohnungen. Der Masterplan sieht für die neue Siedlung mit einer Baunutzungszahl von etwa 85 fast 400 Wohnungen vor, was eine Zunahme von über 110 Wohnungen auf der gleichen Fläche bedeutet.“
„Rund 200 Wohnungen werden abgerissen, die restlichen etwa 80 – rund um den Park mit dem Andreas-Hofer-Denkmal – werden saniert“, ergänzt Bürgermeister Ritsch.

Erhebliche Kostensenkung
Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich aus der Tatsache, dass Grundstückskosten entfallen, da das Areal im Besitz der Vogewosi ist. Die effizientere Nutzung führt zu weiteren Kostensenkungen und damit zu günstigeren Mieten.

Noch ein weiter Weg
Auch unter Berücksichtigung dieser Vorteile ist den Verantwortlichen von Stadt und Vogewosi bewusst, dass der Weg zur Realisierung des Großprojekts noch weit ist. Der Zeitplan sieht vor, „dass auf Basis des erarbeiteten Masterplans 2024 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben wird. Nach dem üblichen Prozedere erwarten wir einen Projektstart frühestens in drei Jahren“, so Lorenz. STP