Stark, selbstbestimmt und selbstbewusst

Heimat / 16.11.2023 • 11:43 Uhr
Rebecca Sonnweber möchte den Solidaritätsgedanken unter den Frauen stärken.<span class="copyright"> BI (4)</span>
Rebecca Sonnweber möchte den Solidaritätsgedanken unter den Frauen stärken. BI (4)

Rebecca Sonnweber setzt sich für anderes Körperbewusstsein bei Frauen ein und konzipierte die Ausstellung „schamlos schön“.

FRASTANZ Rebecca Sonnweber ist eine vielseitige junge Frau und Mutter. Nach ihrem Doktorat in Sprach- und Medienwissenschaft an der Universität in Innsbruck war sie einige Jahre als Lehrende tätig. Die Geburt ihrer Tochter Greta und die dadurch erfolgte Karenzierung veranlassten die gebürtige Lustenauerin, sich intensiver mit dem Fremd- und Selbstbild von Frauen und Müttern auseinanderzusetzen, aber auch damit, in welcher Form sozial-gesellschaftlicher Druck auf diese erzeugt wird. Mit diesem Themenbereich hat sie sich bereits während ihres Studiums befasst. In weiterer Folge kam es durch sie zur Gründung des Vereins „Frauenzimmer“ sowie einer selbstständigen beruflichen Tätigkeit unter dem Titel „Sonnweberin“. In einer von ihr initiierten Ausstellung mit dem Titel „Schamlos schön“ dreht sich alles um die Körperwahrnehmung von Frauen.

Frau Sonnweber, welche Gründe spielten für die Entstehung der Ausstellung „Schamlos schön“ eine Rolle?

SONNWEBER In meiner Arbeit, sowohl mit erwachsenen Frauen, als auch mit Schülerinnen in der Schule, ist ein Thema jedes Jahr aktueller denn je: den eigenen Körper nicht so annehmen und akzeptieren zu können, wie er ist.

Das Thema Bodyshaming ist leider ein sehr aktuelles Phänomen. Können Sie den Lesern bitte kurz erläutern, worum es dabei geht?

SONNWEBER Einerseits wird der eigene Körper als ungewollt und unattraktiv empfunden, wie beispielsweise „Meine Oberschenkel sind zu dick, ich kann nicht ins Schwimmbad“, andererseits werden Menschen in Bezug auf ihr Aussehen beschämt und beleidigt, wie beispielsweise „Iss mal etwas, du brichst ja auseinander“. Die Diskriminierung geht von kleinen, demütigenden Bemerkungen oder abschätzigen Blicken, über heftige Beleidigungen, bis hin zu Mobbing und Ausgrenzung. Es ist ein Irrglaube, dass Bodyshaming nur dicke Körper betrifft. Auch dünne, alte oder behinderte Körper werden zur Zielscheibe.

Sich gegen den Selbstoptimierungszwang wehren, und den natürlichen Jahreskreislauf schätzen.
Sich gegen den Selbstoptimierungszwang wehren, und den natürlichen Jahreskreislauf schätzen.

Die Medien spielen dabei also eine wichtige Rolle?

SONNWEBER Medien beeinflussen, wie wir denken und handeln: Je öfter wir etwas sehen, als desto normaler und begehrenswerter empfinden wir es. Körper auf den Bildschirmen und in den Sozialen Medien sind wenig divers. Entsprechen wir nicht dieser gesellschaftlichen Norm oder unterwerfen uns nicht dem vorherrschenden Selbstoptimierungszwang, werden wir oft ausgegrenzt.

Welche Form haben Sie für die Ausstellung gewählt?

SONNWEBER Gemeinsam mit Sophia Konstantinou wurde ein Video gedreht, für welches sich 29 verschiedene Frauen aus Vorarlberg vor die Kamera gestellt haben. Vermeintliche Schönheitsfehler werden darin bewusst in Szene gesetzt. Damit zeigen wir, dass all unsere Körper verschieden sind – und das ist gut und schön! Manche sind mehr behaart, andere weniger. Manche sind dick, andere ganz dünn. Einige haben Sommersprossen, andere Dehnungsstreifen, Narben, Tätowierungen, Falten oder Akne. Auch eine Fotoausstellung mit Bildern ist entstanden, die reale Beispiele von Bodyshaming in Vorarlberg aufzeigt: abwertende, demütigende und ungefragte Aussagen, welche die abgebildeten Frauen über ihren Körper zu hören bekamen.

Sich gemeinsam über Lebensereignisse freuen: Sonnweber kämpft gegen den Neid unter Frauen.
Sich gemeinsam über Lebensereignisse freuen: Sonnweber kämpft gegen den Neid unter Frauen.

Unter Frauen herrscht nicht immer Eintracht, sondern oftmals Konkurrenzdenken und Neid. Nehmen Sie dieses Phänomen ebenfalls wahr?

SONNWEBER Der neue Job, das erfolgreiche Kind, das tolle Outfit: Wir könnten uns freuen, wenn anderen Frauen etwas gut gelingt. Stattdessen vergleichen wir uns, fühlen uns bedroht und beginnen, andere Frauen abzuwerten und schlecht zu reden.

Wie sehen für Sie Lösungsansätze aus, damit mehr Zusammenhalt und gegenseitiger Respekt unter Frauen entstehen kann?

SONNWEBER Wir müssen verstehen, dass Frauen aufgrund ihrer Sozialisation und Unterrepräsentanz in diese Neidkultur gedrängt werden. Die Vorstellung, dass sich immer nur eine Frau durchsetzt und Platz findet – eine hübsche Frau im Freundeskreis, eine erfolgreiche Frau in der Firma und eine kluge Tochter in der Familie – muss durchbrochen werden. Sprechen wir doch offen über diese Neidkultur. Gönnen wir unseren Freundinnen und Kolleginnen ihren Erfolg, lasst uns die Fähigkeiten anderer wertschätzen und die Schönheit anderer Frauen neidlos anerkennen.

Mit Meditationen, Körperübungen, Mantras und Ritualen wird der natürliche Jahreskreis erlebt.
Mit Meditationen, Körperübungen, Mantras und Ritualen wird der natürliche Jahreskreis erlebt.

In Ihrer beruflichen Tätigkeit als „Sonnweberin“ wollen Sie Frauen in vielfältiger Form Unterstützung bieten. Können Sie uns bitte kurz schildern, wie Ihr Angebot aussieht?

SONNWEBER In den Seminaren für Mamas geht es darum, sowohl die Mamas zu feiern als auch mehr Gelassenheit und Leichtigkeit in den Mama-Alltag zu bringen. In Blessing Circles werden die schwangeren Frauen für die kommende Geburt und das Wochenbett gestärkt. Mit den Urfrauen erleben wir mittels Meditationen, Körperübungen, Mantras und Ritualen den natürlichen Jahreskreis. In “schamlos schön” werden wir von der Feindin zur Freundin und bekommen ein wohliges Körpergefühl und einen wertschätzenden Blick auf uns selbst.

Und zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wie nehmen Sie sich selbst wahr?

SONNWEBER Ich bin ein Mensch, der andere Frauen und Mädchen dazu inspiriert und ermutigt: stark, selbstbestimmt und selbstbewusst durchs Leben zu springen! BI

Die Ausstellung und Videopremiere „Schamlos schön“ findet am 18. November um 20 Uhr im Frödischsaal Muntlix statt. Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen unter www.sonnweberin.at

zur person

Geboren 10. Dezember 1990

Familie Verheiratet, Tochter Greta

Wohnort Frastanz

Beruflicher Werdegang Lehramtsstudium Spanisch und Englisch an der Universität Innsbruck, Doktorat in Sprach- und Medienwissenschaft, Unterrichtstätigkeit (auch in der Erwachsenenbildung), seit 2022 karenziert, Co-Gründerin des Vereins Frauenzimmer, selbstständige Tätigkeit als „Sonnweberin“ (Frauenmentorin, Hatha Yogalehrerin, Ritualleiterin und Achtsamkeitstrainerin)

Hobbys Sprachen, in der Natur sein, Hatha Yoga

Motto „Nichts ist so schlecht, als dass es nicht für etwas Anderes gut ist.“