Vorarlberg im Temperaturhoch: Ein September für die Geschichtsbücher

Der Oktober knüpft nahtlos an den wärmsten September der Messgeschichte an.
Darum geht’s:
- September 2023 war der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen.
- Durchschnittstemperatur lag 3,2 Grad über dem Klimamittel.
- In Vorarlberg gab es 13 Sommertage im September 2023.
Schwarzach Vor 48 Jahren hatte ein gewisser Rudolf Wijbrand Kesselaar, geboren im holländischen Alkmaar, vom verregneten Sommer 1975 genug. Er schrieb sich den Frust mit dem Klassiker „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ von der Seele. Heuer müsste der 2006 verstorbene Kesselaar – besser bekannt als Rudi Carrell – den Text ändern. Denn der September 2023 geht laut dem Klimatologen Alexander Orlik von GeoSphere Austria als der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1766 in die Geschichte ein.

Zahlreiche Wetterrekorde
Fast überall gab es Wetterrekorde. Die Daten, die Orlik präsentiert, zeigen Rekorde von Region zu Region, doch überall liegen sie deutlich über Durchschnitts- und Spitzenwerten – auch in Vorarlberg. Laut dem Klimatologen lag die Durchschnittstemperatur bundesweit 3,2 Grad über dem Mittel der Klimaperiode 1991 bis 2020. In den Bergen betrug dieses Plus sogar 4,2 Grad. Besonders auffallend war die Zahl der Sommertage (mehr als 25 Grad): In Bregenz gab es in der Messperiode 1961 bis 2020 durchschnittlich zwei bis drei Sommertage pro Jahr. Im September 2023 waren es jedoch 13.

Die Niederschlagsmengen lagen durchschnittlich 30 bis 45 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Eine Ausnahme war Brand mit 152 Litern pro Quadratmeter, einem österreichischen Rekord. Dieses Walserdorf war im September bundesweit die „nasseste Gemeinde“. Im Gegensatz dazu führte Vorarlberg das Ranking der Sonnenstunden an. In Sulzberg schien die Sonne 249 Stunden, wodurch die Gemeinde ihrem Ruf als “Sonnenbalkon” wieder einmal gerecht wurde.

Sommer im September
Zum kalendarischen Herbstanfang nutzte die VN-Heimat die Gelegenheit für einen Lokalaugenschein. Auf der Reise vom Bodensee zum Arlberg bot sich ein besonderes Bild: Gerade in den letzten Sommertagen waren die höchsten Berggipfel von Schnee bedeckt. Doch das war nur ein kurzes Kälte-Intermezzo. Schon am ersten Herbsttag stiegen die Temperaturen wieder und die Sonne begrüßte die Biker, die sich zwischen Rheintal und Arlberg verteilten. In Warth wurden sie im Gastgarten der Wälder-Metzge von einer gesanglichen Gruppe aus dem Schwarzwald empfangen. „Wandern, chillen – die Bergwelt genießen und Freude bereiten“, war das Motto dieser Besucher.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auf der Wälder-Seite des Hochtannbergpasses: Viele Biker pausierten beim Parkplatz-Kiosk auf der Schmitte. Am Bodensee herrschte ebenfalls sommerliche Atmosphäre, die von der belebten Promenade über die Festspielanlagen bis hin zum Rheindelta reichte.

Und es gibt gute Nachrichten: Der Spätsommer setzt sich im Oktober fort – etwas kühler, aber mit einer positiven Prognose: Der Kilbisonntag in Lustenau soll trocken bleiben und Temperaturen nahe 20 Grad bieten. STP