Kindergartenpädagoginnen: “Wir geben uns nicht geschlagen”

Heimat / 29.09.2023 • 14:45 Uhr
Kindergartenpädagoginnen: "Wir geben uns nicht geschlagen"
Manuela Lang, Sandra Wöhrer, Petra Reicher und Eva Hofer (v.ln.r.) setzen sich für den Qualitätserhalt in der Elementarpädagogik ein. BVS

Pädagoginnen wehren sich gegen Qualitätsverlust an Kindergärten.

von Bernadette von Sontagh

Darum geht’s:

  • Kindergartenpädagoginnen beklagen massive Verschlechterung durch neues Gesetz
  • Kritik am Gesetz führt zu Konsequenzen für einige Pädagoginnen
  • Mangel an Personal und Vorbereitungszeit gefährdet Qualität der Kinderbetreuung

Lustenau „Ich habe in den vergangenen Monaten mit vielen Kolleginnen im Land gesprochen, wir haben uns vernetzt. Von rund 3000 Pädagoginnen sind gut 20 Prozent in unserer WhatsApp-Gruppe. Der Tenor fällt bei allen gleich aus: das neue Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz bringt für uns und vor allem für die Kinder eine massive Verschlechterung mit sich“, erklärt Pädagogin Eva Hofer vom Brändlekindergarten in Lustenau. Die Folgen sind: ein desillusioniertes Personal von denen viele ans Aufhören denken.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.

Kritik nicht erwünscht

Einige hätten ihre Meinung kundgetan und berichteten von Konsequenzen. „Eine hat die Leitung abgegeben, anderen habe man die Gruppenleitung befristet und nahegelegt, dass sie ihre Meinung nicht öffentlich kundtun sollten.“ Eva Hofer hat keine Angst wie sie betont. Von den vielen Pädagoginnen, mit denen Eva Hofer gesprochen hat, haben sich schlussendlich doch nur drei aus Lustenau für ein Gespräch bereiterklärt. Zu groß sei die Angst vor Konsequenzen, wie sie erklären.

Kindergartenpädagoginnen: "Wir geben uns nicht geschlagen"
Viele hätten Angst vor Konsequenzen. BVS

Zu früher Start in den Kindi

Kinder dürfen mit dem neuen Gesetz bereits ab drei Jahren in den Kindergarten. „Für Dreijährige ist der Kindergartenalltag sehr oft zu anstrengend und fordernd. Das benötigte Personal dazu fehlt. Sie dürfen in den Kleinkindbetreuungseinrichtungen erste Erfahrungen sammeln und eine Welt außerhalb der Familie kennenlernen“, sagt Pädagogin Petra Reicher vom Rosenlächer-Kindergarten in Lustenau. „Der Alltag im Kindergarten ist weitaus komplexer als auf dem Papier beschrieben. Wir haben weniger Vorbereitungszeiten, mehr administrative Arbeit zu verrichten, kaum Personal und viele Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Im Moment zerreißen wir uns, um den Kindern gerecht zu werden. Auf Dauer geht das nicht gut.“

Kindergartenpädagoginnen: "Wir geben uns nicht geschlagen"
Der Kindergarten werde immer mehr zur schlecht bezahlten Kinderbetreuung. BVS

Schlecht bezahlter Babysitter

Für qualitativ hochwertige Arbeit im Kindergarten fehlt die Vorbereitungszeit und das Personal, wie sie erklären. „Wir entwickeln uns in Richtung schlecht bezahlte Babysitter, die die Kinder nur mehr betreuen, statt ihnen etwas beibringen zu können“, spitzt Sandra Wöhrer vom Kindergarten Engelbach die Situation zu. Hinzu komme, dass Kinder immer früher gebracht und länger bleiben können. „Die Kinder sind müde und brauchen einen Rückzugsort“, so Hofer. Theoretisch können sie 51,5 Stunden pro Woche im Kindergarten sein. „Etwas mehr als 40 Stunden kommt für viele häufig vor. Das ist viel“, so Wöhrer.

Kindergartenpädagoginnen: "Wir geben uns nicht geschlagen"
Etwas mehr als 40 Stunden kommt für viele häufig vor. Das ist viel“, so Wöhrer. BVS

Kolleg für Assistenzkräfte öffnen

Den Mangel an Fachkräften im Kindergarten sollen nun Assistenzkräfte ausgleichen. „Es gibt sehr gute und langjährige Assistenzkräfte. Ich verstehe nicht, weshalb man für diese nicht das Kolleg öffnet, ohne Matura oder Studienberechtigung, eventuell gekoppelt an der Voraussetzung von Mindestjahren an Berufserfahrung“, sagt Manuela Lang, Obfrau des Landesverbandes der selbstorganisierten Kindergruppen und SPÖ-Gemeindevertreterin in Lustenau. Stattdessen gibt es nun Ausbildungen, in denen man in viereinhalb Monaten zur Assistenz geschult wird. „In dieser Zeit kann man keine Qualität sicherstellen“, so Lang. Sie sieht die Gemeinde in der Verpflichtung, besser auf ihr Kindergartenpersonal zu achten und ihnen die bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu ermöglichen. Ziel muss es sein, die Gruppen so zu verringern, dass auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen werden kann. Im ganzen System der elementaren Bildung sind viele Fragen noch nicht geklärt. Für sie gleicht es einer großen Baustelle.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.