Eröffnung der 5-Millionen-Euro-Grenzbrücke

Heimat / 28.09.2023 • 12:48 Uhr
Gespannt verfolgten die Festgäste, wie der Künstler Frank Bergmann mit der Enthüllung „seines“ Löwens die neue Brücke symbolisch eröffnete. <span class="copyright">STP/7</span>
Gespannt verfolgten die Festgäste, wie der Künstler Frank Bergmann mit der Enthüllung „seines“ Löwens die neue Brücke symbolisch eröffnete. STP/7

Eine Vereinbarung von 1844 zwischen dem Kaiser und dem König legte die Planung, den Bau und die Finanzierung des Projekts fest.

Darum geht’s:

  • Grenzbrücke über die Leiblach zwischen Hörbranz und Lindau eröffnet.
  • Symbol für Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit im Vier-Länder-Bodenseeraum.
  • Herausforderungen beim Bau, hohe Kosten von rund 5 Millionen Euro.

Lindau, Hörbranz „Fast hätte ich ein schlechtes Gewissen“, schmunzelte Landesrat Marco Tittler beim Festakt zur Eröffnung der neuen Grenzbrücke über die Leiblach zwischen Hörbranz und Lindau. Schließlich war er als 50:50 zuständiger Landesrat mit Planung, Bau und Finanzierung nicht befasst. „Trotzdem, danke für die Einladung.“

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Die Brücke stellt nicht nur eine moderne Verbindung zwischen zwei Ländern dar, sondern ist auch ein bedeutendes symbolisches Zeichen für die Bemühungen um Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit im Vier-Länder-Bodenseeraum. Es ist das Ziel aller politisch Verantwortlichen, diesen Lebens- und Wirtschaftsraum noch enger zu verknüpfen.

Smalltalk „unter dem Löwen“ – Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons und der Hörbranzer Vizebürgermeister Stefan Fischnaller. Auch Lindaus Landrat Elmar Stegmann und Landesrat Marco Tittler nützten die Brückeneröffnung zu einem Gedankenaustausch.
Smalltalk „unter dem Löwen“ – Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons und der Hörbranzer Vizebürgermeister Stefan Fischnaller. Auch Lindaus Landrat Elmar Stegmann und Landesrat Marco Tittler nützten die Brückeneröffnung zu einem Gedankenaustausch.

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Ein Weg voller Herausforderungen

Der Neubau der 1950 erbauten Brücke – sie wurde 2018 notdürftig repariert, 2022 abgerissen und der Verkehr über eine Behelfsbrücke umgeleitet – gestaltete sich als ein Weg voller Herausforderungen. Zunächst galt es, sich mit einer Vereinbarung aus dem Jahre 1844 zu befassen.

Kaiser Ferdinand I. von Österreich und König Ludwig I. von Bayern hatten damals vereinbart, dass Bayern für die Brücke in Unterhochsteg und Vorarlberg für jene in Oberhochsteg verantwortlich sei. Bonn wollte diese Regelung neu verhandeln, da Bundesstraßen und Brücken nun in die Zuständigkeit des Bundes fallen. Doch Bayern, der Landkreis Lindau und Vorarlberg widerstanden. Der Bund musste die vollständige Planung und den Bau finanzieren.

Kurioserweise „profitierte“ Österreich vom Brückenbau, denn für den auf Vorarlberger Seite liegenden Teil musste Umsatzsteuer an Wien abgeführt werden.

Der Neubau der Grenzbrücke Unterhochsteg war ein Gebot der Stunde, denn schon 2018 mussten Notstützen eingebaut werden, um eine Sperre der desolaten Brücke zu vermeiden. Jetzt steht an dieser Stelle eine 5-Stern-Brücke, 6,20 Meter breiter als das Vorgängermodell, weil beidseitig großzügige Radwegbrücken angedockt sind.
Der Neubau der Grenzbrücke Unterhochsteg war ein Gebot der Stunde, denn schon 2018 mussten Notstützen eingebaut werden, um eine Sperre der desolaten Brücke zu vermeiden. Jetzt steht an dieser Stelle eine 5-Stern-Brücke, 6,20 Meter breiter als das Vorgängermodell, weil beidseitig großzügige Radwegbrücken angedockt sind.

„Noch waren nicht alle Hindernisse überwunden“, so Baudirektor Michael Neupert, Fachbereichsleiter Straßenbau am Bauamt Kempten, in seiner ausführlichen Projektbeschreibung. Die Brücke liegt im europäischen Naturschutzgebiet, einem FFH-Gebiet, weshalb mit Bedacht vorgegangen werden musste.

Zudem galt es, den Hochwasserschutz zu beachten. Die Verfahren nach dem Wasserrecht waren komplex. In den dazugehörigen Bescheiden wurden umfassende Auflagen notiert, die den Flussbettverbesserungen galten.

Die Projektbeschreibung von Baudirektor Michael Neupert (l.) wurde zu einer ungewöhnlichen und spannenden Geschichte mit einzigartigen, bis 1844 zurückreichenden Kuriositäten. Landesrat Marco Tittler (r.): „Ich habe fast ein schlechtes Gewissen – mit dem Projekt hatte ich absolut nichts zu tun und trotzdem darf ich hier zur Eröffnung reden.“
Die Projektbeschreibung von Baudirektor Michael Neupert (l.) wurde zu einer ungewöhnlichen und spannenden Geschichte mit einzigartigen, bis 1844 zurückreichenden Kuriositäten. Landesrat Marco Tittler (r.): „Ich habe fast ein schlechtes Gewissen – mit dem Projekt hatte ich absolut nichts zu tun und trotzdem darf ich hier zur Eröffnung reden.“

Unerwartete Kostenexplosion

“Als der Bau schließlich beginnen konnte, war Stahl Mangelware“, so Martin Lechner von der Bauausführungsfirma Porr. Die monatelange Pause in den Arbeiten war die Folge. Als schließlich wieder Stahl verfügbar war, merkte Lechner an: „Wir brauchten verschiedene spezielle Stahlqualitäten, was die Beschaffung erschwerte.“ Die Kosten stiegen unerwartet – statt der geplanten 3,5 Millionen Euro beliefen sie sich letztlich auf rund 5 Millionen Euro.

Fachsimpeln unter Experten: Gerhard Schnitzer, seit 2004 Leiter der Abteilung Straßenbau, im Gespräch mit seinem Kollegen Baudirektor Michael Neupert.
Fachsimpeln unter Experten: Gerhard Schnitzer, seit 2004 Leiter der Abteilung Straßenbau, im Gespräch mit seinem Kollegen Baudirektor Michael Neupert.

Doch diese Hürden minderten nicht die Freude bei der symbolischen Eröffnung. Steinmetz und Bildhauer Frank Bergmann enthüllte stolz „seinen“ steinernen Löwen. Anstatt Musik und kirchlicher Segnung gab es zum Abschluss einen regen Gedankenaustausch. STP