Mit Kinderwagen durchs Jüdische Viertel

Rundgang „Viertel+Schesa“ richtet sich an Eltern mit kleinen Kindern.
HOHENEMS Das Jüdische Viertel von Hohenems mit seinem fast lückenlos erhaltenen, großteils unter Denkmalschutz stehendem Ensemble ist weit über Vorarlberg hinaus einzigartig. Eine neue Art der Führung bietet seit heuer auch Eltern mit ganz kleinen Kindern die Gelegenheit, auf einem Spaziergang mit dem Kinderwagen mehr von der Geschichte des Jüdischen Viertels und seinen ehemaligen Bewohnern zu erfahren. Passend zum beliebten Vorarlberger Dialektwort für Kinderwagen wurde der Rundgang „Viertel+Schesa“ getauft.

Eine Stunde lang geht es durchs Jüdische Viertel und dabei gibt es allerlei Geschichten zu hören, von einem ehemaligen Bäcker, von Frauen und Familien und mehr. Dabei werden nicht nur die ehemalige Synagoge und die Mikwe, das jüdische Ritualbad, besucht, sondern noch weitere historische Plätze entdeckt.

Für Kinder angepasst
Dazu zählt auch das ehemalige „Gasthaus zur frohen Aussicht“. „Das stimmte mich sehr ernst und rührte mich zu Tränen. Werde ich Menschen finden, die gut zu mir sind“, schrieb Nanette Landauer, einer der Wirtinnen des Gasthauses, für ihre Kinder Jenny und Ivan im Jahr 1933. Die Geschichte der Verfolgung ist allgegenwärtig. Dabei achtet Fabienne Flatz, die den Rundgang leitet, darauf dass die Kinder dennoch etwas Spaß haben. So dürfen die Kleinsten kleine Rätsel lösen und sich vor dem früheren Gasthaus auf eine kleine Auszeit mit koscheren Gummibärchen ohne tierische Gelatine freuen.

300-jährige Geschichte
Die jüdische Geschichte in Hohenems hat ihre Wurzeln im Jahr 1617. Damals schaffte der damalige Reichsgraf Kaspar von Hohenems durch einen Schutzbrief die rechtliche Grundlage für die Ansiedlung jüdischer Familien und den Aufbau von Institutionen einer jüdischen Gemeinde, um den Marktflecken durch Händler wirtschaftlich zu beleben. Kaufleute und Industrielle ließen alsbald die Wirtschaft florieren. Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts lebten einmal über 500 jüdische Personen in Hohenems. Im Jahr 1935 schließlich zählte die Jüdische Gemeinde gerade noch 16 Mitglieder. 1940 wurde die Gemeinde zwangsaufgelöst. Die letzten acht noch verbliebenen Juden wurden zunächst nach Wien und später in die Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten deportiert.

Nach dem Krieg endete die über 300jährige Geschichte der Hohenemser Jüdischen Gemeinde. Von den ehemaligen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde kehrte niemand dauerhaft zurück. In der früheren Synagoge, deren Inventar von den Nazis entwendet wurde, war später ein Feuerwehrhaus und heute hat die Musikschule hier Räume.

Der Rundgang „Viertel+Schesa“ ist barrierefrei und daher mit dem Kinderwagen leicht zu bewältigen. Ein Tourguide-System ermöglicht es, sich auch kurz von der Gruppe zu entfernen. Im Anschluss an den Rundgang gibt es die Möglichkeit zum Austausch im Museumscafé des Jüdischen Museums mit Kaffee und Süßem.
Jüdisches-Viertel-Führung „Viertel+Schesa“
Noch bis November 2023 jeweils am 1. Freitag im Monat von 10.00 bis 11.30 Uhr.
Um Reservierung unter 05576 73989 beim Jüdischen Museum Hohenems wird gebeten.




