Ein geschichtsträchtiges Juwel in Bregenz

Heimat / 30.08.2023 • 12:08 Uhr
Das Kloster Thalbach in Bregenz hat eine reiche Geschichte voller religiöser Hingabe, architektonischer Veränderungen und kontroverser Ereignisse. <span class="copyright">MEC/11</span>
Das Kloster Thalbach in Bregenz hat eine reiche Geschichte voller religiöser Hingabe, architektonischer Veränderungen und kontroverser Ereignisse. MEC/11

1436 wird als das Gründungsjahr der “clusa Thalbach” angenommen.

Bregenz Am Anfang standen zwei Geschwister, die ihr Leben Gott weihten. Sie lebten, beteten und arbeiteten in der Klause am Fuß der Kirche des Heiligen Gallus. Einst markierte der Thalbach die Stadtgrenze von Bregenz. Die Talmulde garantierte den “Klausenerinnen” eine gewisse Abgeschiedenheit. Niemand konnte damals vorhersehen, was in den nachfolgenden Jahrhunderten an diesem Ort entstehen würde.

Architektonische Details: Die barocke Handschrift im Klosterbau.
Architektonische Details: Die barocke Handschrift im Klosterbau.

Frömmige Schwestern

Die Schwestern Anna und Dorothea Miller aus Bregenz führten einen Haushalt in einem Häuschen, an der Stelle, an der heute das Kloster Thalbach steht. Das Gebäude war so niedrig und am nahen Abhang gelegen, dass man „vom Erdreich auf das Dach schreiten kann“.

Die Dominikanerinnen: Die neuen Bewohnerinnen des Klosters seit 1796.
Die Dominikanerinnen: Die neuen Bewohnerinnen des Klosters seit 1796.

Obwohl sie über keinen Besitz verfügten, gewannen sie durch ihre Frömmigkeit die Herzen der Menschen. Daher riet man ihnen, sich einem Orden anzuschließen. Im Jahr 1438 ersuchten sie in Konstanz um die Regel des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus. Zwei Jahre später, 1440, nahmen sie nach ihrer Profess Novizinnen in die Klause auf. Die Gründungsurkunde, die „Charta fundatorum monasterii nostri Prigantini“, datiert ihre Entstehung auf 1436 und nennt die Franziskanerinnen als Gründerinnen.

Blick auf die Klosteranlage von oben: Ein Juwel inmitten von Bregenz.
Blick auf die Klosteranlage von oben: Ein Juwel inmitten von Bregenz.

Erste Kapelle

1485 erfolgte die Einweihung der ersten Kapelle in der Thalbachklause durch Weihbischof Daniel Zehender. Ein gutes Jahrhundert später, 1575, erhielt die Kapelle nach einem Neubau alle Rechte eines Klosters. Die Ordensschwestern galten als vorbildlich in ihrem Ordensleben.

Ein Blick in die Kapelle: Spiritueller Mittelpunkt des Klosters.
Ein Blick in die Kapelle: Spiritueller Mittelpunkt des Klosters.

Als 1592 im damaligen Benediktinerkloster Mehrerau eine ansteckende Seuche ausbrach, übernahmen Thalbacherinnen die Klosterküche. Die Seuche wurde besiegt, und als Dank erhielten die Schwestern 1592 vom Kloster Mehrerau eine kostbare, überlebensgroße Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert.

Die ehemalige Stadtgrenze war der Thalbach, Namensgeber des Klosters.
Die ehemalige Stadtgrenze war der Thalbach, Namensgeber des Klosters.

Einzug der Dominikanerinnen

Ein weiterer Meilenstein war die Erneuerung der Klosterkirche von 1609 bis 1610 durch Baumeister Giovanni Domenico Prato. Im Lauf der Jahre erfuhr das Kloster diverse Umgestaltungen durch verschiedene Barockbaumeister.

Ein stiller Klosterhof: Ein Ort der Ruhe und der Kontemplation.
Ein stiller Klosterhof: Ein Ort der Ruhe und der Kontemplation.

Besonders prägend waren die Arbeiten von Michael Kuhn und Michael Tumb, die zwischen 1674 und 1677 die Klosteranlage zu einer frühbarocken, symmetrisch-rechteckigen Anlage im Stil des Escorial umbauten. 1782 löste Kaiser Joseph II. das Franziskanerinnenkloster auf. 1796 erwarben schließlich die Dominikanerinnen von Hirschberg-Hirschtal/Kennelbach das inzwischen verwaiste Kloster.

Von der Klause zur Klosteranlage: Hell präsentiert sich die Kapelle.
Von der Klause zur Klosteranlage: Hell präsentiert sich die Kapelle.

Kontroverse um “Das Werk”

Das Wirken der Dominikanerinnen als kontemplative Gemeinschaft und in der Mädchenbildung war regional von großer Bedeutung und stieß auf hohe Wertschätzung. 1983 ging das Haus in den Besitz der Geistlichen Familie „Das Werk“ über, nachdem Bischof Bruno Wechner zugestimmt hatte.

Kunst im Kloster: Ein Gemälde, das das Maria mit Kind darstellt.
Kunst im Kloster: Ein Gemälde, das das Maria mit Kind darstellt.

Die damalige Oberin drängte die Mitschwestern, die Schenkungsurkunde binnen zwölf Stunden zu unterschreiben. Die Geistliche Familie „Das Werk“, 1938 von Julia Verhaeghe gegründet, gehört zur römisch-katholischen Kirche. „Wir unterscheiden uns kaum von anderen römisch-katholischen Glaubensgemeinschaften“, erklärt Schwester Irene Felder bei einem Rundgang.

Ein historisches Gemälde im Kloster.
Ein historisches Gemälde im Kloster.

„Jedoch tragen wir keine Ordenstracht – keinen Habit.“ Derzeit leben 32 Schwestern im Haus und sechs Priester. Letztere residieren im ehemaligen “Flatzhaus” auf der Schlossbergstraße, sind jedoch der Gemeinschaft in Thalbach zugehörig.

Die kostbare Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert, ein Geschenk aus der Mehrerau.
Die kostbare Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert, ein Geschenk aus der Mehrerau.

In der Vergangenheit wurden gegen “Das Werk” Vorwürfe einer sektenähnlichen Struktur und des sexuellen Missbrauchs erhoben. In den letzten Jahren ist es jedoch ruhiger um das Kloster geworden, das als größtes Zentrum der Gemeinschaft und Sitz der Verantwortlichen dient. Es beherbergt eine elektronisch aufgearbeitete Bibliothek, unter anderem von oder über John Henry Newman und Franz Michel Felder. MEC