Klimawandel stellt Alpwirtschaft vor neue Herausforderungen

Die Klimakrise beeinflusst die Alpbewirtschaftung und die Pflege der Bergwelt zunehmend.
Hittisau, schröcken Seit mehr als sieben Jahrhunderten – die erste urkundliche Erwähnung der Hittisauer Alpe „Lecken“ datiert aus dem Jahre 1320 – bildet die Alpwirtschaft, insbesondere die im Bregenzerwald charakteristische Dreistufenwirtschaft, das wirtschaftliche Fundament bäuerlicher Familienbetriebe.

Immaterielles Kulturerbe
Die UNESCO hat die Bedeutung der Dreistufenwirtschaft 2011 anerkannt, indem sie diese in das nationale Kulturerbe-Verzeichnis aufnahm. Neben diesem Ansporn von höchster Stelle benötigt die Alpwirtschaft laut Erich Schwärzler, Obmann der Almwirtschaft Österreich, auch „das Verständnis und die Unterstützung der Bevölkerung, um zukünftige Herausforderungen meistern zu können“.

Starkes Plädoyer für die Älpler
Gegenüber der VN-Heimat betont Schwärzler: „Österreich besitzt mit seinen rund 8.000 Alpen, auf denen etwa 300.000 Rinder, 107.000 Schafe, 13.700 Ziegen und 10.400 Pferde den Sommer unter besten Bedingungen verbringen, einen bedeutenden Schatz, um den uns viele Länder beneiden. Die Alpen repräsentieren einen einzigartigen Lebens-, Wirtschafts-, Schutz-, Kultur- und Erholungsraum.”

Jährlich sorgen über 10.000 Alpbewirtschafter, Alpverantwortliche und anderes Alppersonal dafür, dass die oberste Ebene der österreichischen Landwirtschaft gepflegt und erhalten wird. Schwärzler betont, dass sowohl Einheimische als auch Gäste aus aller Welt diese Kulturlandschaft hoch schätzen.

Zusätzliche Funktionen
Der frühere Agrarlandesrat ergänzt, dass die Dreistufenwirtschaft für das Heimgut unverzichtbare Entlastung bringt: Während das Vieh in das Vorsäß (2. Stufe) und anschließend auf die Hochalpe (3. Stufe) verlagert wird, kann im Heimgut der wichtige Heuvorrat für den Winter eingelagert werden.

Bäuerliche Familienbetriebe setzen auf diese Methode und erweitern die Alpwirtschaft mit zusätzlichen Initiativen: Auf den Melkalpen wird der EU-markengeschützte Spezialitäten-Alpkäse produziert und überwiegend direkt vermarktet. Zudem bieten immer mehr Alpen Bergwanderern die Möglichkeit, Produkte wie Käse, Sennsuppe und andere direkt vor Ort zu verkosten und dabei mehr über die Alpwirtschaft zu erfahren. Deswegen haben Alpwirtschaft, Käsestraße und Tourismus vor zwei Jahren die Kampagne „Alpen zum Reinbeißen“ ins Leben gerufen.
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Mit Blick auf die steigenden Auswirkungen der Klimakrise warnt Schwärzler jedoch davor, die Anstrengungen zur Erhaltung der Dreistufenwirtschaft zu vernachlässigen. Berichte wie „Frühes Ende des Alpsommers“ (VN, 14. August 2018) oder „Das Gras hört auf zu wachsen“ (VN, 19. Juli 2022) sollten als dringende Alarmsignale wahrgenommen werden. STP
