Erfolgreicher zweiter Anlauf in Bezau

Heimat / 13.06.2023 • 12:45 Uhr
Auch eine Möglichkeit – das Traumwetter nutzten die Zimmerer dazu, ihre traditionelle Feier gleich auf dem First zu zelebrieren. <span class="copyright">STP/7</span>
Auch eine Möglichkeit – das Traumwetter nutzten die Zimmerer dazu, ihre traditionelle Feier gleich auf dem First zu zelebrieren. STP/7

Bemerkenswertes Wohnbauprojekt “Lebelle”: Neubau mit Fokus auf Ressourcenschonung und Komfort.

Bezau In der Parzelle Ellenbogen in Bezau entsteht ein beeindruckendes Wohnbauprojekt, für das Mitte Mai eine Firstfeier geplant war. Allerdings kam es anders als erwartet, da ein Gewittersturm drohte, Schaden anzurichten. Die Feuerwehr musste sogar mit der Drehleiter ausrücken, um im letzten Augenblick die Abdeckungen zu sichern. Beim zweiten Versuch des Richtfests klappte es dann perfekt, und die Zimmerleute konnten den Firstbaum bei strahlendem Wetter und mit drei Wochen Verspätung aufstellen. Dabei bekam der Begriff “Firstfeier” eine wortwörtliche Bedeutung: Sie blieben in luftiger Höhe für den traditionellen Umtrunk und genossen den Abend bei einer exklusiven Feier auf dem First des Kreuzgiebels.

Festtag für Zimmerer Kaspar Greber (l.) und Planer Ralph Broger, die das Bäumchen für die Firstfeier vorbereiten konnten.
Festtag für Zimmerer Kaspar Greber (l.) und Planer Ralph Broger, die das Bäumchen für die Firstfeier vorbereiten konnten.

Neubau statt Sanierung

Der Großteil der Handwerker und zahlreiche Festgäste blieben derweil auf dem Boden, während der Planer Ralph Broger, der das Projekt zusammen mit Zimmerer Kaspar Greber realisiert hat, die Gelegenheit nutzte, das Projekt Lebelle – eine Wortschöpfung aus “Leben im Ellenbogen” – ausführlich zu erläutern.

Der ostseitige Trakt wurde ein Stück verlängert, um mehr Wohnfläche lukrieren zu können. So wurden insgesamt 13 Wohnungen möglich.
Der ostseitige Trakt wurde ein Stück verlängert, um mehr Wohnfläche lukrieren zu können. So wurden insgesamt 13 Wohnungen möglich.

Ressourcenschonung im Fokus

“Wir sind ständig auf der Suche nach Objekten”, erklärt Broger, “die sich für eine Sanierung eignen und bei denen der Eigentümer offen für diese Lösung ist und Ressourcen geschont werden können.” Dieses Konzept wurde bereits vor einigen Jahren erfolgreich beim Projekt Komot umgesetzt, das knapp 300 Meter vom neuen Projekt entfernt liegt. Doch beim Lebelle stellte sich die Situation anders dar: “Das über 200 Jahre alte Haus befand sich in einem desolaten Zustand, und nach sorgfältiger Untersuchung kamen wir zu dem Schluss, dass eine Sanierung keinen Sinn ergibt.”

Fast ein Bilderrätsel: Auf den ersten Blick ist zwischen dem abgerissenen mehr als 200 Jahre alten Haus...
Fast ein Bilderrätsel: Auf den ersten Blick ist zwischen dem abgerissenen mehr als 200 Jahre alten Haus...

Dem Altbau nachempfunden

Dennoch lag das Hauptaugenmerk von Broger und Greber weiterhin auf der konsequenten Ressourcenschonung. Daher entschieden sie sich für den Abriss des Objekts und einen vollständigen Neubau, wobei der Holzbau eine zentrale Rolle spielte. Der Neubau wurde äußerlich dem ursprünglichen Gebäude nachempfunden, jedoch an moderne Standards angepasst.

...und dem Neubau kaum Unterschiede auszumachen. Genau hingeschaut: das neue Haus hat keine Kamine und ist gut einen Meter höher, um Raumhöhen anzupassen.
...und dem Neubau kaum Unterschiede auszumachen. Genau hingeschaut: das neue Haus hat keine Kamine und ist gut einen Meter höher, um Raumhöhen anzupassen.

“Bereits jetzt ist erkennbar”, erklärt Broger, “dass es kaum einen Unterschied zum ursprünglichen Gebäude geben wird. Wir haben den Neubau mit dem gleichen Grundriss geplant und auf der Ostseite um einen Flügel erweitert. Dadurch konnten wir das vorhandene Grundstück von rund 1400 Quadratmetern optimal nutzen und im neuen Gebäude 13 Wohnungen unterbringen – eine davon wird vom ehemaligen Besitzer bezogen, der zuletzt allein in dem großen Haus lebte.”

Mit vereinten Kräften wird der Firstbaum von den Zimmerleuten auf das Dach gehievt. Der traditionelle Brauch wird im Bregenzerwald hochgehalten.
Mit vereinten Kräften wird der Firstbaum von den Zimmerleuten auf das Dach gehievt. Der traditionelle Brauch wird im Bregenzerwald hochgehalten.

Mit allem Komfort ausgestattet

Der Neubau, ein Haus mit ausschließlich Eigentumswohnungen, wird im kommenden Jahr fertiggestellt und bietet gegenüber einer verworfenen Sanierung viele Vorteile in Bezug auf die ursprüngliche Struktur.

Auf dem Dach sind große Flächen für die Installation von Fotovoltaik- bzw. Solaranlagen ausgespart.
Auf dem Dach sind große Flächen für die Installation von Fotovoltaik- bzw. Solaranlagen ausgespart.

Das Gebäude konnte mit einer Tiefgarage unterkellert werden, und die Raumhöhen wurden an moderne Standards angepasst. Die Beheizung des Objekts erfolgt durch Nahwärme aus dem Bezauer Biomasse-Heizwerk. Im Betonkern des größtenteils aus Holz errichteten Gebäudes wurde ein Aufzug installiert. Auf dem Dach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 30 kWpic zur Stromversorgung sowie eine Solaranlage zur Warmwasseraufbereitung. Broger erklärt: “Alle ideal geneigten Dachflächen werden zur Energiegewinnung genutzt.” STP