Bodensee ist Vorbild zur Seerettung

Aktivisten vom Lago di Varese in Italien informierten sich in Hard und Lindau über Rettung der Seen.
Hard Das Wasser im Bodensee ist in erfreulich gutem Zustand. Das war nicht immer so, vor 50 Jahren drohte das Gewässer umzukippen. Wie die Anrainerstaaten den See gerettet haben, ist jetzt ein Vorbild für eine engagierte Initiative aus Italien. In der Provinz Lombardei ist der wunderschön gelegene Lago di Varese in Gefahr. Ein Verein und interessierte Jugendliche wollen den See retten.

An die 100.000 Menschen wohnen im Einzugsgebiet des italienischen Alpensees. „Das Wasser im Lago di Varese ist nach wie vor durch zivile Abwässer ziemlich verdreckt.“ Das schreibt Dorothea Ditz, die vor einigen Jahren den Verein „Save Lake Varese“ gegründet hat. Die engagierte Vereinspräsidentin stammt aus Tirol, lebt aber seit Jahrzehnten in Italien. Dass sie eine englische Bezeichnung für den Umweltverein gewählt hat, gibt Sinn: Sie hofft auf internationale Zusammenarbeit und den Austausch von Wissen sowie auf Unterstützung innerhalb der EU. „Bei den Verantwortlichen in unseren Kommunen finde ich kaum Gehör. Am Lago di Varese besteht zwar eine Kläranlage, die Technik ist allerdings hoffnungslos veraltet, die Wasserqualität wird immer schlechter, es gibt Badeverbote.“ Der Verein versucht mit Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen und Vorstößen, Politiker und andere Gruppen zu erreichen.

Eine der Initiativen ist ein Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler aus berufsbildenden Schulen mit technischem Schwerpunkt. Sie sind aufgefordert, konkrete Vorschläge auszuarbeiten, die dem gefährdeten See nützen könnten. Den Teilnehmern mit den drei besten Vorschlägen winkt als Belohnung eine Erlebnisreise nach Wien. Ende April stand für Interessierte eine Exkursion an den Bodensee auf dem Programm. 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besichtigten mit Begleitpersonen die Abwasserreinigungsanlagen in Lindau und in Hard. Was mit der Rettung des großen Bodensees mit seinen 536 km2 Fläche möglich gewesen ist, müsste doch für den wesentlich kleineren Lago di Varese (14,9 km2) ebenfalls zu schaffen sein. Darauf setzen die Vereinsmitglieder.

In Hard informierte Geschäftsführer Ing. Christian Kloser die Gäste aus Italien über die 1976 eröffnete ARA Hofsteig. Hier werden die Abwässer von rund 70.000 Personen der sieben Mitgliedsgemeinden sowie aus Industrie und Gewerbe (insgesamt 271.000 Einwohner) gereinigt. Dass sich die Bemühungen der drei Anrainerstaaten um den Bodensee auszahlen, beweist die Wasserqualität. Immerhin beziehen rund vier Millionen Menschen im Raum Stuttgart nach wie vor ihr Trinkwasser aus dem Bodensee. Christian Kloser zeigte sich vor der Gruppe aus der Lombardei verwundert darüber, dass ausgerechnet aus Italien Informationen zur Abwasserreinigung eingeholt werden, denn: „In Italien wird hervorragende Technik für diesen Einsatz gefertigt und verkauft.“

Wegen Regen war beim Besuch in Hard ein Lokalaugenschein der Klärbecken nicht gefragt, die Technik, das Labor und die Informationen stießen allerdings auf Interesse. Die ARA Hofsteig in Hard erzielt einen besonders hohen Wirkungsgrad, dazu kommt die Eigenproduktion von rund 70 Prozent des benötigten Stromes durch Gas aus der Klärschlamm-Faulung und Photovoltaik. Ziel ist, durch zusätzliche Investitionen energieautonom zu werden. AJK