Schokolade – eines Dorfpfarrers süße Leidenschaft

Heimat / 18.01.2023 • 14:06 Uhr
Die charmante Vianne (Ann-Kathrin Kramer) brüskiert mit der Eröffnung ihrer Chocolaterie den Dorfpfarrer Francis Renaud (Harald Krassnitzer). <span class="copyright">S. Nimmesgern</span>
Die charmante Vianne (Ann-Kathrin Kramer) brüskiert mit der Eröffnung ihrer Chocolaterie den Dorfpfarrer Francis Renaud (Harald Krassnitzer). S. Nimmesgern

„Applaus“ mit dem Schauspielerehepaar Harald Krassnitzer/Ann-Kathrin Kramer amBach.

GÖTZIS Die stets gut besuchte Gastspielreihe „Applaus“ 2022/23 endete kürzlich mit dem beliebten österreichischen TV-Star Harald Krassnitzer und seiner Gattin.  Auf dem Programm stand „Chocolat“, ursprünglich ein Roman der Engländerin Joanne Harris. Sie ist eine Vielschreiberin in allen Sparten bis zum Kochbuch. Ihren größten Erfolg hatte sie mit der Hollywood-Verfilmung von „Chocolat“ mit den Spitzenstars Juliette Binoche und Johnny Depp (1999).  Roman und Film berühren auch ernste Themen wie die sogenannte Misogynie (Frauenfeindlichkeit) und die Ausländerproblematik.  Der Schöpfer der deutschen Bühnenfassung, Martin Mühleis, zeichnet die Figuren weicher.

Grundverschieden

Der Dorfpfarrer Francis Reynaud (Harald Krassnitzer) und die lebenstüchtige Frau Vianne Rocher  (Ann-Kathrin Kramer) besitzen einfach zwei grundverschiedene Lebenshaltungen, die einander nicht verstehen können und deshalb in einen amüsanten Dialog geraten („Chocolat“ wurde zum Lesestück). Der Dorfpfarrer wird wohl zur komischen Figur, wenn seine Schwäche nur Schokolade, Pralinen, Bonbons etc. sind und er anscheinend außer den „süßen“ Düften, die aus der Konditorei zur Kirche her strömen, fast nichts anderes im Kopf hat. Der Kontrast ist Vianne, eine schöne alleinerziehende aus dem Ausland kommende Mutter mit unehelicher Tochter, die sich um fremde Musiker kümmert, erfolgreich ihre Feinbäckerei betreibt, mutig und klug das Leben meistert.  In solch einer toughen, sündigen Frau kann der stockkonservative, schokoladehörige Pfarrer natürlich nur das Böse in natura sehen; ja, er gebietet seinen Schäfchen sogar, den Genüssen im Schokoladentempel auszuweichen. Der Dialog (teils mit Manuskript) der beiden klangschönen, sonoren Stimmen gipfelt schließlich in einem ariosen „Mea culpa“ des Pfarrers. Ein Tänzchen zum Schluss lässt die Vermutung aber offen, dass das Paar noch gemeinsam „Chocolat“ genießen wird. Die internationale Musikgruppe „Les Manouches du Tannes“ bot wohltuende Zwischenspiele. Regisseur und Bearbeiter Martin Mühleis hätte der stets selben Abfolge der Dialoge eine bessere Bühnenpräsenz durch Abwechslung verpassen können. SCH