Stadel in Höchst darf höher werden

Anrainerbeschwerde gegen Ausnahmegenehmigung zu Neubau auf Bauernhof.
HÖCHST Die Familie Stefanie und Armin Blum in Höchst darf ein geplantes neues Wirtschaftsgebäude mit Stall und Heustock auf dem Hofgelände an der Lettenstraße errichten. Die Gemeindevertretung genehmigte jüngst den Antrag, die Baunutzungszahl deutlich zu erhöhen. Anrainer hatten zuvor Einspruch erhoben.
Als der Bauernhof vor etwa 100 Jahren errichtet worden war, gab es in diesem Ortsteil von Höchst keine Nachbarn. Inzwischen ist das Gebiet allerdings sehr beliebt, erst 2013 haben direkt neben dem Blum-Hof weitere Anrainer gebaut. Trotz Aufklärung bei den Bauverhandlungen über den Betrieb des Bauernhofs gab es bald Proteste, etwa wegen eines zu lauten Gebläses zur Heutrocknung.
Im Vorjahr fand dann die Bauverhandlung für das neue Wirtschaftsgebäude statt, das etwa 3,5 Stockwerke hoch werden soll. Der Neubau ersetzt ein altes, verwinkeltes und niedrigeres Objekt. Die Bauersfamilie hält Kälber und Rinder, Ziegen und Schweine. Stefanie Blum hat zudem Erfolge als Züchterin der raren Barockesel, Sohn Gabriel hat etliche Hühner und einen Hahn. Für diesen Tierbestand entsteht oberhalb der Ställe ein Heulager.
Die Familie baut aber vor allem auf Äckern in der Umgebung Kartoffeln, Zwiebeln, Salat, Kraut und Kohlrabi an, die über den Hofladen verkauft werden. Weil manches Gemüse nach dem Ernten ebenfalls per Lüfter getrocknet werden muss, gab es ebenfalls schon Anrainer-Reklamationen. Bei der Bauverhandlung im Vorjahr stellte sich heraus, dass die Gemeinde für den Bereich um die Lettenstraße eine Baunutzungszahl (BNZ) von 47 erlassen hat. Die BNZ gibt das Verhältnis von Gesamtgeschoßfläche zur Nettogrundfläche an. Das vorgesehene Wirtschaftsgebäude überschreitet diese Zahl. Allerdings sind beispielsweise für Landwirtschaftsnutzung Ausnahmen möglich. Deshalb empfahl der Raumplanungsausschuss der Gemeindevertretung einstimmig, die Ausnahme von der BNZ auf 73 zu genehmigen.
Klare Mehrheit
Zwei Höchster Mandatare zeigten bei der jüngsten Gemeindevertretungssitzung zwar Verständnis für den Bedarf, wollten aber grundsätzlich keine Ausnahmen zulassen und stimmten gegen den Antrag. Mit 25 Ja-Stimmen wurde dem Antrag schließlich aber die Zustimmung mit klarer Mehrheit erteilt. Via Social Media lancierten daraufhin acht Anrainer einen offenen Brief an die Gemeindevertretung als „öffentliche Beschwerde“. Darin werden sowohl die Höhe des Stadels als auch die angeblich zu erwartenden Belästigungen durch die Heutrocknung abgelehnt. Die Bauersfamilie wartet jetzt noch die Einspruchsfrist ab, dann soll mit dem Bau begonnen werden. Die Wände der vorhandenen Ställe bleiben stehen, der Stadelaufbau wird in Holz ausgeführt. AJK
