Wo im Walgau ein neuer Begegnungsort entsteht

Der Wollaschopf in Nenzing wird mit dem allerhand-Markt bespielt.
NENZING Dass der sogenannte Wollaschopf in Nenzing nach rund vierzig Jahren erstmals wieder bespielt wird, liegt vor allem an Thomas Hechenberger, Redakteur und Inhaber des Magazins allerhand: „Wir haben letztes Jahr zum ersten Mal unseren allerhand-Markt im Hirschengarten in Bludenz durchgeführt. Nicht zuletzt durch den Standort war unser Markt ein großartiger Erfolg. Nun haben wir im Walgau nach einer geeigneten Lokalität für den diesjährigen Markt gesucht.“ Bei der Suche fiel ihm der Wollaschopf in Nenzing auf, der sich im Besitz der Firma Getzner Textil AG befindet. „Ich habe sodann mit CEO Markus Comploj gesprochen, der von der Idee, das brachliegende Gebäude längerfristig einer kulturellen Nutzung zuzuführen, sofort begeistert war“, berichtet Thomas Hechenberger. Und auch Bürgermeister Florian Kasseroler zeigte großes Interesse an diesem zukunftsträchtigen Projekt mitten in Nenzing.
Historische Bedeutung
Die Firma Getzner Textil AG war in Nenzing schon früh präsent. So wurde 1831 die Obere Fabrik nach den Plänen des Winterthurer Architekten Heinrich Rieter gebaut, der Abbruch erfolgte 1986. Heute stehen an dieser Stelle die Ortsverbauung und der Ramschwagsaal. 1880 erfolgte der Baubeginn der Unteren Spinnerei nach Plänen des Architekten Hilarius Knobel aus Glarus, zur Stilllegung kam es 1983. Heute befindet sich der Gewerbepark Walgau dort.
In dieser Zeit entstand auch das Baumwolllager. Dort wurden die aus aller Welt angelieferten Baumwollballen gelagert und bei Bedarf zur Verarbeitung in die Spinnerei transportiert. Um Preisschwankungen der Baumwolle und Lieferverzögerungen abzufedern, wurden große Mengen vorgehalten, um Produktionsausfälle zu vermeiden.
Seit der Stilllegung der Unteren Spinnerei in Nenzing wurde das Baumwolllager als Lagerhalle für die Getzner Textil AG und die betriebseigenen Kraftwerke verwendet. Anfang dieses Jahres wurden die Räumlichkeiten komplett ausgeräumt. Dieses ehrwürdige, im Zentrum von Nenzing stehende Gebäude soll nun für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden. Die Auftakt-Veranstaltung bietet der allerhand-Markt vom 11. bis 12. Juni.

Spielwiese für kreative Menschen
„Dieser circa 150 Jahre alte, im Herzen des Walgaus liegende Industriebau ist ein Teil der Geschichte der Firma Getzner und der Gemeinde Nenzing.
Die ansprechende Architektur und das eindrückliche Ambiente sollen zukünftig ein kultureller Treffpunkt der Bevölkerung unserer schönen Region werden. Vorerst sollen ohne große Anpassungen die Möglichkeiten der Nutzung ermittelt werden. In enger Abstimmung mit der Gemeinde Nenzing und unter Einbindung der Bevölkerung sowie den ansässigen Vereinen des Walgaus soll dieser Veranstaltungsort entstehen“, zeigt sich Markus Comploj begeistert.
Bereits am 25. Juni findet eine weitere Veranstaltung statt, nämlich ein Konzert der Big Band der Musikschule Walgau. „Wir gründen derzeit den Verein Wollaschopf Nenzing“, erklärt Thomas Hechenberger. Die Räumlichkeiten und auch der Vorplatz sollen allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden, die der Region etwas Gutes tun wollen. Dabei liegt der Fokus auf eher kleinen, feinen Veranstaltungen. „Es soll eine Spielwiese für alle kreativen Menschen werden“, sagt Thomas Hechenberger.
Die Räumlichkeiten bieten sich für Workshops von Künstlern, als Treffpunkt für Vereine, Ausstellungsflächen, für Konzerte und noch vieles mehr an. Sowohl Thomas Hechenberger, Markus Comploj als auch Florian Kasseroler sehen viele potenzielle Nutzungsmöglichkeiten für das historische Gebäude und der idyllische Vorplatz bietet weitere Expansionsmöglichkeiten.
Beim allerhand-Markt an diesem Wochenende sind ebenfalls kreative und innovative Menschen aus dem ganzen Walgau mit ihren selbst gemachten Produkten präsent – vom Gin-Brenner, über einen Korbflechter, Taschen-Schneiderinnen, der Schule für globales Lernen bis hin zur Kunst von ARTquer. Insgesamt sind dreißig Aussteller vor Ort. Auch die VN-Bäckerin Alexandra Frick hat einen eigenen Stand. Am Samstag findet ein Preisjassen statt. Und am Sonntag laden um 15 Uhr eine Musical-Aufführung des Montessori Zentrums Oberland sowie mittags die berühmten „Küttele“ des früheren Wirts des ehemaligen Nenzinger Gasthofs Gamperdona, Gerhard Marte, zum Verweilen ein. Die Besucher haben zudem die Möglichkeit, kostenlos mit Bus und Bahn anzureisen. BI