„Unternehmen suchen keine Lebensläufe“

Martin Saler hat als Lehrling begonnen und ist nun Managing Director bei der Firma Liebherr.
NENZING Als Lehrlingssprecher der Vorarlberger Industrie setzt sich Martin Saler intensiv für den Berufsnachwuchs ein. Mit Motivation und Willen können Lehrlinge steile Karriere machen. Er selbst ist das beste Beispiel dafür.
Die Funktion des Lehrlingssprechers der Vorarlberger Industrie wurde heuer neu geschaffen. Worin sehen Sie Ihre Aufgabe und was wollen Sie den jungen Menschen vermitteln?
Saler Als Lehrlingssprecher möchte ich mich für die in der Industrie relevanten Lehrlingsthemen im Land Vorarlberg einsetzen und diese weiter vorantreiben. Dabei liegt der Fokus auf der strategischen Weiterentwicklung der Lehre und der Förderung der Qualität der Fachkräfteausbildung in der Vorarlberger Industrie. Ich möchte vermitteln, dass die Lehre das Erfolgsmodell für eine sichere und chancenreiche Zukunft ist. Zudem schützt Ausbildung vor Arbeitslosigkeit. So unterstützt die Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie (V.E.M.) mit dem sogenannten „Technikland Lehrlingsbonus+ 2020“ finanziell die Sparte Gewerbe- und Handwerk für jeden zusätzlichen Lehrling, der im Jahr 2020/21 eingestellt wird.
Welche Maßnahmen werden dafür gesetzt?
Saler Damit wir den hohen Standard halten können und weiterhin kompetente Fachkräfte haben, beschäftigen wir uns unter anderem mit der Digitalisierung der Lehrausbildung, Anpassung der Lehrinhalte (neue Berufe), Lehre und Matura (in beide Richtungen), junge Frauen und Technik, frühzeitige Talenteförderung (Code4Talents, Lego Mindstorms etc.) oder der Initiative Lehre & Universität, um nur einige Projekte zu nennen.
Herr Saler, Sie haben selbst einst mit einer Lehre als Anlagenelektriker bei den Vorarlberger Zementwerken in Lorüns begonnen. Was hat Sie damals bewogen, eine Lehre zu beginnen?
Saler Das war nach Absolvieren der Pflichtschule das klassische „jetzt will i schaffa goh“. Weitere Beweggründe für die Lehrausbildung waren meine Technikbegeisterung, das Erleben wie ein Unternehmen funktioniert, mein eigenes Geld zu verdienen und natürlich weiter zu lernen mit viel Praxisbezug. Später reifte dann mein Wunsch nach einer weiteren Ausbildung, einem Studium und anderen berufsbildenden Möglichkeiten. Nach der Lehre ging es an die HTL-Rankweil, anschließend an die FH-Hagenberg (Software Engineering) und dann wieder zurück ins Ländle. Aus meiner eigenen Lehrausbildung nehme ich viele Erfahrungen mit: sowohl das eigenständige Arbeiten wie auch die Arbeit im Team. Verantwortung zu übernehmen, Dinge kritisch zu hinterfragen und diese dann gegebenenfalls auch umzusetzen. All dies und noch vieles mehr sind wichtige Teile der Lehrausbildung.
Ist es heute einfacher oder schwieriger, sich von einer Lehre bis zur Führungskraft „hochzuarbeiten“?
Saler Alles ist möglich! Unternehmen suchen keine Lebensläufe, sondern motivierte Talente. Eine starke Persönlichkeit mit dem Willen zum Erfolg ist für das Weiterkommen maßgeblich. Ich kann nicht sagen, ob es heute einfacher oder schwieriger ist. Wenn aber jemand seinen Job gerne macht, andere Menschen begeistern kann und gewillt ist Entscheidungen zu treffen, dann sind das schon sehr gute Voraussetzungen für eine Führungskraft.