„Dornbirn soll wieder Gartenstadt werden“

Ingrid Benedikt ist eine Dornbirner Ökopionierin.
Dornbirn Die Umweltaktivistin seit Jahrzehnten, Mit-Gründerin der Umweltwoche und als Ökopionierin mit dem VN-Klimaschutzpreis ausgezeichnete Ingrid Benedikt möchte, dass Dornbirn „wieder eine Gartenstadt wird“ und nicht nur so genannt wird. Gemeinsam mit dem Team des Obst- und Gartenbauvereins von Sigi Wohlgenannt hat Ingrid Gartenprojekte. „Mein persönlicher Kurs heißt ,Frühlingsbrunch‘, dieser findet in der Umweltwoche am 6. Juni statt. Da möchte ich zeigen, wie ohne großen Aufwand ein köstliches Buffet aus den Schätzen des Gartens zubereitet werden kann.“
Pflanzentauschkaffee
Privat organisiert die Grünen-Stadtvertreterin schon seit Jahrzehnten immer Ende April einen privaten Pflanzentauschkaffee im Garten. „Da kommen Interessierte mit ihren Gartenschätzen, wie Setzlingen, Stauden, Zwiebeln usw.“ Bei Gesprächen werden Erfahrungen ausgetauscht, ebenso wie beim Hatler Pflanzentreff der Dornbirner Grünen Anfang Mai und wie am „Tag der offenen Gartentür“ am 19. Juni, der vom Landes-OGV organisiert wird.
Eine erfolgreiche und sehr schöne Geschichte sei die Essbare Stadt. Da habe der Kulturhauspark sehr an Attraktivität und Leben gewonnen. „Auch der Gemeinschaftsgarten in der Niederbahn von der Stadt Dornbirn ist eine wunderbare Gelegenheit für Menschen, die keinen eigenen Garten zu Hause haben.“
Bänke und Blumentröge
„Politisch finde ich, dass die Stadt viel mehr wieder eine Gartenstadt werden sollte. Mir fehlt eine öffentliche Möblierung in der Stadt, wie Hocker und Bänke mit Blumentrögen, für ein buntes Stadtbild“, sagt Ingrid Benedikt. Einmal gab es Palettengärten von Schulklassen – jetzt nicht mehr, das sei schade, bedauert sie. „Solch wunderbare Möglichkeiten sollten im Sinne der Nachhaltigkeit dauerhaft sein.“ Auch wenn es Ansätze seitens der Stadt mit Stadtgärtner Andreas Dür gibt, im Sinne des Klimawandels wünscht sie sich, dass er noch mehr Unterstützung stadtintern bekommt.
Gerade im Schulbezirk in der Innenstadt hätten sich Schüler geäußert, dass diese Gegend nicht wirklich einladend und attraktiv sei: zu viel achtlos weggeworfener Müll, zu wenig geeignete Sitzmöglichkeiten, zu wenig Blumen und Pflanzen, am Abend und in der Nacht zu düster. „In einem Workshop schlugen sie vor, Blumentröge und Abfalleimer zu bauen, dass von der Stadt Bewegungsmelder installiert werden sollen usw. Und wenn ich mir etwas wünschen könnte, wäre das ein Café oder Restaurant im ehemaligen Kulturhaus-Restaurant.“
Viele offene Kühlschränke
Im Oktober 2018 startete Ingrid Benedikt das Projekt „Offener Kühlschrank“ in der Stadtbücherei Dornbirn. „Unter dem Motto ,bring und nimm‘ kann man abgelaufene Lebensmittel, die noch zum Verzehr geeignet sind, Ernteüberschüsse, kulinarische Geschenke, die man nicht mag, zu viel Eingekauftes, usw. im offenen Kühlschrank abgeben. Irgendjemand kommt und holt sich etwas“, erläutert Ingrid Benedikt.
In vielen Gemeinden
„Der offene Kühlschrank ist in erster Linie ein Umweltprojekt, damit Menschen, die die Lebensmittel wirklich brauchen, nicht das Gefühl haben, auf diese Almosen angewiesen zu sein.“ Es gehe darum, dass Lebensmittel nicht weggeworfen werden müssen und es gibt eine enge Kooperation mit Tischlein deck dich sowie kleineren Geschäften und Bäckereien.
„Mittlerweile ist das Projekt so erfolgreich, dass es neben Dornbirn auch in Bludenz, Bregenz, Egg, Feldkirch, Götzis, Hohenems, Lochau und Mäder offene Kühlschränke gibt“, freut sich Benedikt. „Ständig kommen auch Anfragen von privaten Firmen oder Co-workings. Mittlerweile wurden circa 34.000 kg Lebensmittel gerettet.“ VD