Noch zwei Mal „Jedermann (stirbt)“
Lustenau Das Lustenauer Kultur-Festival „Hofkultur“ am Gutshof Heidensand geht dieses Wochenende zu Ende. Noch am heutigen Freitag, 27. und morgigen Samstag, 28. August, jeweils um 20.30 Uhr, führt das Vorarlberger Ensemble für unpopuläre Freizeitgestaltung (unpop) mit „Jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz eine zeitgemäße Neuinterpretation des Klassikers von Hugo von Hofmannsthal auf. Der reiche Kerl ist in dieser Version ein knallharter Geschäftsmann neoliberalen Zuschnitts, den es nicht anficht, dass draußen vor seinem fest umzäunten Garten das Chaos tobt, das Kriegsrecht ausgerufen und mit Toten zu rechnen ist.
Schicksalhafte Grenze
Während das Stück im Freiluft-Rondell des Gutshof Heidensand spielt (bei schlechtem Wetter im Lustenauer Freudenhaus), richtet die Künstlerin Margit Bartl-Frank ihren Blick auf das andere Ende des Heidensand-Areals: Im Zentrum ihrer Auseinandersetzung steht die Schweizer Grenze und deren Bedeutung während des 2. Weltkriegs. Wo heute idyllische Wanderwege verlaufen, versuchten ab 1938 Tausende jüdische Flüchtende ihr Leben zu retten und über die Grenze den Nazi-Schergen zu entkommen.
Margit Bartl-Frank hat ihre Recherche zum Thema inklusive Interviews mit damaligen Fluchthelferinnen und -helfern zu einer Video-Installation verarbeitet, die sie am Samstag und Sonntag am Heidensand zwischen 17 und 20.30 Uhr zeigen wird. Die Künstlerin wird an beiden Terminen vor Ort sein, am Sonntag ist zusätzlich ein historischer Spaziergang geplant, bei dem sie gemeinsam mit Eugene Quinn (Wiener Urbanist) und Peter Niedermair (Gründungsgeschäftsführer von „erinnern.at“) zum Rohr wandert, im Anschluss gibt es eine Diskussionsrunde am Heidensand.