Vor 124 Jahren wurde in Doren die einzige Landeskäsereischule der Monarchie eröffnet

Standort im Vorderwald war Wiege der Käsekultur in Österreich. Am Samstag endet die Ära.
Doren Am Samstag wird in der Alma Bergsennerei Huban in Doren zum letzten Mal Käse und Butter produziert. Der Grund: Trotz umfangreicher Investitionen sieht die Eigentümerin – die Firma Rupp – für den Traditionsbetrieb keine wirtschaftliche Zukunft mehr.
Lange Geschichte
Dabei blickt die Sennerei auf eine lange, spannende Geschichte zurück. Schließlich wurde sie bereits im Jahr 1900 gegründet und war seit 1901 die einzige k.u.k. Landeskäsereischule der Monarchie. Das bedeutete, dass alle Senner in die Vorderwald-Gemeinde kamen, um dort ihr Handwerk zu lernen. Der Grund, dass die Wahl auf Vorarlberg fiel, war, dass in Doren die Milchleistung und die Qualität über das ganze Jahr konstant war, was eine Voraussetzung für einen Lehrbetrieb war.

Die ersten zwölf Zöglinge begannen im November 1900 ihr erstes Lehrjahr. Die Schule wurde dann am 16. Juni 1901 von Erzherzog Eugen – in Vertretung für Kaiser Franz-Josef – persönlich eröffnet. Er reiste, wie das Archiv der Gemeinde preisgibt, mit der Pferdekutsche über den Flexenpass nach Doren. Mit dabei war auch der damalige Ackerbauminister, Baron Giovanelli.

Bis zum 1. Weltkrieg lernten konstant rund 30 Schüler in Doren ihr Handwerk. Danach wurde die Landeskäsereischule privatisiert. Käufer waren die Milchlieferanten von Huban. Am 23. Oktober 1923 fand die Gründung der Käsereigenossenschaft Huban-Doren statt.
Spannende 60er Jahre
Eine wichtige Zeit für die Sennerei Huban waren die 60er Jahre. So wurde der Beschluss gefasst, eine komplett neue Sennerei zu bauen. Zunächst wurde in eine Sennküche investiert, später in den Käsekeller sowie den Salzbadkeller. Weil es nach dem Bau der neuen Sennerei an Milch zur Verarbeitung fehlte, schlossen sich in Folge vier weitere kleinere Sennereien aus Doren und Krumbach an. 1975 wurde in Doren-Huban der erste Tankwagen gekauft, um das Einsammeln der Milch zu erleichtern.
Suche nach Investor
Seit 1997 war die Sennerei Huban Mitglied der „Käsestraße Bregenzerwald“. 2019 begab sich die Sennereigenossenschaft auf die Suche nach einem Investor beziehungsweise Miteigentümer. Denn es standen mehrere umfangreiche und teure Investitionen an. Ohne Partner stand damals auch das Ende des Produktionsstandortes im Raum.

Die Suche war letztlich erfolgreich. So wurde einstimmig beschlossen, den Betrieb und die Liegenschaft an die Privatkäserei Rupp zu verkaufen. Deren Bekenntnis: Doren-Huban solle der Leitbetrieb der zum Unternehmen gehörenden Alma-Bergsennereien werden. 2021 wurde das Gebäude einer umfassenden Generalsanierung unterzogen. Zuletzt wurden in Huban rund fünf Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet.

Mit dem Entschluss zur Schließung wird diese Milch der 22 Landwirte nun nach Feldkirch geliefert. Künftig sollen die Käsespezialitäten bei Vorarlberg Milch in Feldkirch hergestellt werden. Noch offen ist die künftige Nutzung des Gebäudes der Sennerei Huban.

“Es ist schade”
Das Ende der Sennerei stimmt Christine Lingenhel traurig. Die langjährige Ortsbäuerin von Doren und ehemalige Sennerei-Vorständin ist eng mit der Geschichte des Hauses verbunden. „Die Sennerei Huban ist die Wiege der Käsekultur Österreichs. Sie war sehr wichtig für den Ort und dessen Infrastruktur sowie auch als Arbeitgeber. Die Qualität des Kleinen, die hier hergestellt wurde, sieht man auch an den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen, die unser Käse über die Jahre erhalten hat.“