Flugzeug-Triebwerke und Stickmaschinen aus Arbon

8. arbon classic stellen historische Mobilität auch aus Hard in den Fokus.
arbon Nach coronabedingten Absagen in den vergangenen beiden Jahren lädt Arbon am Wochenende wieder zur 8. Arbon Classic, einer eindrucksvollen Schau der historischen Mobilität. Dazu haben die Saurer-Werke in Arbon einen wichtigen Beitrag geleistet, der heute im Arboner Saurer-Museum eindrucksvoll dokumentiert ist. Das Umfeld des Museums bot sich an, die Arbon Classic zu organisieren, die Samstag und Sonntag, jeweils von 9 bis 17 Uhr, geöffnet sind.
Vorarlberger Beitrag
Zur historischen Mobilität leistet Vorarlberg dazu mit der Historischen Schifffahrt Bodensee einen wichtigen Beitrag, denn MS Oesterreich und DS Hohentwiel werden classics-Besucher von Hard nach Arbon bringen.
Die Oesterreich startet am Samstag um 11.45 Uhr und am Sonntag um 11.30 Uhr, die Hohentwiel sticht am Sonntag, 13.20 Uhr, Richtung Arbon in See. Buchungen sind über das HSB-Büro möglich, zu den Öffnungszeiten, oder über welcome@hs-bodensee.eu bzw. www.hs-bodensee.eu.
Textiler Ländle-Bezug
Die heutige Saurer AG blickt auf eine atemberaubende Geschichte zurück und befasste sich nicht nur mit Mobilität. Der stärkste Bezug zu Vorarlberg ergab sich aus dem Geschäftszweig Stickmaschinen, die in Arbon produziert wurden. Gegründet wurde das Unternehmen 1853 von Franz Saurer als Eisengießerei für Haushaltswaren in St. Gallen. Nach dem Umzug nach Arbon (Thurgau) begann ab 1869 die Produktion von Stickmaschinen. Ab 1877 ergänzte Franz Saurers Bruder Hippolyt als Kaufmann das Unternehmen. Unter Adolph Saurer entwickelte sich Saurer zum größten Einzelunternehmen der Schweiz. Ende des 19. Jahrhunderts stieg Saurer in die Entwicklung und Produktion von Kraftfahrzeugen ein. Die Adolph Saurer AG in Arbon wurde der bedeutendste Schweizer Hersteller von mittleren und schweren Lastwagen und zeitweise auch von Auto- und Trolleybussen sowie Militärfahrzeugen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Arbon u. a. sogar Flugzeug-Triebwerke gebaut. Nach über 80 Jahren fiel die Entscheidung, aus dem Bau von Nutzfahrzeugen auszusteigen. 1983 wurde der letzte zivile Saurer ausgeliefert, 1987 erhielt die Schweizer Armee den letzten Saurer. Die Motoren-Forschungsabteilung von Saurer wurde um 1990 vom zur Fiat-Gruppe gehörenden italienischen Lastwagen-Hersteller Iveco übernommen.
Seit den 1990er-Jahren konzentriert sich Saurer als neue Saurer AG auf den Bau von Textilmaschinen und avancierte zu einem der weltgrößten Hersteller mit einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und fast 9000 Beschäftigten. Ein Drittel davon sind im später hinzugekommenen zweiten Geschäftszweig Fahrzeuggetriebe-Bau tätig.
Große Dampfwalzenschau
Bei den arbon classic steht die nostalgische Mobilität mit all ihren Facetten im Fokus. Sogar eine große Dampfwalzenschau steht auf dem Programm. Der Dampfwalzen Club Schweiz kommt mit mehreren historischen Dampfwalzen, die er sogar in Aktion zeigt, denn diese prächtigen Maschinen, mit Wasser gefüllt und mit Holz und Kohle beheizt, werden auf der Straße unterwegs sein.
Unterwegs nach Arbon sind auch Dampfsonderzüge auf der Seelinie. Unterwegs auf dem See sind neben Hohentwiel und Oesterreich auch das Kiesschiff Altenrhein, Baujahr 1910, das älteste betriebene Nutz-Schiff auf dem Bodensee. Dem nostalgischen Schiff droht der Schneidbrenner – eine Initiative zur Rettung ist bemüht, die erforderlichen Geldmittel aufzutreiben. An Land werden eine Reihe spezieller Fahrzeuge zu sehen sein – etwa die Feldbäckerei der Schweizer Armee, eine Armada von Lanz Bulldog, Raupenbagger oder fahrbare „Schwarzbrennereien“.
Der Verein arbon classics weist stolz darauf hin, dass „Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhundert Arbon ein bedeutendes Zentrum von technischen Entwicklungen vor allem im Bereich Straßenfahrzeuge war. So baute Karl Bleidorn 1895 das erste Motorrad der Schweiz und meldete es zum Patent an.“ Deshalb gehören Motorräder zu den wichtigsten Exponaten der Veranstaltung.
Innovationszentrum Bodensee
Eine wichtige Triebfeder für den Verein ist das Bemühen „wertvolles Kulturgut im Bewusstsein zu halten, denn die Region Bodensee ist geschaffen für eine Veranstaltung wie die arbon classics. Galt die Region doch über Jahrzehnte als technologisches Innovationszentrum Europas. Zeppelin, Saurer, FFA Flugzeugwerke Altenrhein, Maybach, Dornier und Rorschach und Romanshorn als Bahnknotenpunkte, Romanshorn-Friedrichshafen Bodensee-Trajekte der Eisenbahnfähren. Ausgehend von dieser Region verbreitete sich Antriebs- und Luftfahrtstechnik über die ganze Welt. Auch die textile Fertigungstechnik und viele technologische Innovationen gingen von der Bodenseeregion aus und die Wurzeln des Innovationen- und Gründergeistes sind noch heute in der Bevölkerung spürbar“, wie die Initiatoren betonen. STP