Dreistufenlandwirtschaft beeindruckt

HE_Brege / 25.08.2021 • 14:34 Uhr
Dreistufenlandwirtschaft beeindruckt

Zum Jubiläum ließen Sennalpen Bergwanderer hinter die Kulissen blicken.

Hittisau „Sprichwörtliche Gastlichkeit ist bei unseren Alpen selbstverständlich, heuer haben wir zum Jubiläum das Angebot durch zusätzliche Veranstaltungen noch wesentlich erweitert – und diese Bemühungen wurden zahlreich honoriert. Wir konnten vielen interessierten Bergwanderern einen Einblick in die Dreistufenlandwirtschaft geben“, freut sich KäseStraßen-Obmann Max Bereuter in einer ersten Bilanz am Ende des Alpsommers, der heuer wohl noch ein Stück verlängert werden kann. „Das Futterangebot ist durchwegs gut, es gibt auch – anders als in manch anderen Sommern – genügend Wasser, also werden unsere Älpler sicher länger oben bleiben, zumal es nach einem zähen und meist verspäteten Alpstart ja noch einiges nachzuholen gibt“, hofft der engagierte KäseStraßen-Chef auf einen guten Abschluss des Jubiläums, bei dem sich die Dreistufenlandwirtschaft eindrucksvoll präsentieren konnte.

Immaterielles Kulturerbe

Der Bedeutung der Dreistufenlandwirtschaft hat die UNESCO bekanntlich 2011 mit der Aufnahme in das nationale Verzeichnis Rechnung getragen, heuer wird somit das zehnjährige Jubiläum dieser Auszeichnung gefeiert – mit rund 100 Veranstaltungen auf den Sennalpen, die bis etwa Mitte September noch fortgesetzt werden.

700 Jahre Älplertradition

Bergwanderer können sich auf den Alpen nicht nur mit einer Älplerjause mit Spezialitäten aus eigener Produktion stärken, sie können auch viel Interessantes über die Älplertradition erfahren. Nicht nur über die täglichen Abläufe vom Melken über das Sennen bis zur Pflege der Laibe im Käsekeller, sondern auch über spannende Geschichten der Alpen.

Eine Geschichte, die auf der Alpe Hochleckach 700 Jahre zurückreicht, denn die über 1400 Meter hoch gelegene Alpe im Gemeindegebiet von Hittisau – der alpenreichsten Gemeinde Österreichs – wurde 1320 erstmals urkundlich als Alpe „Lecken“ erwähnt. Durch die exponierte Lage an der Grenze zu Deutschland spielte sie auch im Schmuggel eine bedeutende Rolle.

Fit für die Zukunft

„Daran“, so Bereuter, „denkt man schon lange nicht mehr. Heute präsentiert sich die Alpe fit für die Zukunft, nachdem in den 1990er- Jahren die Weichen neu gestellt wurden“, verweist der Fachmann auf die Entwicklung, die sich hier – auch bedingt durch den EU-Beitritt Österreichs – vollzogen hat.

Entwicklung seit 30 Jahren

Vor 30 Jahren wurde die Alpe durch einen autotauglichen Güterweg erschlossen, einige Jahre später das heutige Alpgebäude komplett neu erstellt. Die Familie Franz und Irma Winder, die von Sohn Jürgen unterstützt wird, hat die Alpe zunächst einige Jahre gepachtet und schließlich 2001 gekauft. Heute werden auf der rund 45 Hektar großen Alpe 42 Milchkühe, 20 Stück Jungvieh, etwa zwei Dutzend Schweine, drei Ziegen und ein Pferd gesömmert. Rund 60.000 Liter Milch bilden die Grundlage für mehr als 200 Käselaibe, die jeden Sommer produziert werden. In einer perfekt ausgeklügelten Sennküche, in der zwei Sennkessel stehen. „Wenn im Frühjahr viel Milch anfällt, wird in beiden Kesseln gesennt, wenn die Milch weniger wird, genügt der große Kessel“, erläutert Franz Winder die auf die Milchmenge abgestimmte Käseproduktion.

Rund 50 Gäste beim „Alptag“

Anlässlich des Beitrags zum Jubiläum konnten die Winders rund 50 Gäste auf ihrer Alpe begrüßen. „Ein schöner Erfolg, wenn man berücksichtigt, dass wir keine Mega-Events, sondern bewusst einfache ,Alptage‘ organisierten“, so Bereuter. Ganz persönliche „Alptage“ erleben den ganzen Sommer über immer wieder Bergwanderer, die vor einem großartigen Bergpanorama Station machen, um nicht nur die Berglandschaft, sondern auch eine einfache, aber gesunde Jause zu genießen – wie es zwei wanderlustige Gäste taten, die gleichzeitig mit der VN-Heimat hier Station machten. Die beiden Frauen aus Ulm machen Urlaub in Balderschwang und hatten sich für diesen Sommertag eine ganztägige Wanderung „über die Alpen“ ausgesucht. Die Jause genossen sie weder in der gemütlichen Stube noch im für Wälderhäuser typischen Schopf, sondern auf der rustikalen Holzbank. „Wegen der großartigen Aussicht…“, meinten sie und ließen sich den Älplerteller schmecken. STP

Max Bereuter: Jürgen, Irma und Franz Winder bewirtschaften eine echte Vorzeigealpe der KäseStraße.
Max Bereuter: Jürgen, Irma und Franz Winder bewirtschaften eine echte Vorzeigealpe der KäseStraße.
Max Bereuter: Jürgen, Irma und Franz Winder bewirtschaften eine echte Vorzeigealpe der KäseStraße.
Max Bereuter: Jürgen, Irma und Franz Winder bewirtschaften eine echte Vorzeigealpe der KäseStraße.
Kühen und Ziegen ging es in diesem Sommer auf Alpen ausgesprochen gut. stp/4

Auf unterschiedliche Milchmengen abgestimmt: zwei Sennkessel.