Wie Schüler das Homelearning gut meistern

Verbesserte Selbstorganisation und Erweiterung der EDV-Kenntnisse sind Hauptplus beim „Daheimlernen“.
FORSCHUNG Ein Forschungsteam der Fakultät für Psychologie der Universität Wien befragte insgesamt 8349 Schüler und Schülerinnen zwischen 10 und 19 Jahren, wie sie mit der derzeitigen Situation und dem Homelearning zurechtkommen, welche Herausforderungen damit verbunden sind, aber auch, ob sich dadurch neue Lernwege auftun. Die Befragten gaben an, sich durchschnittlich fünf Stunden pro Tag mit schulbezogenen Aktivitäten zu befassen. Während die Hälfte dafür zwischen dreieinhalb und sechs Stunden aufbringt, verbringt immerhin ein Viertel der Befragten weniger als dreieinhalb Stunden mit Schulaufgaben. 16 Prozent der befragten Schüler und Schülerinnen geben an, hierfür keinen eigenen Computer, Laptop oder Tablet zur Verfügung zu haben, jeder Fünfte erhält in der Familie keine Unterstützung beim Lernen, wenn er es benötigt.
Herausfordernde Situation
Was die Organisation des Lernens betrifft, stimmen 70 Prozent der Aussage zu, sich beim Lernen einen Plan über zu erledigende Aufgaben zu machen. Auf die Frage, was beim Lernen derzeit besonders schwierig sei, nennen die Schüler überwiegend die selbstständige Auseinandersetzung mit den Aufgabenstellungen. Es ist für sie herausfordernd, keine mündlichen Instruktionen zu erhalten und nur eingeschränkt nachfragen zu können. Schwierig ist auch die selbstständige Strukturierung des Lernens, sich die Zeit einzuteilen und die Aufgabenpakete sinnvoll über die verfügbare Zeit zu verteilen.
Andererseits sprechen auch viele von Verbesserung ihrer Selbstorganisation. Auch EDV-Kenntnisse werden in der jetzigen Situation erweitert. Welche Unterstützung brauchen die Schüler beim Lernen von zu Hause aus? Insgesamt fühlen sich die Befragten von ihren Lehrpersonen gut unterstützt. Nur drei Prozent wissen nicht, wie sie Lehrpersonen bei Fragen erreichen können. Auf die Frage, welche weitere Unterstützung hilfreich wäre, antworten sie besonders häufig, sich schnelleres Feedback auf Aufgaben zu wünschen. Weitere wichtige Bedürfnisse sind Hilfestellung bei der Strukturierung des Lernalltags und Unterstützung im Umgang mit dem Computer. Eine Lösung wäre es, sämtliches E-Learning einheitlich auf derselben Lernplattform zu organisieren.
80 Prozent sind optimistisch
Etwa zwei Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen fühlen sich trotz der aktuellen Umstände derzeit wohl. Etwa 80 Prozent sind auch trotz der schwierigen Situation optimistisch für die Zukunft. Allerdings gibt es eine Risikogruppe von etwa sechs Prozent der Befragten mit niedrigem Wohlbefinden. Diese Risikogruppe fühlt sich wenig sozial eingebunden und beschreibt sich als wenig erfolgreich in der Bewältigung der schulischen Anforderungen im Homelearning. Vorsichtig hochgerechnet, unter Einbeziehung einer möglichen Unterschätzung der Risikogruppe, wäre dies die Situation für zumindest 45.000 Schüler in Österreich. Etwa sieben Prozent der Befragten geben gröbere Probleme bei der Bewältigung der schulischen Anforderungen im Homelearning an. Beim Lernen haben sie insbesondere Schwierigkeiten, ihr Lernen selbstständig zu organisieren.