Der Zwei-Länder-Marathon war ein Solo für Martin

Mit Absage der Traditionsveranstaltung am See wollte sich ein Hobbysportler nicht abfinden.
Hörbranz, Lindau Seit Jahren ist der Lindauer Martin Schütz ein leidenschaftlicher Ausdauersportler – die Krone dieser Sportart ist unbestritten der klassische Marathon und pro Jahr ist er bei zwei oder drei derartigen Veranstaltungen am Start, insgesamt zwei Dutzend hat der 49-jährige Leiter der Betriebssportgruppe der Frastanzer Firma Rondo in den vergangenen zwölf Jahren schon absolviert. Ohne Ambitionen auf läuferische Spitzenleistung, für ihn zählt das Ankommen und das Erlebnis – und das mit den Marathons verbundene Kennenlernen faszinierender Städte in der ganzen Welt. Berlin hatte es ihm besonders angetan – einmal wollte er dort den Klassiker laufen und 2003 begann er mit den Vorbereitungen darauf. 2007 fühlte er sich dann dazu bereit und lief bei seiner Premiere eine beachtliche Zeit. Bald steigerte er sich in Wien auf 3:56 Stunden – seine persönliche Bestmarke. Auf seiner Liste stehen insgesamt 24 Marathons – u. a. in New York, Spitzbergen, Chicago oder Alaska. Und er hat alle beendet – auch einen ganz speziellen, den Zwei-Länder-Marathon zwischen Lindau und Hohenweiler, den er nur für sich organisierte.
Ein einziger Teilnehmer
Die Planungen für das heurige Marathon-Jahr waren erstellt, das Training auf geplante Events abgestimmt, Hunderte Trainingskilometer hatte er dafür schon in den Beinen. Doch Veranstaltung um Veranstaltung wurde abgesagt – auch der Heim-Marathon von Lindau über zwei Landesgrenzen via St. Margrethen nach Bregenz. „Jetzt reicht’s“, sagte sich der Hobbyläufer und plante seinen eigenen exklusiven Event. Er plante einen Weltrekord für die Ewigkeit – einen Marathon mit ihm als einzigen Starter, weniger geht nicht mehr, also kann er nie mehr übertroffen werden . . .
Und weil es auch ein wenig international sein sollte, sich andererseits in Corona-Zeiten mit den Grenzübertritten im Voraus schlecht planen ließ, verzichtete er im Gegensatz zum Drei-Länder-Marathon auf eine Teilstrecke in der Schweiz und beschränkte sich auf zwei Länder. Die Strecke wurde ausgemessen – von seinem Wohnort Lindau über Hohenweiler, rund um die Kirche und wieder an den Ausgangspunkt zurück. Und das zweimal – doch da fehlte noch ein gutes Stück auf die 42,195 Kilometer. Martin behalf sich mit einigen „Aufwärmrunden“ in Lindau, um die volle Strecke zusammen zu bekommen . . .
Erschwerte Bedingungen
Auch wenn es der Wettergott nicht besonders gut mit dem einsamen Läufer meinte, er trotzte den erschwerten Bedingungen. Kühle fünf Grad zeigte das Thermometer beim Start um 8.45 Uhr an und kam während des Rennens kaum in den zweistelligen Bereich, erst im Finale kam dann doch noch ein wenig Sonne durch und machte das Ganze etwas angenehmer. Sparsam war – coronabedingt – auch die Betreuung, auf deutscher Seite kümmerte sich seine Frau Kerstin um die Verpflegung, auf Begleitung über die Grenze musste verzichtet werden, deshalb wurde er in Hohenweiler von seiner Rondo-Arbeitskollegin Ursula erwartet, die seine Trinkflaschen tauschte und ihn zudem mit Getränk und Vitaminen versorgte. Bei der zweiten Runde warteten an der Verpflegsstation zudem eine Handvoll Fans, die sich spontan zusammengefunden hatten und ihn lautstark anspornten, ansonsten war er auf den 42,195 Kilometern auf sich allein gestellt und musste sich immer wieder aufs Neue selbst motivieren . . .
Physisch wie psychisch meisterte er die Strecke ohne jegliche Probleme und nach 4:33.44 Stunden („Für mich eine sehr gute Marke, wenn man berücksichtigt, dass
es rund 600 Höhenmeter zu bewältigen gab.“) klickten die Kameras für das Zielfoto und seine Gattin überraschte ihn mit einer eigens gefertigten Siegermedaille – Bestätigung für einen Rekord, den ihm niemand mehr nehmen kann: den ersten Solo-Marathon durch zwei Länder in der Leichtathletik-Geschichte. STP
