Fehlende Kapazitäten und steigende Kosten

So wird das nichts: Sanierungsrate im Gebäudebestand rückläufig niedrig.
Teuer Bis 2040 will Österreich klimaneutral sein. In Sachen Neubau ist das nicht wirklich ein Problem. Doch was ist mit dem Gebäudebestand, der in den kommenden Jahren klimafit gemacht werden muss? Den Besitzern der Immobilie steht also eine thermische Sanierung ins Haus, das Heizsystem muss in vielen Gebäuden außerdem von Öl und Gas in Richtung Wärmepumpe, Pelletofen, etc. gehen. Doch die Kosten steigen Jahr für Jahr ins Unermessliche und Experten sehen die Eigentümer völlig überfordert. Kein Wunder, dass die Sanierungsrate in Österreich zu niedrig ist, um das bis 2040 überhaupt zu schaffen.
Angst als Bremse
Eines der größten und unterschätztesten Probleme ist der Spagat zwischen Bezahlbarkeit des Wohnens und Energieeffizienz. Durch die inflationsbedingte Teuerung und die Angst vor steigenden Zinsen wollen viele Eigentümer das Wagnis Geldausgeben nicht eingehen. Auch nicht für die Sanierung der eigenen Immobile. Weiters schweben drohende Mieterhöhungen wie ein Damoklesschwert über den Bewohnern. Denn klar ist: Würde man ältere Gebäude bis auf den energieeffizienten Status sanieren, könnten die Mieten ins Unerträgliche steigen. Und wer soll das denn bezahlen?
Fehlende Kapazitäten
In der Vergangenheit hat es diesbezüglich schon einmal besser ausgeschaut: 2010 wurden noch 40.000 umfassende Sanierungen gefördert, 2018 waren es nur noch 13.000. Geförderte Einzelmaßnahmen – etwa der Austausch von Heizsystemen – steigen zwar aktuell wieder, aber rasche Lösungen sind schwierig. Denn es fehlen Mitarbeiter, Anlagen und Material. Weiters verzichten immer mehr Eigentümer auf die Förderung. Die Anzahl der umfassenden Sanierungen hat sich inzwischen von jährlich 8000 auf zuletzt 4000 reduziert. Allerdings hat sich die Sanierung einzelner Bauteile positiv entwickelt, etwa beim Kessel- und Fenstertausch. Die bislang erfolgreichste Phase der Dekarbonisierung des Gebäudesektors in Österreich gab es laut Studie in den Jahren 2005 bis 2012. In dem Zeitraum wurden Treibhausgasemissionen um ein Drittel reduziert. Zwischen 2012 und 2019 gab es dann nur noch eine Reduktion von sechs Prozent. Und: Für das Jahr 2021 schließt Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen, auch eine Steigerung der Emissionen und damit eine Überschreitung der gesetzlichen Vorgaben des Klimaschutzgesetzes nicht aus.
Mehr Förderungen
Zusammengefasst lag die Sanierungsrate 2020 knapp über 1,5 Prozent des Bestands, sie stagniert damit seit 2015, berichtete Amann. Seine Zielvorgabe bis 2025 sind 2,5 Prozent, um bis 2040 den Bestand komplett durchzusanieren. Besonders hoch ist der Bedarf bei Gemeindewohnungen, privaten Mietwohnungen, aber auch Eigenheimen. Dieses Ziel will die Politik mit noch mehr Förderungen erreichen: Schon für 2021/22 wurden die Budgetmittel für den Sanierungsscheck und den „Raus aus Öl und Gas“-Bonus stark ausgeweitet. Jürgen Schneider vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie kündigte beim Pressegespräch weiters an, dass zwischen 2022 und 2025 1,64 Milliarden Euro in diese Maßnahmen, aber auch in ein Paket für die soziale Abfederung davon fließen werden. Und auch nach 2025 werde die Förderung in diese Richtung weitergehen, kündigte Schneider gleich an. Aber Geld ist nicht alles – es muss auch bei den richtigen Menschen ankommen. Robert Schmid, Obmann des Fachverbands Stein- und keramische Industrie, ortet ein Problem mit der Komplexität, „da haben wir alle gemeinsam die Welt der Förderung beim Bauen und Sanieren verkompliziert“. Es gebe zu viele Stellen und zu viele Verantwortliche: „Im Nebel des Förderdschungels findet man die Quelle nicht und verdurstet – obwohl genug Geld da wäre.“
Fachkräfte
Nicht zuletzt braucht es für die vielen Sanierungen, die man sich in den kommenden Jahren wünscht, auch viele Arbeitskräfte. Dem steht laut Studie aber der derzeitige Boom im Wohnungsneubau im Wege, weil bei der hohen Auslastung der Bauwirtschaft die Kapazitäten für die Sanierung fehlen.