Mutiger Lehrer in schwierigen Zeiten

Josef Anton Bitschnau erfährt in der Gemeinde Vandans eine ehrende Würdigung in Form einer Gedenktafel.
Vandans Im Jahr 1938 kam es zum „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland. Die Zeiten waren schwierig damals. Nichtsdestotrotz führte der Familienvater und Lehrer Josef Anton Bitschnau gewissenhaft seine Schulchronik weiter. Darin schildert er, dass unmittelbar nach dem „Anschluss“ im Dorf eine freudige Stimmung wahrzunehmen gewesen sei. „Stolz wurden Hakenkreuzzeichen angesteckt, Hakenkreuzfahnen wurden gehisst und ‚Heil Hitler‘-Rufe waren rundum zu hören“, ist den Zeilen des Erinnerungszeichens in Vandans, beim Schulzentrum Montafon, zu entnehmen.
Dieses wurde unlängst im Rahmen eines kleinen Erinnerungsspaziergangs, der vom Amt der Gemeinde zur Schule führte, vorgestellt. In seiner Chronik schildert Bitschnau diese Begeisterung laut Michael Kasper vom Heimatschutzverein Montafon „in einem Grundton der Angst“. Als überzeugter Christdemokrat war Bitschnau zuvor bereits ein Gegner des nationalsozialistischen Regimes gewesen. „Leider sollten sich nun seine Befürchtungen bald bestätigen“, heißt es in der „Chronik des Widerstandes“ weiter. „Zuerst wurde Schwester Apollonia als Lehrerin der Volksschule entlassen. Dann läuteten die Kirchenglocken zum letzten Mal.“
„Ade, liebe Schule!“
Bitschnau selbst schrieb dazu: „Bald werden sie zu Werkzeugen der Vernichtung umgewandelt.“ Und schließlich wurde auch Pfarrer Nesensohn verboten, Religion zu unterrichten. Im November 1944 notierte Bitschnau in seinem letzten Chronikeintrag, dass auch er selbst seines Dienstes enthoben worden sei. Seine „regierungsfeindlichen Äußerungen“ hätten dazu geführt. „Ade, liebe Schule!“ lauteten die letzten Worte des Lehrers, die er in die Schulchronik schrieb. Danach wurde er ins Gefängnis in Feldkirch eingeliefert.
„Nach Verbüßung einer zweimonatigen Gefängnishaft musste Bitschnau in den letzten Kriegsmonaten zum Volkssturm einrücken. Als das Kriegselend und der Nationalsozialismus endlich vorbei waren, konnte auch Bitschnau aufatmen“, informierte der Heimatschutzverein. Mit dem Erinnerungszeichen erfährt Josef Anton Bitschnau eine erinnernde Würdigung. Namens seiner Geschwister dankte Florentin Bitschnau beim Erinnerungsspaziergang allen, die zur Präsentation der Gedenktafel „an unseren Papa“ gekommen waren.
Michael Kasper vom Heimatschutzverein dankte er „für die Aufarbeitung mancher Ereignisse einer furchtbaren Kriegszeit in unserer Gemeinde“. Sein Dank galt zudem der Direktorin der Volksschule Vandans, Evelyn Stoiser, die die Schulchronik zur Verfügung gestellt hatte, und der Gemeinde Vandans mit Bürgermeister Florian Küng für die Mitarbeit an der Gedenktafel.
Die Nachkommen von Josef Anton Bitschnau zeigten sich sehr erfreut über die Gedenktafel: „Wir sind fest davon überzeugt, dass er sie verdient hat!“ Bitschnau hat sich nach Angaben seiner Familie geweigert, das Kruzifix aus den Schulklassen zu entfernen. Deswegen sei er eingekerkert worden. Nur das Kriegsende habe ihn vor der Deportierung in ein Konzentrationslager bewahrt. Außerdem habe der Gewürdigte sein großes Herz gezeigt. „Nach dem Krieg hat sich unser Vater persönlich vor Gericht für Leute aus dem Dorf eingesetzt, die der Nazi-Vergangenheit angeklagt waren. Unser Vater aber wusste, dass sie untadelig waren“, erinnerte sich Florentin Bitschnau an die Zeit mit seinem Vater zurück. SCO


