Bewegende Frauenschicksale

Autorin Nadine Kegele bot in der Lorünservilla eine musikalische Lesung.
Bludenz „Ein kleiner Rahmen, so wie heute Abend, eignet sich ideal für eine ganz besondere Lesung“, zeigte sich Kulturstadtrat Cenk Dogan anlässlich der musikalischen Lesung von Nadine Kegele begeistert. Als sehr stimmiger Veranstaltungsort diente die Lorünservilla in Bludenz. Hausherr Beat Fleisch, der die Besucher beim Einlass mit Getränken versorgte, stimmte dem zu: „Mir gefällt es ausgesprochen gut, wenn in der Villa auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Es ist mir ein Anliegen, diese schönen Räumlichkeiten mit Leben zu füllen. Solche Veranstaltungen dienen unter anderem auch dazu, dass die Besucher miteinander ins Gespräch kommen.“
Verschlungene Lebenswege
Nadine Kegele wurde in Bludenz geboren und lebt mittlerweile in Wien: „Eigentlich wollte ich früher eine Buchhändlerlehre machen, habe mich dann jedoch für einen anderen Ausbildungsweg entschlossen. Umso mehr freut es mich, wenn meine Bücher nunmehr in der Tyrolia-Buchhandlung, die früher noch Heinzle’s Erben hieß, präsentiert werden. Als ich noch in Bludenz gelebt habe, hätte ich mir das nie vorstellen können. Es ist schon eigenartig, wie Lebenswege verlaufen.“ Mit Lebenswegen beschäftigte sich die erfolgreiche Schriftstellerin auch in ihrem Buch „Lieben muss man unfrisiert. Protokolle nach Tonband“, aus dem sie einige Porträts vortrug. Einzelne Porträts wurden von ihr vertont und mit Ukulele-Begleitung vorgetragen: „Ich bin keine professionelle Musikerin und kann nicht einmal Noten lesen, ich spiele nur Akkorde.“
Frauenschicksale
Bei den im Buch vorkommenden Porträts handelt es sich um 18 Frauen und eine Trans-Person. Mit einem Textausschnitt aus „Michaela“ wurden die Thematiken Frausein, Sexualität, Tod und Trauerbewältigung angesprochen. Ein sehr berührendes Porträt bildete „Fanny“, eine 96-jährige ehemalige Nachbarin von Nadine Kegele in Wien. Fanny hat im Laufe ihres Lebens viel erlebt, angefangen von Kindheits- und Jugenderinnerungen – „ganz jung war ich sehr glücklich“ – bis hin zu Erfahrungen während des Nationalsozialismus und der Nachkriegsjahre wurde ein sehr prägnanter Bogen bis zur Gegenwart gespannt. Sehr beeindruckend war die sehr positive Lebenseinstellung von Fanny, selbst Schicksalsschläge wie die Erkrankung an TBC beeinträchtigten diese nicht.
Ganz andere Aspekte beinhaltete beispielsweise das Porträt von „Rosalind, 13“. Darin wurden Vorgaben und Erwartungshaltungen an sehr junge Frauen geschildert, wobei auch der historische Kontext berücksichtigt wurde.
Erinnerung an Therese Zauser
Jedes Porträt setzt behutsam ein Frauenschicksal in Szene, Nadine Kegele übernahm hierbei auch den jeweiligen passenden Sprachduktus. Ein Beitrag widmete sie Therese Zauser, einer Tänzerin aus Feldkirch, die selbst in Nordafrika auftrat und schließlich im KZ Ravensbrück landete. Mit Hilfe von Reinhard Häfele, der als Nachlassverwalter fungiert, entwickelte die Autorin einen Auftragstext für ein Theaterstück, das von Brigitte Walk umgesetzt wurde und bereits mehrfach aufgeführt wurde. Dabei schilderte sie das Leben von Therese Zauser aus zwei Perspektiven, nämlich dem Du und dem Ich. Ein Lied über das Leben der Tänzerin benannte sie „Requiem für Resi“. Der bewegte Lebenslauf von Therese Zauser bildet nun die Grundlage für ein Buch: „Wobei noch viel Recherche-Arbeit vonnöten ist. Ich habe ein kleines Kind und dadurch noch zu wenig Zeit für dieses Projekt.“
Das literarische Talent von Nadine Kegele fand unter anderem im Jahr 2013 eine sehr fundierte Bestätigung, als ihr der Publikumspreis beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb verliehen wurde. Die Lesung in der Lorünservilla fand im Rahmen des „Bludenzer Literaturherbsts“, der unter dem Motto „Starke Frauen/Starke Geschichten“ steht, statt. Die Titelgebung ist sehr passend – denn auch Nadine Kegele ist eine starke Frau. BI



