Grün ist auch auf dem Dach gefragt

HE_Blude / 23.02.2021 • 13:42 Uhr
Die Marktgemeinde Rankweil gilt als vorbildhaft in der Kombination Gründach und Photovoltaik.VLK/Hofmeister
Die Marktgemeinde Rankweil gilt als vorbildhaft in der Kombination Gründach und Photovoltaik.VLK/Hofmeister

Neuer Ratgeber zeigt, wie Gründächer und Photovoltaik kombiniert werden können.

BROSCHÜRE Ein Gründach verlängert die Lebensdauer der Dachhaut, hilft die Folgen des Klimawandels zu dämpfen und liefert einheimischen Wildbienen, Schmetterlingen und Vögeln einen Lebensraum. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage trägt es zudem zum aktiven Klimaschutz bei. Der neue Ratgeber „Gründach und Photovoltaik“ von Land Vorarlberg und Energieinstitut zeigt, wie Private, Gemeinden und Unternehmen mit ihren Dächern zur Energieautonomie und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen können und welche Regeln bei der Kombination der beiden Technologien beachtet werden müssen.

Führende Experten

Vorarlbergs Flachdächer liegen meist lediglich mit Kies bedeckt in der Sonne. Gerade 0,4 Prozent aller Dächer im Land sind begrünt. Auch der Anteil der Photovoltaikanlagen liegt noch weit unter den Möglichkeiten. Eine Aufwertung der Dachflächen in Vorarlberg birgt ein großes ökologisch und ökonomisches Potenzial. „Werden Dächer zu kleinen Sonnenkraftwerken, tragen sie zur Energieautonomie bei und sind auch wirtschaftlich sinnvoll nutzbar. Werden die Dächer zusätzlich begrünt, halten sie wertvolles Regenwasser zurück und schaffen für Insekten Nahrungs- und Lebensraum“, so Landesrat Johannes Rauch.

Experte in Sachen Dachbegrünung

In der Schweiz sind Dachbegrünungen unter anderem in den Bauordnungen von Zürich, Basel oder St. Gallen ab einer gewissen Dachfläche vorgeschrieben. Dementsprechend hoch ist der Erfahrungsschatz in der Schweiz. Für die Erstellung des neuen Vorarlberger Leitfadens konnte einer der führenden Experten auf dem Gebiet
gewonnen werden. „Die Kombination von Photovoltaik und Gründach ist ein Muss in Zeiten von Klimawandel und Biodiversitätsverlusten vor der Haustüre und weltweit“, so einer der Autoren des neuen Ratgebers, Stephan Brenn­eisen, Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Keine Schädigung

Das Vorurteil, dass Pflanzen die Dachhaut schädigen, gehört der Vergangenheit an. Längst sind Technik und Materialien in Hinblick auf Dachabdichtung und Wurzelschutz ausgereift und standardisiert. Auch der Pflegeaufwand lässt sich auf ein bis zwei Pflegegänge pro Jahr begrenzen, wenn die Pflege schon bei der Planung berücksichtigt wird. „Fehler in der Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik gehen meist zulasten des Stromertrags. Sie lassen sich aber einfach vermeiden“, so Katrin Löning, Mitautorin des Ratgebers. „Neben dem Ratgeber tragen wir dem mit entsprechenden Beratungsangeboten und einer übersichtlichen Erstinfo im Web Rechnung“, so Harald Gmeiner vom Energieinstitut. Dort kann auch der Ratgeber heruntergeladen oder als Printversion bestellt werden: www.energieinstitut.at/gruendach-pv

Gründach & Photovoltaik

» Ideal ist eine Aufständerung, bei der die untere Modulkante 30 cm über dem Substrat zu liegen kommt. Die Gefahr der Beschattung durch die Pflanzen wird so reduziert. Außerdem gestaltet sich die Pflege einfacher, da die Bereiche direkt vor der tieferen Modulkante besser erreichbar sind.

» Eine erhöhte Neigung (ab etwa 10°) verbessert den Selbstreinigungseffekt der Module.

» Bei einem Gründach mit einer PV-Anlage ist auf die Höhenverteilung des Substrates zu achten: unmittelbar vor der Unterkante der Module ist wenig Substrat (etwa 6–8 cm) auszubringen, in den Bereichen unter bzw. hinter den Modulen kann die Substrathöhe deutlich höher sein (bis zu 15 cm).