Ein Tag in der Unfallambulanz: “Exorbitant, was das LKH Bludenz leisten muss“

Gesund / 26.01.2024 • 12:00 Uhr
Ein Tag in der Unfallambulanz: "Exorbitant, was das LKH Bludenz leisten muss“
In der Unfallambulanz der Alpenstadt geht es im Winter selten ruhig zu. VN/Rauch

Der Jänner ist touristisch ein relativ ruhiger Monat, wenige haben Ferien. Davon merkt man in der Unfallambulanz aber immer weniger.

Bludenz Am Montagmittag kehrt etwas Ruhe in die Unfallambulanz am Landeskrankenhaus Bludenz ein. Den Vormittag nutzte man für die planbaren Termine, etwa Gipserneuerungen. Es wird noch etwas dauern, bis der Wintersport die ersten Frischverletzten in die Ambulanz spülen wird.

Am späten Mittag ist es ruhig in der Ambulanz. Die planbaren Termine sind abgearbeitet, die Unfälle kommen eher am Nachmittag an.<span class="copyright"> VN/Rauch</span>
Am späten Mittag ist es ruhig in der Ambulanz. Die planbaren Termine sind abgearbeitet, die Unfälle kommen eher am Nachmittag an. VN/Rauch

„Die Wintersaison begann heuer ein Stück früher als letztes Jahr“, verweist Michael Uschnig in einer ruhigen Minute auf den frühen Schneefall heuer. Dies bedeutet für den Gipser in der Unfallambulanz primär eines: 30 bis 40 Patienten mit Brüchen pro Arbeitstag, jeder zwölf Stunden lang. Am Tag sind rund 120 Patienten mit Verletzungen in der Unfallambulanz in der Wintersaison die Norm. Derzeit, zwischen den Ferien, dominieren Tagestouristen aus dem Umland unter den Patienten. „Am Wochenende ist schon exorbitant, was Bludenz leisten muss“, verweist er auf die nahen Skigebiete. Dabei ist Jänner, also keine Hochurlaubssaison in Europa. Der Bürser hat einen Vergleichswert, er ist vor einem Jahr von Feldkirch nach Bludenz gewechselt.

Michael Uschnig ist seit einem guten Jahr in Bludenz. Ruhige Minuten sind für den Gipser selten. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Michael Uschnig ist seit einem guten Jahr in Bludenz. Ruhige Minuten sind für den Gipser selten. VN/Rauch

Nun, unter der Woche, ist der Tag für den 40-Jährigen planbarer. Am Wochenende hat er jedoch kaum Zeit zum Durchatmen oder für die Patienten. „Man versucht es mit Empathie und Humor zu machen“, betont er. „Gegessen wird dann aber eher zwischen Tür und Angel, damit die Patienten nicht länger leiden.“

Jan Kastner und Markus Gebauer sind vom Fach und mehr als zufrieden mit der Betreuung in der Unfallambulanz. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Jan Kastner und Markus Gebauer sind vom Fach und mehr als zufrieden mit der Betreuung in der Unfallambulanz. VN/Rauch

Langsam kommen die ersten Patienten frisch von der Piste per Rettung an. Sie sind leicht erkennbar am Schuhwerk. Die Übergabe ist fließend, die Sanitäter bald wieder auf dem Weg. „Der nächste Einsatz wartet schon“, verweist der Rotkreuzler auf den Pager am Gürtel. Im Wartebereich sitzt Jan Kastner. Der HNO-Arzt aus dem Prager Umland wartet auf seinen Freund und Mediziner Martin Gebauer. Die beiden Tschechen urlauben mit ihren Familien seit Jahren in Gargellen, Gebauer hat sich die Hand bei einer Kollision verletzt. Für die Aufnahme im LKH Bludenz hat Kastner nur lobende Worte. Nach einer halben Stunde kommt sein Freund mit einer fixierten Hand zurück. „Man hat mir die Wahl gelassen, ob ich mich hier operieren lassen will oder zuhause“, erklärt der Tourist. Er entschied sich für sein Heimatkrankenhaus, wo er selbst arbeitet. Es habe ja keine Eile.

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Damit ist Gebauer nicht allein. Um den Andrang an Verletzten bewältigen zu können, wird strikt nach Notwendigkeit behandelt. „Wir haben einen Versorgungsauftrag“, betont Oberarzt Philipp Bichay. Akutes wird immer behandelt, jeder erhält die notwendige Ersthilfe. 20 Betten hat die Unfallchirurgie, mit 30 Betten ist sie jedoch überbelegt, weitere Patienten sind auf die anderen Stationen aufgeteilt. Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Patienten. „Überall werden die Menschen fordernder und ungeduldiger, der Mensch wird egoistischer“, fasst es Bichay zusammen – auch abseits der Ambulanz.

Florian Siegl bereitet die Patienten für die Operation vor.<span class="copyright"> VN/Rauch</span>
Florian Siegl bereitet die Patienten für die Operation vor. VN/Rauch

Nicht dringend notwendige Operationen werden daher nach Möglichkeit auf die Heimatkrankenhäuser der Wintergäste ausgelagert. Prothesen werden in den Wintermonaten grundsätzlich ausgelagert. Langweilig hat es Florian Siegl in der OP-Vorbereitung dennoch nicht. „Bei mir sind alle so nervös, dass immer alle freundlich sind“, ist er froh. Der 30-Jährige sorgt seit sieben Jahren dafür, dass die Patienten korrekt vorbereitet auf dem passenden OP-Tisch zu den Chirurgen kommen. Auch hier gilt: Planbares an den Vormittagen, Notfälle dann am Nachmittag und am Wochenende. In den Ferien kann der OP-Saal bis 1 Uhr durchlaufen, betont Bichay. „Wir merken die Pistenzustände gut“, ergänzt der OP-Assistent. Bei harten Pisten kommen eher Knieverletzungen vor, bei weichen Pisten leiden eher die Bänder. Gleichzeitig erlauben die immer besser präparierten Pisten immer höhere Geschwindigkeiten – und damit schwerere Verletzungen.

Am Nachmittag kommen allmählich die akuten Unfälle von den Pisten im LKH an – gut erkennbar am Schuhwerk.<span class="copyright"> VN/Rauch</span>
Am Nachmittag kommen allmählich die akuten Unfälle von den Pisten im LKH an – gut erkennbar am Schuhwerk. VN/Rauch

Bichay kann sich auf sein Team verlassen: Drei Fachärzte, drei Assistenzärzte und zwei Turnusärzte machen wochentags Dienst. „Wir sind immer füreinander da“, versichert Bichay. „Wir können uns gegenseitig in der Freizeit anrufen und dann kommt man auch.“ Von Siegl und Uschnig gibt es ebenfalls nur lobende Worte für den Zusammenhalt auf der Station. Das Skifahren verleidet die Arbeit den Mitarbeitern selbst auch nicht. „Ich bin geprüfter Skilehrer, ganz ohne geht es nicht“, räumt Siegl ein.

Dass Bludenz ein Wintersport-Spital ist, merkt man überall. <span class="copyright">VN/Rauch</span>
Dass Bludenz ein Wintersport-Spital ist, merkt man überall. VN/Rauch