Wenn Patienten ihren Hausarzt verlieren: „Jetzt muss ich den längeren Weg auf mich nehmen“

In den Rheindeltagemeinden wird deutlich, welche Herausforderungen entstehen, wenn Patienten plötzlich ohne ihren vertrauten Hausarzt dastehen.
Höchst, Fußach, Gaißau Ende letzten Jahres verabschiedete sich der langjährige Kassenarzt Hans Gasser in Höchst in den Ruhestand. Mit ihm verschwand ein wesentlicher Teil der medizinischen Versorgung der Gemeinde. Was folgte, war eine spürbare Versorgungslücke, die nun dringend geschlossen werden muss. Doch die bestehenden Allgemeinmediziner in Höchst sind bereits am Limit – eine Übernahme von Doktor Gassers Patientenstamm ist daher unmöglich.

Eine potenzielle Nachfolgerin fand sich schnell, doch ihre Ansiedlung scheiterte an einem banalen, aber entscheidenden Hindernis: Es gab einfach keine passenden Räumlichkeiten für sie. Die Gemeinden Höchst, Fußach und Gaißau reagierten gemeinschaftlich, um die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Sie kamen überein, dass Gassers ehemalige Patienten zukünftig in Fußach behandelt werden.
Ein treuer Patient verliert seinen Arzt
Alois Humpeler, einer der vielen Betroffenen der aktuellen medizinischen Situation in der Region, war langjähriger Patient – er vertraute ihm über drei Jahrzehnte. „Es ist sehr schade, dass Doktor Gasser nicht mehr praktiziert“, erklärt der 84-Jährige. „Jetzt muss ich den längeren Weg nach Fußach auf mich nehmen, um medizinische Versorgung zu erhalten.“

Anstrengungen der Gemeinde Höchst
„Die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur für die Bewerberin Frau Doktor Monika Lenzi war trotz intensiver Anstrengungen nicht rechtzeitig möglich“, räumt Stefan Übelhör, Bürgermeister von Höchst, ein. Aktuell arbeitet die Gemeinde zusammen mit dem AKS Bregenz an der Planung eines neuen Gesundheitszentrums. „Mit einem Baubeginn ist, wenn alles nach Plan verläuft, frühestens im Winter 2024 zu rechnen“, erklärt das Gemeindeoberhaupt.
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Während Höchst noch an Lösungen arbeitet, hat Fußach bereits einen entscheidenden Schritt gemacht: Für rund 1,6 Millionen Euro wurde im Ortszentrum ein neues Wohn- und Geschäftsgebäude errichtet, das neben einer Apotheke auch Räumlichkeiten für Arztpraxen im Erdgeschoss bietet. Dies schuf die Möglichkeit, Lenzi in Fußach die Infrastruktur bereitzustellen, die ihr in Höchst fehlte. „Wir können die Praxis von Frau Lenzi schon Mitte März eröffnen, was den Patienten aus Höchst wieder Zugang zu einer Hausärztin bieten wird“, meint Peter Böhler, der Bürgermeister von Fußach.

Gesundheitszentrum als Lösung
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Bau des geplanten Gesundheitszentrums in Höchst noch erleben werde“, gibt Herr Humpeler zu bedenken. Trotz dieser Unsicherheit in der Bevölkerung zeigt sich der Höchster Bürgermeister zuversichtlich: „Durch das geplante Gesundheitszentrum haben wir die Möglichkeit, eine zusätzliche Kassenarztstelle in Höchst anzusiedeln. Unsere gegenwärtige Zusammenarbeit mit Fußach dient als gute Übergangslösung und sichert weiterhin die medizinische Versorgung unserer Bürger“, so Übelhör.