Die Chirurgie braucht alle Werkzeuge

Gesund / 08.12.2023 • 09:41 Uhr
Assistenzarzt Jürgen Parzefall, Stationsleiterin Elisa Sonderegger und Primar Ingmar Königsrainer (v. l.) hatten interessante Infos für die Zuhörerinnen und Zuhörer parat. vlkh
Assistenzarzt Jürgen Parzefall, Stationsleiterin Elisa Sonderegger und Primar Ingmar Königsrainer (v. l.) hatten interessante Infos für die Zuhörerinnen und Zuhörer parat. vlkh

Jede verfügbare Technik hat ihre Berechtigung. Gute Patientenberatung wichtig.

Feldkirch „Wenn dein einziges Werkzeug der Hammer ist, schaut alles aus wie ein Nagel.“ Ob der Satz tatsächlich von Mark Twain stammt oder nicht, sei dahingestellt. Primar Ingmar Königsrainer unterstrich damit jedenfalls, was in der Chirurgie zählt: „Wesentlich ist, dass man alle technischen Möglichkeiten zur Verfügung hat und sie individuell einsetzen kann. Es ist falsch zu sagen, ein Werkzeug ist die Lösung für alles, man braucht alle Werkzeuge,“ betonte der Leiter der chirurgischen Abteilungen der Landeskrankenhäuser Feldkirch und Bludenz. So hat das Skalpell nach wie vor seine Berechtigung, immer mehr jedoch steht die Roboterchirurgie im Vordergrund. Oberstes Ziel sei aber, die Patienten gut zu beraten und sicher durch einen Eingriff zu bringen. In diesem Zusammenhang hob Königsrainer die Bedeutung der Zusammenarbeit innerhalb eines Spitals hervor: „Um die Chirurgie sicher zu machen, braucht es jedes einzelne Mitglied.“

Innovation als Auftrag

Im Landeskrankenhaus Feldkirch werden komplexe chirurgische Eingriffe in Bauch und Brustkorb durchgeführt. Ebenso ist die Abteilung für die gesamte Notfallchirurgie und die Versorgung von Komplikationen zuständig. Das Spektrum als solches reicht von der Leber- und Bauchspeicheldrüsenchirurgie über die Darmchirurgie bis hin zur Magen-, Speiseröhren- und Schilddrüsenchirurgie. „Wir sind aber auch für die Kinder da“, führte Ingmar Königsrainer aus. Alle Bereiche werden zudem durch Spezialsprechstunden abgebildet. Im LKH Bludenz ist unter anderem eine Basischirurgie beheimatet. Einen Schwerpunkt bildet die Chirurgie des Enddarms, und es gibt eine Endoskopie. Die Chirurgie mit ihren zwei Standorten ist als Zentrum zertifiziert. „Unser Auftrag lautet daher, innovativ zu sein“, erklärte Königsrainer. Als Beispiele nannte er spezielle Therapien, die etwa bei Metastasen im Bauchfell angewendet werden. „Man kann die Tumoren lokal verbrennen oder bestrahlen und damit ohne radikale OP vielen Patienten helfen.“ Die Roboterchirurgie erweitert die Möglichkeiten ebenfalls. Die chirurgische Abteilung führt pro Jahr etwa 150 Eingriffe mit dem Roboter durch. Tendenz steigend. Neu ist der Einsatz in der Brustchirurgie.

Lernkonsole kommt

Assistenzarzt Jürgen Parzefall sprach über die Ausbildung zum Chirurgen. Die Möglichkeit, an zwei Standorten tätig sein zu können, hält er für einen großen Vorteil. Das Ziel der Ausbildung selbst wird durch das chirurgische Angebot definiert, und das ist umfassend. „Die Kombination aus sehr breiter Ausbildung und spezialisierter Chirurgie macht für mich persönlich den Standort attraktiv“, sagte Parzefall. Auch bei der Robotik stehen Assistenzärzte am OP-Tisch. „Wir kennen also die Gegebenheiten, führen aber keine Operationen durch“, erklärte er. Der Grund: Es ist nur ein Ein-Konsolen-System vorhanden. Parzefall: „Die Ausbildung wäre mit einer Doppelkonsole deutlich besser möglich.“ Das Problem sollte sich lösen lassen, denn Feldkirch erhält eine Lernkonsole. „Sie ermöglicht nicht nur einen früheren Einstieg in die Roboterchirurgie, sondern ein Lernen bei optimaler Patientensicherheit“, freute sich der Assistenzarzt und ergänzte: „Ich denke, ich werde mein gesamtes chirurgisches Leben vom Roboter begleitet.“ Anliegen müsse es sein, die neue Ärztegeneration so auszubilden, dass sie das Potenzial der Roboterchirurgie optimal nützen könne.

Patienten profitieren

Elisa Sonderegger gab Einblicke in die pflegerischen Aufgaben in der chirurgischen Abteilung. Gerade große Operationen würden eine intensive pflegerische Vor- und Nachbetreuung und viel Wissen erfordern, um auch bei Komplikationen rasch eingreifen zu können. Generell würden Patienten stark von der Modernisierung der Medizin profitieren, da es eine gute Vernetzung zwischen den Häusern gebe. Als Beispiel nannte Sonderegger das einheitliche Dokumentationssystem, das eine rasche Einsicht in die Patientenakte ermögliche.